
Heer: Kirchenvertreter drängen auf Reformen
Nachdem bei der sonntägigen Volksbefragung eine Mehrheit für die Beibehaltung der Wehrpflicht gestimmt hatte, haben mehrere kirchliche Vertreter die Politik dazu aufgefordert, Reformen für Bundesheer und Zivildienst wie angekündigt rasch zu verhandeln und umzusetzen. Vertreter der Militärseelsorge sprachen sich dabei für eine klarere Kommunikation gegenüber Wehrpflichtigen aus, während die Caritas auf eine stärkere Honorierung des Zivildienstes und freiwilliger Dienste pochte.
Wehrdienst besser begründen
Militär-Bischofsvikar Werner Freistetter appellierte in einem Interview mit Radio Stephansdom an die Politik, jungen Menschen eine "genauere Begründung zu liefern, warum sie Wehrdienst leisten": Katastrophenschutz oder fehlende Zivildiener seien hier keine ausreichenden Argumente, hatte der Leiter des Instituts für Religion und Friede bereits im Vorfeld der Befragung hingewiesen.
"Es geht hier um die Frage der Solidarität im europäischen Verbund und den Beitrag Österreichs, der verschieden gestaltet sein kann", so Freistetter, der zudem auch den Dienst der Soldaten am Gemeinwohl und der Gesellschaft hervorhob, wo es "im Extremfall das Leben" zu riskieren gelte. "Soldatsein ist nicht ein Job wie jeder andere", so der Bischofsvikar.
Auf die Rolle der Militärseelsorge bei den Reformen angesprochen, betonte Freistetter deren Beitrag zu Werten wie Frieden, Einsatz für andere und Beitrag ohne Gegenleistung. Doch auch intern sei eine neue Positionierung geplant: Anlässlich des "Jahr des Glaubens" werde die Militärdiözese im Herbst eine Diözesansynode veranstalten, gab der Bischofsvikar bekannt. "Ziel ist, ein neues, zeitgemäßes Pastoralkonzept zu erarbeiten unter Einbezug möglichst vieler Angehöriger des Militärordinariates."
Eigener Rechtsstatus für Zivildienst
Die Tiroler Caritas forderte indes, der Zivildienst solle nicht länger als Anhängsel der Wehrpflicht eingestuft werden, sondern einen eigenen Rechtsstatus erhalten. "Spätestens seit heute ist klar: Zivildienst ist kein Wehr-Ersatzdienst mehr", so Caritas-Direktor Georg Schärmer in einer Aussendung, in der er im Hinblick auf den klaren Ausgang des Votums auch betonte, offenkundig habe nun "der Zivildienst den Wehrdienst gerettet".
Zu nötigen Weiterentwicklungen im Zivildienst sagte Schärmer unter anderem, Ungerechtigkeiten in der Behandlung der Zivildiener sollten abgebaut, die Öffnung für Frauen vorangetrieben und die freiwillige Verlängerung des Zivildienstes gefördert und honoriert werden. Nachdenken sollte man auch darüber, die Einsatzfelder zu erweitern, wobei der Caritas-Direktor als denkbare Aufgabengebiete "Naturschutz, Kultur- und Bildungsarbeit, Daseinsvorsorge, Nahversorgung, Mitarbeit in Kommunalbetrieben oder Unterstützung von Nachbarschaftshilfen" explizit anführte.
Im Mittelpunkt der Reformbemühungen sollen nun die "Weiterentwicklung eines solidarischen Landes stehen, wo Rechte und Verantwortung bzw. Verpflichtung einander die Hand reichen", so der Appell des Tiroler Caritasdirektors. Der Zivildienst sei eine "soziale Lernwerkstatt", derer Österreich viele brauche.
Zivildienst-Öffnung für Frauen
Ähnliche Reformforderungen hatte bereits am Sonntagabend Caritas-Präsident Franz Küberl gegenüber "Kathpress" genannt - darunter die Öffnung des Zivildienstes für Frauen auf freiwilliger Basis, die Wiedereinführung der Verlängerungsmöglichkeit des Zivildienstes, Verbesserungen bei der Administration und eine Abschaffung der mehrstufigen Kostensätze, die Hilfsorganisationen für Zivildienstleistende bezahlen. Zudem sei eine Stärkung des Ehrenamtes nötig, unter anderem durch mehr Unterstützung des Freiwilligen Sozialen Jahres, so Küberl.
Quelle: Kathpress