
Wie spricht Gott zu Kindern?
Katholische Privatschulen wollen - so das Motto einer Tagung - "Gottes Sprechen in einer pluralistischen Welt" sein. Ab Montag befassen sich die Schulerhalter und Direktoren katholischer Gymnasien (AHS) und katholischer Bildungsanstalten für Kindergartenpädagogik (BAKIP) in Salzburg darüber, welche Form dieses "Sprechen Gottes" zu Kindern und Jugendlichen heute hat.
Bei der Tagung im Bildungshaus St. Virgil mit über 70 Schulleitern geht es um eine Vertiefung des Profils katholischer Schulen. Veranstalter sind die Superiorenkonferenz der männlichen Ordensgemeinschaften, die Vereinigung der Frauenorden, die Kirchliche Pädagogische Hochschule Wien/Krems sowie das Interdiözesane Amt für Unterricht und Erziehung.
Wie Tagungsleiter Rudolf Luftensteiner am Wochenende "Kathpress" gegenüber erklärte, waren die letzten Jahre in den katholischen Schulen stark von Umstrukturierungen geprägt, etwa durch die Auflassung von Ordenshäuser an Schulstandorten oder durch Wechsel mancher Schulerhalter. Um sinnerfüllt zu arbeiten, benötigten Pädagogen vor allem mutige Visionen, so der Geschäftsführer der Vereinigung von Ordensschulen Österreichs.
Zugleich betonte Luftensteiner die Rolle der Tradition für die katholischen Schulen. Manche Ordensschulen hätten eine mehr als 300-jährige Geschichte, in der ein großer Erfahrungsschatz enthalten sei.
"Gottes Sprechen" wird für Luftensteiner in katholischen Schulen sichtbar in der starken Zuwendung zu Kindern, denen - statt dem System Schule - der zentrale Platz in der Bildung gehört. Dies drücke sich etwa in "sehr intensiven Betreuungsangeboten" aus.
Weiters gehöre auch das enge Mitwirken der Eltern dazu oder die soziale Bildung und Prägung. Auch das Eröffnen einer weiteren, tieferen Welt durch Kunst und Kultur zählt Luftensteiner dazu, sowie nicht zuletzt die aktive Einbindung anderer Religionen in Form gelebter Wertschätzung des Anders-Seins, die den Lebenshorizont erweitere.
Menschenbild, Vision und Tradition
Den Auftakt der Tagungsvorträge bildet am Montag der Vortrag des Linzer Theologen Franz Gruber zu den Brennpunkten gegenwärtiger Theologie. Unter dem Titel "Mensch-Jesus-Gott" spricht Gruber über den grundlegenden Wandel des Menschen- und Gottesbildes in der pluralistischen Gesellschaft, was auch die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen unter völlig neue Vorzeichen stellt.
Am Dienstag nimmt der Wiener Pastoraltheologe Paul M. Zulehner die Visionen und den Auftrag kirchlicher Schulen in der Gegenwart unter die Lupe. Der Innsbrucker Theologe Jozef Niewiadomski spricht über die "pädagogische Notwendigkeit, die Religion gerade heute zu pflegen". Denn - so Niewiadomski - "wer dem lieben Gott ins Fenster geschaut hat, langweilt sich nicht. Er/sie ist glücklich".
Einen historischen Schwerpunkt mit dem Blick auf Schulchroniken und Schularchive bringt Helga Penz, die Leiterin des Referats der Kulturgüter der Orden. Am Mittwoch äußert sich Werner Jirka, langjähriger Leiter des Kultusamtes im Bildungsministerium, zum Privatschulgesetz sowie zum Zusammenspiel zwischen Schulerhaltern, Direktoren und Schulbehörde, das der Schulexperte als "Verantwortungsnetzwerk" charakterisiert.
Quelle: Kathpress