
Sprecher der Votivkirchen-Flüchtlinge verhaftet
Einer der Sprecher der Flüchtlinge in der Votivkirche, der Pakistani Shahjahan Khan, ist am Donnerstag vor dem Gotteshaus bei einer fremdenpolizeilichen Kontrolle festgenommen worden. Der Mann war seit Beginn der Protestaktion in mehreren Pressekonferenzen als Sprachrohr der Asylsuchenden tätig und bis zuletzt in Verhandlungen mit Kirchenvertretern und Behörden eingebunden. Seitens der Erzdiözese Wien reagierte man zurückhaltend auf die von Asyl-Aktivisten kritisierte Amtshandlung: Man sei im Kontakt mit Behörden und "um Klärung bemüht", sagte Kommunikations-Chef Michael Prüller am Freitag gegenüber "Kathpress".
Elisabeth Fiorioli, die als Vertreterin der Votiv-Pfarre ebenfalls in Verhandlungen über eine Lösung des seit mehr als zwei Monate währenden Konflikts zwischen den protestierenden Asylwerbern und den Behörden eingebunden war, unterstrich im "Kathpress"-Gespräch die konstruktive Rolle, die Shahjahan Khan dabei eingenommen habe. Erst in der Nacht vor der Festnahme sei man zusammengesessen, eine Lösung habe sich abgezeichnet; umso bedauerlicher sei nun die Festnahme für den vor den Taliban geflüchteten Khan, der unter den anderen Flüchtlingen hohe Autorität genieße.
Die Festnahme erfolgte nach Augenzeugen, als sich Khan in einem Café nahe der Votivkirche mit seiner Anwältin treffen wollte. Nach der Festnahme entwickelten sich laut wien.orf.at "tumultartige Szenen". Eine Unterstützerin der Flüchtlinge habe die Festnahme verhindern wollen. "Laut Polizei griff sie einen der Beamten von hinten an und zerriss ihm die Jacke. Das hatte für die 47-jährige Österreicherin Anzeigen wegen tätlichen Angriffs und schwerer Körperverletzung zur Folge." Zu einer weiteren Eskalation kam es nach Angaben von Augenzeugen nicht, obwohl sich rund 100 Unterstützer bei der Kirche eingefunden hatten. Die uniformierte Polizei zog nach rund zwei Stunden ab.
"SOS Mitmensch" kritisierte in einer Aussendung "Jagdszenen rund um die Votivkirche". Innenministerin Johanna Mikl-Leitner solle "den Weg der Eskalation wieder verlassen". Zuletzt waren schon mehrere der in der Kirche ausharrenden Flüchtlinge von der Polizei festgenommen worden - jeweils außerhalb der Kirche.
Quelle: Kathpress