
Wien: Flüchtlinge teils weiter in Hungerstreik
Weiterhin halten sich Flüchtlinge in der Wiener Votivkirche auf, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen, einige noch immer durch Hungerstreik. Die Caritas betreut die Anwesenden und versucht zu vermitteln, hat Caritas-Sprecher Klaus Schwertner am Dienstag gegenüber "Kathpress" mitgeteilt. "Wir stehen Seite an Seite mit den Flüchtlingen. Nach den persönlichen Gesprächen mit ihnen ist mir sehr klar, dass es nicht um Erpressung geht. Die Flüchtlinge sind völlig verzweifelt und haben sehr bescheidene Wünsche."
"Viele Menschen zeigen Solidarität und kommen in der Kirche vorbei", berichtete Schwertner weiter. Kritik stamme oft von jenen, die noch nie mit einem Flüchtling gesprochen hätten. "Die Lebensrealitäten und Fluchtgeschichten dieser Menschen aus der Votivkirche sind unvorstellbar tragisch und berühren persönlich. Es braucht sehr sensiblen Umgang mit ihnen, da sie teils schwer traumatisiert sind", betonte der Caritas-Sprecher.
Zu zwei kleinen Zwischenfällen sei es bei den beiden Gottesdiensten am Heiligen Abend um 22 und 24 Uhr gekommen, so Schwertner, "als Aktivisten versucht hätten, sich zu Wort zu melden. In beiden Fällen beruhigte sich die Situation rasch." Nur "eine Handvoll" Aktivisten seien derzeit in der Votivkirche, betont der Caritas-Sprecher. Seitens der Kirchenbesucher hätten viele großes Interesse und Solidarität mit den Flüchtlingen gezeigt. Die Nacht sei dann "sehr ruhig" verlaufen.
Kritisch dürfte die Situation besonders jener Flüchtlinge sein, die sich weiterhin in Hungerstreik befinden - 25 davon sind namentlich auf einer Liste in der Kirche angeführt. Teils seien sie schon sehr geschwächt und erschöpft, teilte der Caritas-Sprecher mit, weshalb die Unterstützung der Johanniter angefordert wurde, die in der Nacht von Montag auf Dienstag mit zwei Sanitätern vor Ort waren.
Notquartier bisher keine Lösung
Klarheit gibt es mittlerweile über die mehr als 60 Asylwerber, die am Montag in das kurzerhand errichtete Caritas-Notquartier gekommen waren - "infolge eines Gerüchtes", wie Schwertner mitteilte. Anders als anfangs angenommen, zeigte die Erhebung der Daten am Abend jedoch, dass unter den Einquartierten niemand aus der Votivkirche oder aus dem Zeltlager davor dabei war. Dennoch wurden die Obdachsuchenden - auch Frauen mit kleinen Kindern waren dabei - nicht in die Kälte zurückgeschickt, sondern durften über Nacht bleiben, erhielten ein Frühstück und wurden dann laut Schwertner gebeten, "in ihre bisherigen Bleiben zurückzukehren".
Weiterhin stehe das Notquartier Obdachsuchenden mit Betten, Schlafsäcken und Decken bereit, falls die Flüchtlinge der Votivkirche das Angebot annehmen wollten, so Schwertner, Nachsatz: "Natürlich zwingen wir niemanden."
In Richtung Politik forderte Schwertner weiterhin rasche Schritte, "um bei strukturellen Fragen wie dem Zugang zum Arbeitsmarkt und Qualitätsstandards in der Grundversorgung, speziell für Kinder und Jugendliche, voranzukomen".
Quelle: Kathpress