
Adoption: Klassische Familie bleibt Maßstab
In Österreich wachsen 80 Prozent der Kinder unter 15 Jahren bei ihren leiblichen Eltern auf. Darauf verwies Stephanie Merckens, kirchliche Lebensschutzexpertin und Juristin mit den Schwerpunkten Bioethik, Lebensschutz und Gesellschaftspolitik, und betonte, dass die klassische Familie und heterosexuelle Partnerschaften Maßstab und immer noch weitgehende gesellschaftliche Realität sind. "Man soll die Ehe nicht kaputtreden, sondern stützen. Ein Kind hat ein Recht auf Vater und Mutter", unterstrich Merckens in der von Ingrid Thurnher geleiteten ORF-Diskussion "Im Zentrum" am Sonntagabend.
Ausgangspunkt der Fernsehdebatte war das Urteil des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR), wonach künftig auch Homosexuelle das Kind ihres Partners oder ihrer Partnerin adoptieren dürfen. Nicht erlaubt bleibt hingegen die Adoption eines fremden Kindes durch homosexuelle Personen. Für Stephanie Merckens ist das EGMR-Urteil insofern problematisch, weil damit "Ungleiches gleichmachend beurteilt wird." Es gelte den Umstand zu beachten, dass jeder Mensch biologisch Vater und Mutter habe. Diese "Ungleichbehandlung der Biologie" rechtfertige eine ungleiche Behandlung von heterosexuellen und homosexuellen Paaren hinsichtlich des Adoptionsrechts, führte Merckens aus.
Für die kirchliche Lebensschutzbeauftragte sei das "biologische Faktum, dass ein Kind Vater und Mutter hat, nicht weg zu argumentieren". Sie stellte in Zweifel, ob bei der Debatte immer das Kindeswohl im Mittelpunkt stehe oder nicht vielmehr "die Interessen von Homosexuellen". Ein Kind hätte Anspruch darauf, seine Herkunft zu erfahren. Leiblicher Vater und leibliche Mutter seien zentrale Identifikationsfiguren, die für die personale Entwicklung eines jungen Menschen entscheidend seien.
Zur Heterogenität und Pluralität menschlicher Lebens- und Beziehungsformen sagte Merckens: "Freilich hat ein Baum die verschiedensten Verästelungen und Verzweigungen. Doch deshalb kann man nicht den Halt und Orientierung gebenden Stamm fällen," und verwies dabei auf die fundamentale gesellschaftliche Bedeutung der Ehe zwischen Frau und Mann.
Keine Einigkeit konnten unter den Diskutanten über die Aussagekraft von Studien zu diesem Thema erzielt werden. So argumentierte der Kinderpsychologe Thomas Pletschko mit Ergebnissen, wonach das wesentliche Kriterium für das Kinderwohl die Sicherstellung von Grundbedürfnissen einschließlich der Kompetenzvermittlung, soziale Bindungen aufbauen zu können und zugleich in seiner selbstständigen Identität zu reifen seien und dass diese Kriterien unabhängig von Homo- oder Heterosexualität anzutreffen seien. Merckens verwies demgegenüber auf Studien mit gegenteiligen Ergebnissen. Ihrer Meinung nach sei das Bedürfnis des Kindes nach "stabiler Beziehung" am besten in der "intakten Familie mit Vater und Mutter" zu erfüllen.
Quelle: Kathpress