
Wien: Flüchtlinge nehmen Hungerstreik wieder auf
Die Flüchtlinge in der Votivkirche haben den ausgesetzten Hungerstreik zur Durchsetzung ihrer Forderungen am Freitag wieder aufgenommen. In einer Pressekonferenz in der seit 18. Dezember besetzten Kirche nannten mehrere Flüchtlinge als Grund, dass es in den zehn Tagen seit der Aussetzung des bereits kurz vor Weihnachten begonnenen Streiks zu keinerlei Lösungsangeboten seitens der Politik gekommen sei. Gespräche habe es lediglich über die Übersiedlung aus der immer noch bitterkalten Votivkirche in ein Ersatzquartier gegeben. Sie ließen sich von niemandem instrumentalisieren, so die Flüchtlinge, ihren Protest wollen sie in der Votivkirche fortsetzen.
Gefordert wurde einmal mehr ein legaler Aufenthaltstitel für alle, die seit Beginn der Proteste am 18. Dezember dabei gewesen waren. Auf die Frage, mit welchem Vertreter der Politik sie über eine Lösung verhandeln wollten, antwortete ein Flüchtlingssprecher, "am besten nicht mit einem 'Politiker', sondern mit einem Menschen, der ein Herz hat".
Caritas: Betreuungsangebote bleiben aufrecht
Die Wiener Caritas hält - wie Sprecher Klaus Schwertner am Rand der Pressekonferenz versicherte - ihre Betreuungsangebote auch nach Wiederaufnahme des Hungerstreiks aufrecht: Versorgung mit Getränken und medizinische Betreuung würden fortgesetzt, das angebotene kirchliche Ausweichquartier stehe weiterhin offen.
Dass die Flüchtlinge weiterhin in der Votivkirche bleiben wollen, kommentierte Schwertner mit einer Parallele zur Obdachlosenarbeit der Caritas: Auch da gehe die Caritas den Menschen nach und biete Hilfe. Zu deren Annahme könne aber niemand gezwungen werden. Manche seien aus Angst oder aufgrund schlechter Vorerfahrungen noch nicht sich helfen zu lassen, so Schwertner. Das sei zu respektieren, da es sich um Menschen in einer Notsituation handle. Der wieder beginnende Hungerstreik erfülle die Caritas mit Sorge um die Gesundheit der Flüchtlinge.
Sorge bereite auch, dass das Verständnis in der Öffentlichkeit für die Flüchtlinge schwinde, so Schwertner weiter. Kritik seitens der Flüchtlinge an der Caritas wegen der strikten Zugangsregeln zu der Kirche wies Schwertner zurück. Die Bestimmung, dass maximal fünf Personen von außen auf einmal die Kirche betreten dürfen, um mit den Flüchtlingen zu sprechen oder ihnen etwas zu bringen - sei von der Polizei mit der Erzdiözese ausverhandelt worden. Nach der Kirchenbesetzung sei von den Flüchtlingen eine Namensliste mit 63 Asylwerbern erstellt worden, die der beim Kirchenportal Wache haltenden Polizei als Anhaltspunkt für den Einlass dient, informierte Schwertner. Einen Polizeieinsatz in der Kirche selbst hatte die Erzdiözese als "Hausherrin" mehrfach ausgeschlossen.
Quelle: Kathpress