
Flüchtlinge wollen ab Sonntag über Auszug verhandeln
Die Flüchtlinge in der Wiener Votivkirche wollen ab Sonntag mit der Wiener Caritas und der Erzdiözese Wien über eine mögliche Übersiedlung in ein von Kardinal Christoph Schönborn und der Kirche angebotenes Quartier verhandeln. Sie wollen sich aber den Ausgang der Gespräche bewusst offen halten.
Mir Jahangir, einer jener 40 bis 50 Flüchtlinge, die sich seit Wochen in der Votivkirche aufhalten und nach kurzer Unterbrechung großteils wieder im Hungerstreik sind, am heutigen Donnerstag im Ö1-"Mittagsjournal": "Es ist jetzt Zeit zu handeln. Wenn wir tot sind, ist das keine Lösung. Vielleicht starten wir nächste Woche einen Dialog und übersiedeln dann woanders hin. Ich hoffe es", so Jahangir, der sich für einen baldigen Abzug aus der Kirche aussprach.
Ein weiterer Sprecher unter den Flüchtlingen, der 47-jährige Adalat Khan, der aus dem pakistanischen Swat-Tal vor den Taliban floh, hat seinen Angaben zufolge den Hungerstreik beendet, weil er auf seine Gesundheit höre. Viele seiner Mitstreiter seien angesichts des langen Hungerstreiks in der Kirche bereits geistig und psychisch angeschlagen. Über einen Auszug aus der Kirche und eine Übersiedelung in ein Ausweichquartier gebe es innerhalb der Gruppe unterschiedliche Meinungen, so Khan im "Mittagsjournal": Man suche täglich nach einer Lösung, wolle jedoch Garantieren dafür, dass "die Behörden die Gruppe nicht aufteilen und zerstören", so der Paschtune Adalat Khan, der vor acht Jahren aus dem Kriegsgebiet zwischen Pakistan und Afghanistan fliehen musste und seit sieben Monaten in Österreich - zunächst in Traiskirchen, dann im Waldviertler Asylheim Hoheneich und schließlich in der Votivkirche - ist.
Die für Samstag in Wien geplante Soldaritäts-Demonstration mit den Flüchtlingen sei jedoch einem Gespräch über ein mögliches Verlassen der Votivkirche gegenüber vorrangig. Im Anschluss daran könne man ab Sonntag in Verhandlungen treten und über Bedingungen sprechen, so die Flüchtlinge.
Laut dem Sprecher des Innenministeriums, Karl-Heinz Grundböck, habe sich der rechtliche Status für einige der in der Votivkirche protestierenden Flüchtlinge in den letzten knapp eineinhalb Monaten massiv verschlechtert. Etliche von ihnen hätten Behördentermine versäumt und keine Einsprüche gegen inzwischen negative Behördenentscheidungen eingebracht. Seien zunächst rund ein Drittel der von den Flüchtlingen eingebrachten Asylanträge negativ beschieden worden, sei die Zahl negativer Bescheide nun deutlich gestiegen, sagte der Sprecher des Innenministeriums.
Quelle: Kathpress