
Ökumene: "Eine Gewohnheit, die niemand kratzt"?
Wird die Ökumene, die Arbeit an einer Wiederherstellung der Einheit der Christenheit, noch mit Eifer betrieben, oder ist sie eine "schöne Gewohnheit" geworden, "die niemand kratzt"? Mit dieser Frage regt der Sprecher des "Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich" (ÖRKÖ), Erich Leitenberger, eine neue Debatte über verbliebene trennende Fragen zwischen den Kirchen an. Ökumene sei "in den letzten Jahrzehnten zu einer mehr oder minder ritualisierten Alltagsbeschäftigung geworden", so Leitenberger in eine Beitrag für die Online-Plattform www.katholisch.at aus Anlass der "Weltgebetswoche für die Einheit der Christen" (18. bis 25. Jänner).
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Über tatsächlich Trennendes werde kaum offen gesprochen, konstatiert Leitenberger, der zugleich auch Pressesprecher der ökumenischen Stiftung "Pro Oriente" ist. Wenn es in der Ökumene mit Blick auf das nicaeno-konstantinopolitanische Glaubensbekenntnis weiterhin "um diese eine, katholische Kirche geht, dann muss man auch ernsthaft darüber reden, was noch trennt." Dies bedeute jedoch nicht, erreichte Einigkeit in Frage zu stellen, erinnert Leitenberger an die Fortschritte der ökumenischen Bewegung etwa seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65). Anstatt das Erreichte zu würdigen und das Trennende offen auszusprechen werde heute eine kontraproduktive "konfessionelle Profilierung" betrieben, mahnt Leitenberger - eine Profilierung, die jedoch "den ohnehin schon 'Hundertprozentigen' der eigenen Herde Freude macht."
Um das Feuer der Ökumene neu zu entfachen müsse man jedoch auch an die historischen Umstände und konkreten Leidenssituationen erinnern, denen sich die Ökumene verdankt: "Vielleicht ist die Ökumene, auf die wir heute so stolz sind, auch eine Frucht der Leiden der orthodoxen Christen zwischen Konstantinopel und Moskau im 20. Jahrhundert, jener Leiden, an die heute niemand so gern denkt, weil sie als nicht 'passend' empfunden werden?" 1920 sei in den Kernbereichen der Orthodoxie - im Russischen und im Osmanischen Reich - der drohende Zerfall und die Zerstörung der Kirche bereits spürbar gewesen.
Quelle: Katholisch.at