
"Bedingungsloser Gehorsam"
Benedikt XVI. hat am letzten Tag seines Pontifikats seinem Nachfolger "Ehrerbietung und bedingungslosen Gehorsam" versprochen. Vor dem versammelten Kardinalskollegium in der Sala Clementina des Apostolischen Palasts im Vatikan rief er die Purpurträger - unter ihnen Kardinal Christoph Schönborn - auf, "folgsam" gegenüber dem Heiligen Geist zu sein, wenn sie sich demnächst im Konklave zur Wahl des Papstes versammeln werden.
In seiner kurzen Ansprache dankte Benedikt XVI. seinen engsten Mitarbeitern für ihren Dienst und ihre Verbundenheit. Er erinnerte an die Lebendigkeit der katholischen Weltkirche, die man am Mittwoch auf dem Petersplatz erleben konnte. Er werde auch in Zukunft der Kirche und ihren Kardinälen nahe sein. "Unter euch ist der neue Papst. Ich bete für ihn", sagte Benedikt XVI. wörtlich.
Danach verabschiedete sich Benedikt XVI. persönlich von jedem der Kardinäle, die nach protokollarischer Rangfolge vor ihn hingetreten waren. So konnte sich auch Kardinal Christoph Schönborn nochmals persönlich von Papst Benedikt XVI. verabschieden. Dabei überreichte der Wiener Erzbischof das allererste Exemplar seines neuen Buches mit dem Titel "Die Lebensschule Jesu. Anstöße zur Jüngerschaft" sowie eine Dokumentation über das internationale Jugendkatechismus-Projekt "YouCat", der mittlerweile in über 32 Sprachen erschienen ist und maßgeblich von Kardinal Schönborn initiiert wurde.
In einem Grußwort dankte Kardinaldekan Angelo Sodano dem Papst für seinen Dienst für die Kirche und für die ganze Menschheit. Zugleich würdigte er "das Beispiel", das der Papst während seines achtjährigen Pontifikats gegeben haben.
Am 19. April sei Benedikt XVI. in die lange Kette von Nachfolgern des Apostels Petrus getreten, so Sodano. Nun habe er sich entschlossen, das Steuer des Schiffleins der Kirche in andere Hände zu geben. "So setzt sich die Apostolische Sukzession fort", betonte der Kardinal. "Heiliger Vater, mit tiefer Liebe haben wir versucht, Sie auf ihrem Weg zu begleiten", betonte Sodano. Und er beendete seine Ansprache mit einem Gruß in der Muttersprache des Papstes: "Vergelt's Gott".
Rahmen der Verabschiedung des Papstes von den Kardinälen und den höchsten Kurienmitarbeitern bildete die Sala Clementina im Vatikan. Der Saal im zweiten Stock des Apostolischen Palasts gehört zu einer Reihe von Audienzsälen in dem Gebäude. Der Klementinische Saal wurde im 16. Jahrhundert zum Andenken am Papst Clemens I. gebaut und mit Renaissancefresken geschmückt. Sie zeigen Szenen seines Martyriums und Allegorien der Kardinaltugenden, darunter der theologischen Tugenden Glaube, Liebe und Hoffnung.
Die Sala Clementina war auch der Ort, an dem Papst Benedikt XVI. drei Tage nach seiner Wahl 2005 das Kardinalskollegium empfangen hatte.
Am Nachmittag wird dann der Papst mit dem Hubschrauber in die Sommerresidenz Castel Gandolfo aufbrechen. Benedikt XVI. ist der erste Papst der Neuzeit, der freiwillig auf die Kirchenleitung verzichtet.
Quelle: Kathpress