
"Christliches Fasten fördert die Freude"
Christliches Fasten ist ein "Umweg", der zu mehr Freude an Gott, an den anderen Menschen und an sich selbst führt. Das hat Bischof Egon Kapellari in seiner Predigt zum Aschermittwoch im Grazer Dom dargelegt. Fasten und die Ausrichtung nach dem Kirchenjahr bringt in den Augen des Grazer Diözesanbischofs auch gesellschaftliche Vorteile, weil sie "viel zu mehr Stabilität in unserer pluralen Zivilgesellschaft" beitrügen.
Der "wohlbedachte Rhythmus" des Kirchenjahres vom Advent bis Weihnachten, von der vorösterlichen Bußzeit bis Ostern und Pfingsten ist nach den Worten Kapellaris heute "weithin verflacht". Der Zivilgesellschaft fehle der "lange Atem", um Weihnachten und Ostern wirklich tief erleben zu können. Viele Christen würden jedoch auch heute versuchen, ihr religiöses Leben diesem Rhythmus entsprechend zu gestalten.
Der Aschermittwoch lade zu jener Umkehr ein, zu der Jesus am Beginn seines öffentlichen Wirkens aufgerufen habe, erklärte Bischof Kapellari. Diese Einladung Gottes zur "Blickumkehr" sei heute weiterhin aufrecht, brauche jedoch zur nachhaltigen Wirkung "immer neue Einübung". Die Fastenzeit sei der geeignete Moment dafür, betonte Kapellari. Das christliche Fasten bezeichnete der Bischof als "sich zurücknehmen, damit Gott und Menschen bei einem Raum finden". Dies geschehe durch Einschränkung beim Essen und Trinken, jedoch auch "in der Bereitschaft, mehr Zeit, Geld und Aufmerksamkeit mit Menschen zu teilen, die solches dringend brauchen", begleitet von Gebet.
Der Wunsch, durch Fasten "gesünder oder schöner werden", sei zwar durchaus legitim, oft würde er jedoch den zentralen Inhalt des religiösen Fastens eher verdecken als fördern, so der Bischof.
Alois Schwarz: "Ökosystem der Seele ins Lot bringen"
Die Fastenzeit bietet die Chance, das "Ökosystem der Seele ins Gleichgewicht zu bringen". Das sagte der Kärntner Diözesanbischof Alois Schwarz bei der Aschermittwochsliturgie im Klagenfurter Dom. Die kommenden 40 Tage würden dazu einladen, durch Gebet, Fasten und Almosen auf Ostern zuzugehen und zugleich hellhöriger zu werden, so der Bischof.
Schwarz beschrieb die Fastenzeit vor allem als Zeit des Hörens: Sie fordere dazu heraus, "die Sehnsucht auszuhalten, herauszuhören, welcher Stimme wir zu folgen haben, und in der Stille darauf zu hören, was Gott uns sagen will". Auch das gegenseitige Zuhören könne gefördert werden, sofern es ein "Fasten des Herzens und der Augen" sei.
Nötig sei für das christliche Fasten ein Loslassen, um "von all dem frei zu werden, was uns in Beschlag nimmt". Auf diese Weise könne man auch erkennen, dass weder Reichtum noch die vielfältigen modernen Kommunikationsmittel "unsere Seele satt machen" könnten.
Schönborn: Papst ist Vorbild
Noch ganz im Zeichen der Rücktrittsankündigung von Papst Benedikt XVI. stand der Aschermittwochgottesdienst mit Kardinal Christoph Schönborn im Wiener Stephansdom. Die Fastenzeit sei eine Einladung zu Umkehr und mehr Innerlichkeit, so der Kardinal. Er sei nur wenigen Menschen begegnet, die so stark aus der Innerlichkeit heraus leben würden wie Papst Benedikt, und er kenne wohl niemanden, "der so wenig auf das schaut, was die Leute sagen und so sehr auf das hört, was Gott sagt".
Das dürfe aber nicht als "Verachtung der Menschen" missverstanden werden, warnte Schönborn: "Es geht dem Papst mit einer unglaublichen Aufmerksamkeit um den Menschen, aber eben nicht um die bloße Meinung der Leute."
Benedikt XVI. habe mit seiner Rücktrittsentscheidung ein starkes Zeichen gesetzt. Er wolle fortan sein Leben ganz dem Gebet widmen und auf diese innerliche Weise seinen Dienst für Kirche und Menschen leisten, erläuterte Schönborn.
Quelle: Kathpress