
Persönlichkeiten des Konklaves: Kardinal Kurt Koch
Als vatikanischer "Ökumene"-Minister ist der aus der gemischtkonfessionellen Schweiz stammende Kurienkardinal Kurt Koch (62) immer wieder mit heiklen Fragen konfrontiert. Dass die Chefposition im Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen mittlerweile mit dem Kardinalsamt verbunden ist, unterstreicht die herausgehobene Bedeutung, die der Papst dem Dialog mit den anderen Kirchen und mit dem Judentum beimisst. Denn mit der Ökumenearbeit verbunden ist in der Vatikan-Administration traditionell immer auch die Präsidentschaft der Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum.
Geboren am 15. März 1950 in Emmenbrücke im Kanton Luzern, studierte Koch Theologie, empfing 1982 die Priesterweihe, wurde 1989 Professor für Dogmatik und Liturgiewissenschaft in Luzern. 1995 ernannte Johannes Paul II. ihn zum Bischof von Basel. Zwischen 2007 und 2009 war er Vorsitzender der Schweizer Bischofskonferenz. Im Juli 2010 folgte der Ruf in den Vatikan, im November die Kardinalserhebung.
Koch merkte mehrmals kritisch an, dass das Ziel der ökumenischen Bewegung im Laufe der Zeit verblasste. Vor allem seitens der aus der Reformation hervorgegangenen Kirchen sei die ursprüngliche Zielvorstellung der sichtbaren Einheit im gemeinsamen Glauben, in den Sakramenten und in den kirchlichen Ämtern immer mehr aufgegeben worden. Martin Luther und seinen Anhängern sei es vor allem um die Reform der Kirche gegangen und nicht um deren Spaltung, wies Koch immer wieder hin. Die "Vollendung der Reformation" setze die Wiederherstellung der christlichen Einheit voraus. Die Entstehung protestantischer und reformierter Landeskirchen zeige "nicht den Erfolg, sondern das Scheitern der Reformation", so der Schweizer Kurienkardinal, der zum Reformationsjubiläum 2017 eine gemeinsame Erklärung mit dem Lutherischen Weltbund zur Bedeutung der Reformation anstrebt.
Statt sich in der Frage der nach katholischen Verständnis Einheit voraussetzenden Abendmahlsgemeinschaft "festzubeißen", solle man den Fokus darauf legen, "was möglich wäre" - nach Ansicht Kochs vor allem mehr Konsens der Kirchen in ethischen Fragen.
Kantig gegenüber Piusbrüdern
Weltkirchliches Schwergewicht bewies der Schweizer zuletzt in der Auseinandersetzung mit den Piusbrüdern. Während einige prominente kirchliche Stimmen und konservative Theologen mit Kardinal Walter Brandmüller an der Spitze betont hatten, dass die Dokumente des Zweiten Vatikanischen Konzils "unterschiedlich verbindlich" seien, beharrte Koch auf der Gleichrangigkeit. Er stellte klar, dass die Lefebvrianer im Fall ihrer Aussöhnung mit Rom den Dialog mit dem Judentum - festgehalten in Erklärung "Nostra Aetate" - akzeptieren müssen. Das Konzil und alle seine Texte "sind für jeden Katholiken bindend", sagte der für die Beziehungen zum Judentum zuständige Kardinal.
Offenheit für Veränderung signalisierte Koch beim Umgang mit den wiederverheirateten Geschiedenen. Es gebe einerseits die Weisung Jesu - Was Gott verbunden hat, soll der Mensch nicht lösen und die Treue dazu, andererseits gelte es die Realität der Menschen zu sehen. Koch: "Ich sage mit Kardinal Schönborn: Wir haben die ideale Lösung noch nicht gefunden."