
Migration und Integration im Gespräch
"Migration und Integration: Pastorale Herausforderungen und Chancen" lautet das Thema der Österreichischen Pastoraltagung von 10. bis 12. Jänner im kirchlichen Bildungszentrum Salzburg-St. Virgil. Getragen von der christlichen Überzeugung, dass "letztlich alle Menschen geschwisterlich verbunden" seien, will das veranstaltende Österreichischen Pastoralinstitut (ÖPI) bei der traditionsreichen Großtagung Anregungen geben, wie das Zusammenleben von Vertretern unterschiedlicher Kulturen und Religionen gelingen kann, heißt es in der Ankündigung.
Aus der Reihe hochkarätiger Vortragender ragt Kurienerzbischof Agostino Marchetto heraus, jahrelang "Einwanderungsminister" des Vatikan. Er spricht am Eröffnungstag, dem Donnerstag, um 11.30 Uhr über das Tagungsthema. Marchetto galt in seinem vor zwei Jahren altersbedingt zurückgelegten Kurienamt als unbequemer Mahner. Er kritisierte sowohl den Umgang der französischen Regierung Sarkozy mit Roma aus Südosteuropa als auch die italienische Regierung Berlusconi für ihren Kurs gegen illegale Einwanderung. Lob erntete der aus Vicenca stammende Erzbischof dagegen vom Flüchtlingshochkommissariat der Vereinten Nationen.
Der kongolesische Autor und Philosoph Espérance Francois Bulayumi - er ist Bildungsbeauftragter des Afroasiatischen Instituts in Wien - bringt davor am Donnerstag reflektierte Erfahrungen unter dem Titel "Mein langer Weg nach Österreich" in die Pastoraltagung ein. Auch die beiden Folgetage werden von hier heimisch gewordenen Migranten unter diesem Motto eingeleitet.
Podiumsgespräch mit Landau und Kurz
Ein weiterer Höhepunkt des Programms ist ein Podiumsgespräch am Donnerstagabend u.a. mit dem Wiener Caritasdirektor Michael Landau, Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz und der Dresdener Religionspädagogin Monika Scheidler.
Das Spannungsfeld zwischen Diversität und Konvivenz, zwischen kultureller Vielfalt und notwendigem Zusammenleben, beleuchten am Freitagvormittag mit Regina Polak und Martin Jäggle zwei Vertreter des Instituts für Praktische Theologie in Wien.
Der letzte Halbtag am 12. Jänner ist der Ökumene gewidmet: Dabei sprechen der Wiener Weihbischof Franz Scharl, der lutherische Bischof Michael Bünker, der serbisch-orthodoxe Erzpriester P. Drago Vujic und Laszlo Venczer, langjähriger Nationaldirektor der Fremdsprachigen Seelsorge Österreichs.
Brisanz versprechen auch etliche der während der Tagung angebotenen Workshops und Gruppengespräche: Themen sind u.a. die seelsorgliche Begleitung traumatisierter Migranten, die Frage, ob Religion den Integrationsprozess fördert oder im Gegenteil behindert, und die Erfahrungen mit den "Lerncafés" der Caritas. Der frühere Wiener Generalvikar Franz Schuster beleuchtet den Umstand, dass auch immer mehr ausländische Priester in Österreich wirken.
Die Pastoraltagung ist die wichtigste österreichische Weiterbildungsveranstaltung im Bereich der Seelsorge und richtet sich an kirchliche Mitarbeiter in Seelsorge und Schuldienst. Mehrere hundert Interessierte diesseits und jenseits der Grenzen Österreichs, darunter zahlreiche Bischöfe, nehmen alljährlich daran teil.
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Quelle: Kathpress