
"Ja zur Wehrpflicht ist Auftrag zu raschen Reformen"
Die Entscheidung für die Beibehaltung der Wehrpflicht ist zugleich ein Auftrag zur Reform des Bundesheers und des Zivildienstes. Das betonte Caritas-Präsident Franz Küberl in einer Presseaussendung am Sonntagnachmittag kurz nach Bekanntgabe der ersten Hochrechnung zur Volksbefragung über die Zukunft des Bundesheers. Diese hatte eine deutliche Mehrheit für die Beibehaltung der Wehrpflicht ergeben.
Das Votum sei kein Beschluss dafür, dass alles beim Alten bleiben dürfe. "Die Politik darf sich jetzt keine Verschnaufpause gönnen, sondern muss rasch umfassende Reformen angehen, gerade auch beim Zivildienst", betonte Küberl und plädierte u.a. für die "Öffnung des Zivildienstes für Frauen auf freiwilliger Basis", damit auch diese künftig beim Gedenkdienst gefördert werden könnten.
Küberl zeigte sich davon überzeugt, dass nach der Volksbefragung dieser Vorschlag jetzt reale Chancen auf Umsetzung hat. So würden nach einer aktuellen Umfrage von Fessel GfK neun von zehn Österreicher die Öffnung des Zivildienstes für Frauen befürworten, Frauen zu 89 Prozent und Männer zu 94 Prozent. Dazu betonte der Caritas-Präsident: "Ich kenne kaum ein Vorhaben, das auf eine derart breite Zustimmung stößt. Dem sollten die Entscheidungsträger jetzt rasch nachkommen!"
Als weitere Reformvorschläge für den Zivildienst nannte der Caritas-Präsident die Wiedereinführung der Verlängerungsmöglichkeit des Zivildienstes, Verbesserungen bei der Administration und die "Abschaffung der nicht nachvollziehbaren dreistufigen Einteilung der Kostenersätze der Hilfsorganisationen für die bei ihnen tätigen Zivildienstleistenden". Küberl gab zu bedenken, dass im Falle einer Wehrdienstverkürzung auch die möglichen Auswirkungen für die Länge des Zivildienstes und die Höhe des Taggeldes für Zivildienstleistende zu beachten seien.
Freiwilliges Engagement stärken
Insgesamt gelte es, das freiwillige Engagement für die Gesellschaft weiter zu stärken: "Das bestehende Modell des Freiwilligen Sozialen Jahre, wie es im Freiwilligengesetz geregelt ist, muss besser und höher unterstützt werden, weil diese Jugendprojekte für die Solidaritätsbildung und zur Vermittlung sozialer Schlüsselqualifikationen in unserer Gesellschaft unverzichtbar sind", erklärte Küberl.
Zur Stärkung des Ehrenamtes gehöre es, künftig die Weiterbildung von freiwilligen Helfer, deren Supervision und die Koordination der Freiwilligenarbeit systematisch aus öffentlichen Mitteln zu fördern. Franz Küberl: "Jeder Euro in die Freiwilligenarbeit investiert, ist ein Euro für das Solidaritätsbewusstsein und den sozialen Zusammenhalt. Das sollte uns auch stärker bewusst werden."
Überrascht und erfreut zeigte sich Küberl - so wie alle Politiker und Experten - über die hohe Wahlbeteiligung. "Da wurde in letzter Minute noch die Kurve gekratzt. Umso mehr muss jetzt aber die Politik auch zeigen, dass sie dieses Votum auch ernst nimmt."
Quelle: Kathpress