
Österreichs Bischöfe: Respekt und Bedauern
Mit Respekt und zugleich mit Bedauern reagierten österreichische Bischöfe in ersten Stellungnahmen auf den angekündigten Rücktritt von Papst Benedikt XVI. Alle sprachen von einer mutigen, souveränen und freien Entscheidung des Papstes, der immer das Wohl der Gesamtkirche vor Augen habe. Als "Mann des Geistes" habe er wie kaum ein anderer eine besondere Tiefe in der Vermittlung des Glaubensgeheimnisses erreicht.
» Tipp: Dossier zum Amtsverzicht von Papst Benedikt XVI.
Der Innsbrucker Diözesanbischof Manfred Scheuer zollte Benedikt XVI. "tiefen Respekt zu seiner Entscheidung", die in Souveränität und Freiheit vollzogen und "im Gebet getroffen wurde". Er dankte dem scheidenden Papst für sein Wirken im Dienste der Kirche, erbat Gottes Segen für ihn und lud zum Gebet für den Papst - gerade "in dieser herausfordernden Zeit" - ein.
Der Eisenstädter Bischof Ägidius Zsifkovics vernahm die Nachricht vom Rücktritt Benedikt XVI. mit großer Überraschung. "Ich bedauere diesen Schritt des Heiligen Vaters, hatte er doch als deutscher Papst immer einen besonderen Bezug zu den Menschen in Österreich", so Zsifkovics, der sich derzeit mit einer ökumenischen Pilgergruppe im Heiligen Land befindet. Zugleich äußerte Zsifkovics "größten Respekt" vor dieser Entscheidung, die der Papst "sicherlich nicht leichtfertig getroffen hat. Ich denke, dass es letztendlich doch schwerwiegende Gründe gewesen sind, die ihn zu diesem Schritt veranlasst haben. Diese Entscheidung zeigt aber auch, dass der Papst stets das Wohl der Gesamtkirche vor Augen hat."
Küng: "Nicht ganz unerwartet"
"Beeindruckt, auch überrascht und dann doch nicht überrascht": Das waren die ersten Worte von St. Pöltens Diözesanbischof Klaus Küng zum Rücktritt des Papstes. Demnach habe Benedikt XVI. schon mehrere Male angedeutet, "dass ein Papst in dieser Zeit in jeder Hinsicht gesund sein muss, und offenbar hat er jetzt gespürt, dass seine Kräfte nachlassen."
Dass Papst Benedikt XVI. diese Konsequenz zieht, passe zu ihm. Die Kirche werde sich auf diese Entscheidung einstellen müssen: "Es wird jetzt ein Konklave geben, aber der Geist Gottes hat die Kirche nie verlassen und das wird sich auch jetzt so zeigen."
Benedikt XVI. habe die Geschichte der vergangenen Jahre mitvollzogen und miterlebt, sagt Bischof Küng: "Er ist ein Mann des Geistes. Er ist der Mann der Vertiefung und hat sich bemüht, den Menschen den Geist des zweiten vatikanischen Konzils nahe zu bringen und darzustellen, dass es eine Kontinuität gibt, mit dem, was die Kirche immer vertreten und gelehrt hat", so Küng. Die Analyse und Klärung von Glaubenszusammenhängen sei ein großes Verdienst von Papst Benedikt XVI.
Besondere Österreich-Nähe
Der Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser, der derzeit bei einem Bischofstreffen in Deutschland weilt, habe mit großer Überraschung, Betroffenheit und mit Respekt den mutigen Schritt Papst Benedikts XVI. in seiner Verantwortung für die Gesamtkirche zur Kenntnis genommen. Kothgasser hob in seiner Aussendung die besondere Beziehung des aus Bayern stammenden Papstes zu Österreich hervor. "Ich bitte die Gläubigen, Papst Benedikt XVI. im Gebet zu begleiten und zugleich seine Sorge für die Kirche Gottes in Verantwortung und tätiger Liebe mitzutragen", so Erzbischof Kothgasser.
Ein von der Nachricht des Papstrücktritts "tief bewegter" und "völlig überraschter" Bischof Egon Kapellari von der Diözese Graz-Seckau sprach von einem "wohlüberlegten Schritt" angesichts des "hohen Alters" und der "angeschlagenen Gesundheit" des Papstes, dessen Entscheidung aus der "Verantwortung für die ganze Weltkirche" zu sehen ist.
"Auf andere Weise als Papst Johannes Paul II. ist Benedikt XVI. ein großer Papst, der beharrlich versucht hat, die Kirche in ihrer Mitte und in ihren Glaubenswurzeln zu stärken", so Bischof Kapellari. Papst Benedikt XVI. sei "einer der bedeutendsten Theologen und geistlichen Lehrer der Weltkirche in den vergangenen 60 Jahren": "Sein theologisches Werk wird unsere Weltkirche und die Christenheit überhaupt weiterhin nachhaltig prägen".
Auch der Grazer Bischof hob die besondere Verbundenheit des Papstes mit der Kirche in Österreich hervor: "In der Steiermark gilt dies besonders für Mariazell, wo er zum 850-Jahr-Jubiläum dieses Gnadenortes am 8. September 2007 in unserer Mitte gewesen ist", erinnerte Bischof Kapellari.
Konflikte wirkten bedrückend
Auf das "weltgeschichtliche Ereignis, wenn ein Papst seinen Rücktritt ankündigt", wies der Linzer Diözesanbischof Ludwig Schwarz in einer ersten Reaktion hin. Der Papst spüre seine Grenzen und habe aus voller Freiheit den Verzicht auf sein Amt angekündigt.
Schwarz meinte zudem, dass sich darüber hinaus auch die schweren Themen, wie sexueller Missbrauch durch kirchliche Mitarbeiter und Konflikte innerhalb der Kirche "bedrückend auf den Papst ausgewirkt haben könnten". Als großer Theologe hinterlasse Papst Benedikt XVI. der Weltkirche ein großes Vermächtnis, so Bischof Schwarz. Er wünsche sich auch vom kommenden Papst, dass er das "Kirchenschiff" gut steuere und eine Dialogbereitschaft signalisiere und forderte die Gläubigen auf, die kommende Papstwahl durch das Gebet zu unterstützen.
Verlust in turbulenten Zeiten
"Diese persönliche Entscheidung des Heiligen Vaters verdient allerhöchsten Respekt und größte Achtung" und sei ein "Zeichen der Größe und Souveränität dieses Papstes": Das sagte Bischof Alois Schwarz von der Diözese Gurk-Klagenfurt zum Rücktritt von Papst Benedikt XVI. Dieser sei ein "Verlust von noch nicht abschätzbarem Ausmaß", gerade in einer Zeit, in der die Frage nach tragenden Fundamenten von Kirche und Gesellschaft "drängender denn je" sei. Schließlich sei Benedikt XVI. der "größte Theologe unserer Zeit" und führe die Kirche mit "aufopfernder Hingabe, großer spiritueller und theologischer Weitsicht und intellektueller Kraft".
Das literarische Opus magnum von Papst Benedikt XVI., allem voran dessen drei Enzykliken sowie die Befassung mit der Gestalt Jesu Christi, dessen Reisen sowie dessen besonderes Engagement für die Weltjugendtreffen würden weit über die Kirche hinaus Beachtung finden. Überdies sei dieser Papst, so Bischof Schwarz, wie kein anderer vor ihm mit Kärnten auch persönlich sehr verbunden. Dies habe Papst Benedikt XVI. in vielen Begegnungen mit ihm zum Ausdruck gebracht.
Quelle: Kathpress