
Votivkirche: Flüchtlinge setzen Hungerstreik aus
Nach dem Besuch von Kardinal Christoph Schönborn und dem Wiener Caritas-Direktor Michael Landau am Montag in der Votivkirche haben die rund 40 "Kirchenbesetzer" tags darauf angekündigt, ihren Hungerstreik für zehn Tage zu unterbrechen. Sie wollten Kräfte für die von ihnen geforderten Verhandlungen mit dem Innenministerium sammeln, so der Sprecher der Flüchtlinge, Khan Adalat. Allerdings werde man weiterhin das Gotteshaus nicht verlassen, so Adalat.
Nach 31 Tagen im Hungerstreik seien viele der Flüchtlinge "völlig geschwächt" und in einem schlechten gesundheitlichen Zustand, so Caritas-Sprecher Klaus Schwertner im "Kathpress"-Gespräch. In "tiefer Sorge über den Gesundheitszustand" der protestierenden Asylwerber zeigte sich auch Kardinal Schönborn in dem etwa eineinhalb Stunden dauernden Gespräch in der Votivkirche.
In diesem "sehr gut verlaufenden Gespräch" habe der Wiener Erzbischof an die Flüchtlinge appelliert, auf ihre Gesundheit zu achten und angesichts einer sich zuspitzenden Lage um Aussetzung des mehr als einmonatigen Hungerstreiks gebeten, berichtete Schwertner gegenüber der "Kathpress". Zugleich hätten Kardinal Schönborn und Caritas-Direktor Landau betont, Seite an Seite mit den Flüchtlingen zu stehen und deren Protest als Hilfeschrei von Menschen, die in Not sind und grundsätzliche Veränderungen hin zu einem humaneren Asylwesen erreichen wollen, ernst zu nehmen.
Die Kirche solidarisiere sich mit dem Einsatz für einen wirklichen Zugang zum Arbeitsmarkt und damit der Möglichkeit, für sich selbst sorgen zu dürfen, für ein menschenwürdiges Wohnen sowie für rasche, qualitätsvolle Asylverfahren. Von unrealistischen Forderungen wie einer nur auf gesamteuropäischer Ebene umsetzbaren Löschung von Fingerabdrücken seien die protestierenden Flüchtlinge mittlerweile abgerückt. Die nun beschlossene Aussetzung des Hungerstreiks sei "ein Schritt in die richtige Richtung", es bedürfe eines Zugehens aufeinander, so Caritas-Sprecher Schwertner.
Kardinal Schönborn verdeutlichte im Gespräch mit den Flüchtlingen auch den Wunsch der Kirche, die schwierigen Rahmenbedingungen, wie sie in der kalten Votivkirche bestehen, zum Besseren zu wenden. Der Wiener Erzbischof bat erneut um einen Wechsel in warme Quartiere, wo die gesundheitlich stark geschwächten Flüchtlinge besser versorgt werden könnten.
Die 45 Personen setzten am Dienstagabend zwar ihren Hungerstreik nach 31 Tagen aus, sie wollen jedoch weiterhin in der Votivkirche bleiben. Sollte die Regierung keine Verhandlungen mit den Flüchtlingen aufnehmen, kündigten diese eine Fortsetzung des Hungerstreiks mit 1. Februar an.
Verbesserungen im Asylwesen notwendig
Klaus Schwertner hält eine "gute, friedliche Lösung im Rahmen der Gesetze" für möglich, beide Seiten müssten sich aufeinander zugehend bewegen. Das österreichische Asylwesen sei weder zur Gänze schlecht noch ausnahmslos gut, in einigen Bereichen seien Verbesserungen notwendig, wie Landau betonte. Menschen etwa den Zugang zum Arbeitsmarkt zu verweigern heiße, sie zum Nichtstun zu verdammen; dies sei unmenschlich, nicht nachvollziehbar und mache Menschen kaputt, so die Caritas.
Nach Aussetzung des Hungerstreiks werde die Nahrungsaufnahme der Flüchtlinge unter medizinischer Betreuung erfolgen, wie Michael Hüpfl, Chefarzt der Johanniter-Unfall-Hilfe in Wien, der "Austria Presse Agentur" (APA) mitteilte. Die Flüchtlinge, die seit 18. Dezember des Vorjahres auf ihre Situation aufmerksam machen, werden von den Johannitern medizinisch versorgt. Die Sakristei wurde in eine Ambulanz umgebaut, mittlerweile waren an die 30 Krankenhausaufenthalte für die hungerstreikenden Flüchtlinge erforderlich.
Quelle: Kathpress