
Stecher stand für christlich-jüdische Versöhnung
Den Einsatz Bischof Reinhold Stechers für die Verwirklichung des Zweiten Vatikanisches Konzils (1962-65) und der dort verbindlich festgelegten Korrektur des Verhältnisses der katholischen Kirche zum Judentum hat Prof. Martin Jäggle, Präsident des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit, betont. Ausdrücklich würdigt Jäggle, dass Stecher als Bischof von Innsbruck 1985 gegen großen gesellschaftlichen - "und leider auch innerkirchlichen" - Widerstand den Kult um das "Anderl von Rinn" verboten hatte. Damit habe der Verstorbene "Ritualmordlegenden eine klare Absage erteilt und ein für Juden bitteres Kapitel nicht nur der österreichischen Geschichte beendet", so Jäggle: "Es war dies ein dringend notwendige kirchliche Bringschuld, die Bischof Stecher erbracht hat.
Altbischof Stecher war Ehrenmitglied des Koordinierungsausschusses. Jäggle: "Wir werden ihn ehren, indem wir das von ihm Erreichte bewahren und weiterführen."
"Moralische Instanz"
Auch die Israelitische Kultusgemeinde trauert um Altbischof Stecher. Mit ihm "verliert die jüdische Gemeinde weit über Tirol hinausgehend einen wertvollen Dialogpartner und ganz Österreich eine moralische Instanz", heißt es in einer Aussendung, die von Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg, Oskar Deutsch, dem Präsident der Israelitischen Religionsgemeinschaft Österreichs, und Esther Fritsch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde Innsbruck, unterzeichnet ist.
Nachdem durch "haltlose Legenden" wie der des "Anderls von Rinn" gerade in Tirol Juden durch Jahrhunderte verleumdet und diskriminiert wurden und die kleine jüdische Gemeinde in Innsbruck in der Reichspogromnacht einen besonderen Blutzoll zu erleiden hatte, habe Bischof Stecher trotz Widerständen 1985 diesen Kult beendet, zollt die jüdische Gemeinde Respekt.
Wörtlich heißt es in der Aussendung: "Mit seinem konzilianten Wesen und seiner Offenheit war er in den folgenden Jahren nicht nur ein unermüdlicher Kämpfer für die innerchristliche Zusammenarbeit, sondern auch für die Besinnung des Christentums auf seine jüdischen Wurzeln."
Stecher habe die Wiedererrichtung der Synagoge von Innsbruck unterstützt und sei von der Israelitischen Kultusgemeinde-Innsbruck und der internationalen jüdischen Organisation B'nai B'rith geehrt worden. "Seine humorvoll kritische Art und seine Bereitschaft auf Gesprächspartner zuzugehen, werden uns unvergessen bleiben. Wir trauern um einen wahrhaften Freund", halten Eisenberg, Deutsch und Fritsch fest.
Quelle: Kathpress