
Kardinal Schönborn unterstützt "One of us"
Zahlreiche prominente Persönlichkeiten aus Kirche, Politik und Gesellschaft, darunter Kardinal Christoph Schönborn, haben ihre Unterstützung für die laufende EU-Bürgerinitiative für Embryonenschutz bekundet. Bei der Initiative "One of us" (Eine/r von uns) gehe es, so der Vorsitzende der Bischofskonferenz, "um die Anerkennung und den gesetzlichen Schutz des menschlichen Lebens, also um ein elementares, vernunftbegabtes Menschenrecht. Es ist daher an der Zeit, ein deutliches Ja zum unbedingten Respekt vor der Würde des Menschen zu setzen", begründete der Kardinal.
EU-weit eine Million Unterschriften benötigt die Bürgerinitiative, damit sich die Europäische Kommission mit ihrem Anliegen beschäftigt. Dieses betrifft den "rechtlichen Schutz der Würde, des Rechts auf Leben und der Unversehrtheit jeder menschlichen Person vom Zeitpunkt der Empfängnis an", und zwar "in jenen Kompetenzbereichen der EU, für die ein solcher Rechtsschutz von Bedeutung sein könnte", so der Petitionstext wortwörtlich. In Forschung, Entwicklungspolitik und öffentlicher Gesundheit solle die EU keine Aktivitäten fördern dürfen, bei denen Embryonen vernichtet werden.
» Dossier zur Initiative "One of us"
Zu den ersten Unterstützern aus der Politik gehört die frühere Bildungsministerin Elisabeth Gehrer. Die EU solle statt embryonaler Stammzellforschung "nur ethisch vertretbare Forschung mit adulten Stammzellen fördern", wie dies Österreich bereits praktiziere, so Gehrer. ÖVP-Behindertensprecher Franz-Joseph Huainigg lobte an der Petition das "klare Bekenntnis zum Schutz allen menschlichen Lebens zu jedem Zeitpunkt".
Helmut Kukacka, Präsident der Arbeitsgemeinschaft katholischer Verbände, begründete seine Unterstützung damit, dass "menschliches Handeln ethische Grenzen" brauche; für diese wiederum sei Bewusstseinsbildung nötig. Gerda Schaffelhofer, Präsidentin der Katholischen Aktion, betont: "Lebensbeginn und Lebensende zeigen die Handschrift des Schöpfers. Da sollten wir Menschen nicht korrigierend eingreifen". Klare Grenzen für die Produktion von Embryonen zu Forschungszwecken forderte indes Alfred Trendl, Präsident des katholischen Familienverbandes.
Organisiert wird die EU-Bürgerinitiative in Österreich von einem Zusammenschluss von über 40 überkonfessionellen und überparteilichen Organisationen, die in der "Lebenskonferenz" (www.lebenskonferenz.at) zusammengeschlossen sind. Die Initiatoren wollen bis zum Petitionsende am 10. Mai zumindest jene 14.700 Unterschriften Online und auf gedruckten Listen sammeln, ab denen Österreich offiziell als Unterstützerland gilt. EU-weit sind eine Million Unterzeichnungen erforderlich.
Bioethik-Expertin: Chance auf Neuregelung bei Stammzellen
Ausführlicher hat am Freitag Stephanie Merckens, Mitglied der Bioethikkommission und kirchliche Lebensschutzexpertin, zu "One of us" Stellung genommen. Die Bürgerinitiative sei ein Signal an die Politik, "ethische Grenzen dort zu setzen, wo menschliches Leben zweitrangig wird und in den Hintergrund tritt", so Merckens gegenüber "Kathpress", Nachsatz: "Der Embryo ist menschliches Leben". Geeignet scheint der Moment, da 2014 das 80 Milliarden Euro schwere Förderprogramm "Horizon 2020" anläuft. Bliebe die Chance allerdings ungenutzt, dürfte es künftig schwieriger als bisher sein, sich auf EU-Ebene für Anliegen des ungeborenen Lebens einzusetzen, so die Einschätzung der Expertin.
Ein Ende der Förderung embryonaler Stammzellforschung sei das zentrale Anliegen der Petition, legte Merckens dar. Die Möglichkeit der Labormedizin, Menschenleben auch außerhalb des Mutterleibes zu zeugen, eröffne zwar "viele Ansätze, Theorien und Forschungsfelder", nicht alles Machbare sei jedoch auch ethisch vertretbar. Embryonale Stammzellforschung sei deshalb ein Hauptproblem, da hier das Züchten und Zerlegen eines Embryos - "und somit dessen Vernichtung", wie die Juristin betonte - zur benötigten Stammzellkultur führt.
Stammzellen, führt die Bioethik-Spezialistin aus, sind Zellen, die sich in verschiedene Gewebezellen weiterentwickeln können, was sie für Therapien interessant macht. Per se sei dieser Forschungszweig nicht abzulehnen: Nichts spreche aus Sicht der Ethik gegen die Verwendung "adulter" Stammzellen, u.a. aus Nabelschnur, Fruchtwasser oder Knochenmark, oder auch die Rückentwicklung von Körperzellen bis zur Potenz embryonaler Stammzellen (Anm.: "induzierte pluripotente Stammzellen", iPS). Merckens: "Tatsächlich kann die adulte Stammzellforschung etliche Therapieerfolge vorweisen, während sich embryonale Stammzellen als krebserregend erwiesen haben und nur noch in der Grundlagenforschung eingesetzt werden. Der Ausstieg scheint hier schon allein wirtschaftlich geboten, denn das ist kein Zukunftsmarkt."
Juristisch seien derartige Schranken abgedeckt, so Merckens mit Verweis auf das Urteil "Brüstle vs. Greenpeace" des Europäischen Gerichtshofes von 2011: Embryonen, so wurde hier in einem patentrechtlichen Verfahren festgestellt, sind die "erste Stufe der Entwicklung jedes Menschen". Die EU-Bürgerinitiative sei ein Aufruf an die Politik, diesen Entscheid beizubehalten und entsprechend auch bei Fördergeldern konsequent die Würde des Menschen von Beginn an zu schützen. In Österreich verbietet das Fortpflanzungsmedizingesetz die Zerstörung von Embryonen zu Forschungszwecken bereits, doch ist diese Position in Europa bisher in der Minderheit.
Die für den Embryonenschutz ebenso relevante Frage der Abtreibung in EU-Staaten klammert die Petition aus, denn "das ist klar nationales Recht und soll dies auch bleiben", so Merckens. Gefordert wird allerdings, dass die EU über die Entwicklungshilfe keine Abtreibungen in Drittstaaten finanziert. "Bisher schließt dies eine EU-Verordnung ohnehin aus, doch gehen Millionenbeiträge an große Gesundheitsorganisationen, die unter anderem Abtreibungen durchführen oder Lobbyarbeit für diese betreiben. Die EU muss hier genauer hinsehen und von ihrer bereits festgelegten Richtung nicht abkommen", fordert die Bioethik-Expertin.
Quelle: Kathpress