
Klasnic: Weitere Initiativen gegen Missbrauch
Die Unabhängige Opferschutzkommission ("Klasnic-Kommission"), die seit drei Jahren kirchliche Missbrauchsfälle aufarbeitet, hat mehr Augenmerk auf Missbrauch gefordert. Bei einem Symposion in Wien forderte Kommissionsleiterin Waltraud Klasnic am Dienstagvormittag "klare gesamtgesellschaftliche Signale und Initiativen" für den Opferschutz sowie Bemühungen um öffentliche Bewusstseinsbildung und Prävention. Repräsentanten von Staat, Kirche und Gesellschaft wurden in einer Presseaussendung zu weiteren "finanziellen Gesten" und Therapie für Opfer aufgefordert, die Regierung solle eine "Präventionsplattform zum Schutz vor körperlicher, seelischer und sexueller Gewalt" einrichten.
Das ursprünglich gemeinsam mit dem Parlament und im Hohen Haus geplante Symposion war nach einer kurzfristigen Absage von Nationalratspräsidentin Barbara Prammer ins Wiener Haus der Industrie verlegt worden. Ca. 200 Experten und Personen aus Zivilgesellschaft und Kirche - darunter Bischof Klaus Küng als Vorsitzender der kirchlichen "Stiftung Opferschutz", der Kärntner Bischof Alois Schwarz und Propst Maximilian Fürnsinn als Vorsitzender der Superiorenkonferenz der männlichen Ordensgemeinschaften waren unter den Teilnehmern.
Referenten sind u.a. die Vizepräsidentin des Verfassungsgerichtshofes, Brigitte Bierlein, der Psychiater Prof. Reinhard Haller sowie der Kärntner evangelische Pfarrer Jürgen Öllinger, der sich selbst als von Missbrauch Betroffener zu erkennen gegeben hatte. Die Wiener Psychologin Brigitte Lueger-Schuster stellte Ergebnisse ihres Forschungsprojekts "Psychotraumatologische Fragestellungen zu Gewalt und Missbrauch in der Katholischen Kirche" vor.
Waltraud Klasnic erinnerte an den Anstoß Kardinal Christoph Schönborns zur Bildung der Unabhängigen Opferschutzkommission (UOK), der um Hilfe bei der gründlichen Aufarbeitung des kirchlichen Missbrauchsskandals gebeten hatte. In den drei Jahren ihres Bestehens habe die mit anerkannten Fachleuten besetzte Kommission in 932 Beschlüssen 12,2 Millionen Euro an finanziellen und 34.000 Stunden an therapeutischen Hilfestellungen zuerkannt - in nur 20 Fällen kam es zu Ablehnungen. "Wir sind stolz auf das, was wir getan haben", sagte Klasnic. Die ehrenamtlich tätigen Mitglieder seien "an die Grenzen unserer Möglichkeiten gegangen". Doch, so Klasnic wörtlich: "Wir tun es uns an aus vollem Herzen und Überzeugung, um Opfern zu helfen."
Opferschutz und Prävention als "Daueraufgabe"
Die frühere steirische Landeshauptfrau bezeichnete es auch als Erfolg, dass sich Landes- und Bundeskommission nach dem Vorbild der Klasnic-Kommission gebildet hätten. Auch wenn Österreich im internationalen Vergleich "vorbildlich" agiere, muss es laut Klasnic Ziel sein, Opferschutz und Prävention als "Daueraufgabe" für die Zukunft und als gesamtgesellschaftliches Anliegen zu etablieren. Dem sollten auch die beim Symposion vorgelegten Vorschläge dienen.
Konkret: Im Blick auf bereits geschehene Missbrauchsfälle - die Opfer sind laut Klasnic hauptsächlich Kinder der 1950er und 1960er Jahre - fordert die UOK "eine angemessene und würdige Veranstaltung mit Opfervertretern", klare Entschuldigungen und einen glaubwürdigen Dialog, weitere Entschädigungszahlungen und therapeutische Begleitung für alle Opfer sowie "eine breite soziologische, sozialpsychologische, therapeutische, juridische, organisations- und kriminalsoziologische und historische Aufarbeitung der Opferfälle".
Die geforderte "Präventionsplattform" solle auf Initiative der Bundesregierung innerhalb eines Jahres gebildet werden, angehören sollten ihr öffentliche und zivilgesellschaftliche Einrichtungen wie Gebietskörperschaften, Sport- und Jugendvereine, die Justizverwaltung, Einrichtungen der Altenbetreuung und der sozialen Wohlfahrt. Aufgaben sollten jährliche Konferenzen ebenso sein wie die Einrichtung eines wissenschaftlich-fachlichen Beirats und regelmäßige Berichte an die zuständigen Organe der Volksvertretung.
Darüber hinaus urgiert die UOK die Einrichtung einer Hotline sowohl für Opferschutz als auch Prävention, die Vernetzung bestehender Opferschutzeinrichtungen und die Nutzung von "Social Media" zur Sensibilisierung. Wichtig sei es, beim Thema Missbrauch Zivilcourage zu zeigen, appellierte Klasnic.
Quelle: Kathpress