
Weltfrauentag: Männerbewegung für Gleichstellung
Plädoyers für die Gleichstellung der Geschlechter und Absagen an immer noch verbreitete Formen von Diskriminierung sind anlässlich des Weltfrauentages am 8. März in der Zeitschrift "Ypsilon" der Katholischen Männerbewegung (KMB) zu lesen. Chefredakteur Markus Himmelbauer leitet in der Februar-Ausgabe einen Themenschwerpunkt dazu illusionslos ein, auch an diesem Weltfrauentag werde sich "an Einkommensunterschieden und an der ungleichen Verteilung von Leitungspositionen zwischen Frauen und Männern kaum etwas verändert haben". Und er stellt kritisch die Frage, wer die vermeintliche Verschiedenheit der Geschlechter so zuteilt, "dass zufälligerweise stets die Frauen in jenen Positionen sind, in denen weniger verdient wird und wo es weniger öffentliche Ehre gibt".
Zwei Autoren - der als Gleichbehandlungsbeauftragter in Salzburg tätige Theologe Paul Arzt und der Jurist und Familienexperte Peter Pitzinger - stellen in "Ypsilon" ihre Sichtweise pointiert dar: Arzt nennt als entscheidend für den Anspruch auf Gleichberechtigung die "faire Verteilung von Ressourcen wie Raum, Zeit und Geld. "Damit dieser Satz nicht nur leeres Gerede ist, muss jede Position auch praktisch für jede und jeden offen stehen." Alles andere wäre laut Arzt ein "Vorwand, ungerechte Macht- und Einkommensverhältnisse zu verschleiern". Und wo Mechanismen die Chancengleichheit für Frauen verhindern, müssen diese - so die Überzeugung des Theologen im Landesdienst - gefördert werden.
Peter Pitzinger erinnerte daran, dass bereits beim Zweiten vatikanischen Konzil von Frauendiskriminierung gesagt wurde, dass sie "dem Plan Gottes widerspricht". In weiterer Folge habe das Lehramt der katholischen Kirche freilich "Fehlentwicklungen" aufgezeigt - wie reines Machtstreben als Antwort auf Ungleichheiten oder die Einebnung der Geschlechterunterschiede. Pitzinger selbst sagt ein "eindeutiges Ja zu Gleichstellung", aber mit Beachtung der Verschiedenheit von Mann und Frau. Politisches "Gender-Mainstreaming" müsse sich vom "radikalen Feminismus" lösen und zum "Family-Mainstreaming" erweitern. Denn - so der Jurist - augenfällige Benachteiligung würden heute nicht generell Frauen, sondern speziell Mütter erleiden.
KMB wird "feministischer"
Nach Markus Himmelbauers Beobachtung macht sich in den vergangenen Jahren in der Katholischen Männerbewegung - die die ganze Breite der Kirche verkörpere - ein Umdenken in Richtung solidarische Aufgabenverteilung in Beruf, Kindererziehung und Haushalt bemerkbar. KMB-Veranstaltungen, die überkommene Rollenzuteilungen hinterfragen, seien durchaus keine Seltenheit. Freilich seien auch viele für "praktizierten Feminismus" offene katholische Männer mit beruflichen Hindernissen konfrontiert, wenn sie z.B. Elternkarenz in Anspruch nehmen wollen. Beharrende Kräfte verhinderten hier den wünschenswerten gesellschaftlichen Wandel. Wie Himmelbauer im "Kathpress"-Gespräch hinzufügte, gebe es allerdings auch Frauen, die traditionelle Terrains ungern verlassen.
KFBÖ: Umdenken ist gefragt
Heute, knapp 40 Jahre später, ist die Gleichstellung der Frauen in Wirtschaft und Politik noch immer keine Selbstverständlichkeit. Aktuelle Daten aus dem Nationalrat machen den Anteil der Frauen in der Politik deutlich, die SPÖ hat einen Frauenanteil von 37,5%, die ÖVP 28,49%, die FPÖ 16,22%, Grüne 50,00%, BZÖ 15,38%, Stronach 20%. Das vor uns liegende Superwahljahr soll Frauen ermutigen, sich aktiv politisch zu engagieren.
EU-Justizkommissarin Viviane Reding sieht ihr Gesetz zur Frauenquote in der EU als Durchbruch: „Die Quote an der Spitze hat eine Wirkung, die man nicht unterschätzen sollte. Wir brauchen mehr als die eine Vorzeigefrau im Unternehmen. Das wird Frauen ermutigen, einen beruflichen Aufstieg zu verfolgen. Und wir wissen auch: Frauen fördern Frauen. In Zukunft werden qualifizierte Frauen die gläserne Decke durchbrechen können, wenn sie sich beruflich durchsetzen wollen." Zu den formalen Kriterien, die es Frauen „beschleunigt" ermöglichen, politisch, beruflich und sozial aktiv zu sein, gehört die Frauenquote.
Auch Männer müssen lernen, umzudenken
Damit Frauen ein öffentliches Amt ausüben können, bedarf es auch bestimmter Voraussetzungen im privaten Bereich. Gemäß dem Sprichwort: „Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau" ist es für Männer meist noch immer selbstverständlich, dass ihnen der Rücken im Privatleben durch die Partnerin frei gehalten wird.
Die kfbö fordert Gleichberechtigung in der Partnerschaft, um Frauen ein Aktivsein in politischen und sozialen Organisationen zu ermöglichen. „Denn wenn der Ehemann das Engagement der Frau mitträgt, sie unterstützt und loyal hinter ihr steht, ist es für Frauen möglich, beruflich Erfolg zu haben", sagt Barbara Haas Vorsitzende der kfbö. Sie weiß wovon sie spricht, denn sie ist seit 1986 berufstätig, verheiratet, Mutter von drei Kindern und zusätzlich war und ist sie immer ehrenamtlich für die Öffentlichkeit tätig. Es sind Männer gefragt, die Frauen in ihren beruflichen Bestrebungen unterstützen und es sollte eine Selbstverständlichkeit für Männer sein, unbezahlte „care"-Tätigkeiten in der Familie zu übernehmen.