
Kardinäle: Kurie braucht Blick auf Weltkirche
Unter den Kardinälen mehren sich jene Stimmen, die sich für eine Internationalisierung der Kurie aussprechen. Der deutsche emeritierte Kurienkardinal Paul Josef Cordes (78) sagte am Montag gegenüber dem Internetportal katholisch.de, auch andere Kulturen müssten in die Weltkirche einfließen. Und aus Sicht des ebenfalls emeritierten Kurienkardinals Paul Joseph Jean Poupard (82) spricht vieles dafür, dass der künftige Papst kein Europäer sein wird.
"Die normale Problematik der Struktur, die mehr nach innen als nach außen denkt, sollte aufgebrochen werden", so Kardinal Cordes, der bis 2010 das päpstliche Hilfswerk "Cor Unum" leitete. Er nimmt als einer von sechs Deutschen am Konklave teil.
Die Frage, ob die Kurie in Zukunft internationaler werde, hänge nicht davon ab, ob der künftige Papst ein Nicht-Italiener sei, sagte Cordes. "Ich sehe auch italienische Kandidaten, die dieses Bedürfnis haben und die in dieser Weise sicher tätig werden." Weder Johannes Paul II. (1978-2005) noch Benedikt XVI. (2005-2013) hätten "viel verändert in der Kurie", jedoch brauche so eine Institution "immer neue Impulse".
Für Kardinal Poupard ist ein Nichteuropäer als Papst nicht nur vorstellbar, sondern auch wahrscheinlich: Im Jahr 2025 würden rund 80 Prozent aller Katholiken in der südlichen Hemisphäre leben, gab der Franzose im Interview mit der italienischen Tageszeitung "Corriere della Sera" (Montag) zu bedenken. "Vielleicht steht uns ein Konklave der Wende bevor." Mit Sicherheit halte eine Papstwahl immer Überraschungen bereit. Der kommende Papst müsse klar machen, dass die westliche Kultur nicht mehr das Zentrum der christlichen Welt sei.
Der christliche Glaube befinde sich im Westen in einer Krise, fügte Poupard hinzu. Während dort die Bedeutung der Sakramente wie Ehe und Taufe immer weiter zurückgehe, wachse der Einfluss des katholischen Christentums jedoch in den Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas.
"Geist Benedikts spürbar"
Kardinal Cordes wiederum zeigte sich überzeugt, dass der emeritierte Papst Benedikt XVI. beim Konklave "indirekten Einfluss" auf seinen Nachfolger" haben werde. Sein Geist werde bei der Papstwahl sicher zu spüren sein. "Ich bin nicht der einzige, der begeistert ist von ihm, den er mit seiner Auffassung, seiner Theologie, mit seinem Engagement geprägt hat", so Cordes. Er wünsche sich einen Nachfolger, der "kein Manager" sei, sondern jemand "mit der intellektuellen Qualität" von Joseph Ratzinger, aber auch mit der Authentizität, die dieser mit seinem Rücktritt bewiesen habe.
Ein eher kurzes Konklave erwartet der New Yorker Kardinal Timothy Dolan (63). Nach den vorbereitenden Beratungen der Kardinäle in dieser Woche "machen wir es schnell", sagte Dolan gegenüber der italienischen Zeitung "Corriere della Sera" (Montag). Dolan gilt selbst als ein möglicher Kandidat für die Nachfolge von Benedikt XVI. Er wolle mit allen Kardinälen sprechen. Von vielen kenne er bislang nur die Bücher, die sie geschrieben hätten, so der Erzbischof.