
Politik und Kirche gedachten Opfer der NS-Justiz
Vertreter der Politik und der Religionsgemeinschaften haben am Montag auf dem Wiener Zentralfriedhof der Opfer der NS-Justiz gedacht. Bei dem Gedenkakt mit u.a. Bundeskanzler Werner Faymann, Innenministerin Johanna Mikl-Leitner und Nationalratspräsidentin Barbara Prammer wurde bei der Gräbergruppe 40 eine Nationale Gedenkstätte für die Opfer der nationalsozialistischen Justiz eingeweiht.
Für die Erzdiözese Wien nahm Weihbischof Franz Scharl teil, der ein Gebet sprach. Scharl erinnerte, dass auch die 1998 seliggesprochene Märtyrerin Sr. Maria Restituta Kafka, die vor 80 Jahren hingerichtet wurde, an dem Ort beigesetzt wurde.
Die Gedenkstätte befindet sich am Areal der "Gruppe 40", wo die Ermordeten auf einem 10.000 Quadratmeter großen Areal begraben sind. Im Wiener Landesgericht wurden während der NS-Zeit Hunderte Todesurteile vollstreckt. Die Leichen wurden entweder zuerst für medizinische Studien ans Anatomische Institut der Uni Wien gebracht oder sofort am Wiener Zentralfriedhof "formlos verscharrt", wie es im Text der geplanten Gedenktafel heißt.
"Dunkelste Zeit nicht kleinreden"
"Wir dürfen nie die dunkelste Zeit in der Geschichte unseres Landes vergessen oder kleinreden", mahnte der Bundeskanzler in seiner Rede und forderte ein Vorgehen gegen derartige Tendenzen über die Parteigrenzen hinaus - auch gegen jene, die sich in der Gegenwart nicht davon abgrenzen könnten. Faymann zeigte sich aber auch davon überzeugt, dass man sich in dieser Sache "weit über alle Parteigrenzen in diesem Land" einig sei.
Für Mikl-Leitner, in deren Zuständigkeit auch die Gedenkstätten fallen, ist die Gruppe 40 ein Ort, der wohl an das dunkelste Kapitel österreichischer Geschichte erinnere. "Die Menschen, die hier begraben sind, sind für mich auch Helden", erinnerte sie an den Widerstand gegen den Nationalsozialismus. "Niemand kann wirklich gut nachvollziehen, was die Opfer erlebt haben." Auch zukünftige Generationen könnten durch die Gedenkstätte lernen.
Die Widerstandskämpferin und KZ-Überlebende Käthe Sasso bedankte sich in ihrer Rede bei der Regierung für die Errichtung der Gedenkstätte und äußerte einen Wunsch: "Verewigt bitte hier auch die Namen jener, die nicht da liegen, die exhumiert wurden! Es waren mehr als 60." Und auch jene Opfer, die nach Deutschland verschleppt wurden, sollten berücksichtigt werden - "auch der mutige Franz Jägerstätter".
Gerhard Kastelic vom Kuratorium der "ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich" würdigte die Demokratie an sich, die noch immer das beste politische System sei - auch "wenn immer darüber geschimpft" werde.
Die Historikerin Brigitte Bailer-Galanda mahnte ebenso, niemals vor undemokratischen Strömungen, Rassismus und Verletzungen der Menschenrechte die Augen zu verschließen.
Die sterblichen Überreste der Hingerichteten konnten nach 1945 nicht mehr eindeutig identifiziert werden. Dieses Problem hatte sich auch im Zusammenhang mit dem Seligsprechungsverfahren für Sr. Restituta gestellt. Bei der erstmaligen amtlichen Sicherstellung ("Recognitio") der sterblichen Überreste konnten zuvor exhumierte Überreste nicht als jene von Sr. Restituta identifiziert werden.
Quelle: Kathpress