
Glaube: Jugend braucht neue spirituelle Sprache
Die kirchliche Kommunikation mit Jugendlichen über den Glauben kann nur gelingen, wenn sie über eine zeitgemäße spirituelle Sprache erfolgt. Das betonte der Schweizer Theologe, Journalist und Autor Stephan Sigg bei einer Tagung zum Thema Firmvorbereitung an der kirchlich pädagogischen Hochschule Krems am Samstag. Der Verfasser von bekannten Jugendgebetbüchern plädierte dabei nicht nur dafür, die Lebenswelt von Jugendlichen, sondern auch deren Kommunikationsverhalten via SMS, Facebook, Twitter und YouTube ernst zu nehmen und sich davon anleiten zu lassen. Dies sei die Voraussetzung dafür, dass die Kirche und ihr Glaubensangebot bei jungen Menschen verstanden wird und auf Interesse stößt.
Von daher sei es wichtig, dass kirchliche Amtsträger und Mitarbeiter lernen, in einer neuen Sprache über Gott und Glauben zu sprechen. Inspirationen dafür sieht Sigg in aktueller Pop-Musik genau so wie in der Werbung. Sehr lohnend dafür sei die Musik, wo immer wieder Songtexte mit viel Tiefgründigkeit zu finden seien, die sehr pointiert Gefühle und Sehnsüchte von jungen Menschen zum Ausdruck bringen könnten. Genau hinschauen und zuhören lautete der Tipp des Experten, der dazu ermunterte, sich von solchen "populären Medien" etwas abzuschauen.
Ein Blick auf die Begriffe, Bilder, Metaphern und Schlagwörter könne eine hilfreiche Anregung für eine neue spirituelle Sprache sein, sagte Sigg. Dies sei auch deswegen notwendig, um im Gespräch mit Jugendlichen für Begriffe wie "Barmherzigkeit" oder "Nächstenliebe" zeitgemäße Pendants zu finden. Gleichzeitig solle die Kirche Hilfestellungen dafür geben, dass Jugendliche selbst eine spirituelle Sprache entwickeln können.
Gefragt seien neue Formen von Gesprächsangebote via Social Media, aber auch "spirituelle Schreibworkshops", in denen junge Menschen inspiriert werden, ihre Gedanken, Gefühle, Freude und Sorgen aufs Papier zu bringen. Sigg selbst habe mit den Gebetbücher "Treibstoff" und "Echtzeit" versucht, solch eine zeitgemäße spirituelle Sprache zu entwickeln, die nicht anbiedernd ist und nicht auf englische Begriffe ausweicht, um "cool" zu wirken.
Schließlich müsse die Kirche lernen, "ihre Botschaft auf den Punkt zu bringen". Als Beispiel dafür nannte der Schweizer Theologe den "twitternden Abt" des Benediktinerklosters Einsiedeln, Martin Werlen. Die Erfahrung mit Twitter, wo man nur 140 Zeichen zur Verfügung hat, zeige, dass man als Kirche dann Profil gewinnt, "wenn wir pointiert und treffend kommunizieren", so Sigg.
Quelle: Kathpress