
"So eine Last wünsche meinem Sohn nicht"
Die Mutter von Kardinal Christoph Schönborn, Eleonore Schönborn, wünscht ihrem Sohn das Papstamt nicht. "So eine Last wünsche ich niemandem, schon gar nicht meinem Sohn", erklärte die 92-Jährige in einem Interview für die Dienstag-Ausgabe der "Kleinen Zeitung". Sollte der Wiener Erzbischof Papst werden, brächte ihm - und der ganzen Familie Schönborn - das zwar großes Ansehen. "Aber so groß die Ehre wäre, so groß wäre der Schmerz, ihn nicht mehr zu sehen", wies Eleonore Schönborn darauf hin, dass man als Pontifex Maximus "kein Privatleben mehr" habe. "Dann ist es für mich vorbei. Dann seh' ich den Christoph überhaupt nicht mehr. Denn ich habe nicht mehr die Kraft, nach Rom zu fahren", so die in Schruns (Vorarlberg) lebende Mutter des Wiener Kardinals.
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Er habe "seine Diözese gut im Griff, aber die Weltkirche zu führen, ist etwas anders", sagte Eleonore Schönborn. "Das wäre viel zu schwer für ihn." Ihr Sohn wäre den "Gemeinheiten im Vatikan nicht gewachsen. Ihm reichen die Intrigen in Wien." Nach Meinung der alten Mutter ist ihr Sohn für diesen "Job" viel zu gütig, heißt es weiter in der "Kleinen Zeitung": "Er nimmt von jedem Menschen nur das Beste an und ist zutiefst gekränkt, wenn man nicht ehrlich ist." Solche Charaktereigenschaften sind laut Eleonore Schönborn keine guten Voraussetzungen, um im Vatikan zu bestehen.
Christoph Schönborn habe keines der Ämter von sich aus angestrebt. "Er macht halt, was der Herrgott will, und dient", so seine Mutter. Als Dominikanermönch im Kloster habe sich der nunmehrige Kardinal am wohlsten gefühlt. "Dort war er 28 Jahre. Das war sein Leben." Die "Angst" der ganzen Familie, dass der als "papabile" gehandelte Erzbischof tatsächlich zum Papst gewählt wird, habe dieser mit den Worten beschwichtigt: "Regt's euch nicht auf, ich werde bestimmt nicht Papst."
"Langes Konklave lässt Schönborns Chancen steigen"
Die Chancen Schönborns, zum 266. Papst gewählt zu werden, würden steigen, "je länger das Konklave dauert", meinte dagegen der deutsche Vatikan-Kenner Andreas Englisch im Interview mit dem "Standard" (Online-Ausgabe). Er sieht drei "Fraktionen" beim Konklave - die Kurie, die Italiener und die Kardinäle von außen. Mit Wojtyla und Ratzinger sei die Kirche "sozusagen globalisiert" worden, so Englisch. "Viele Kardinäle halten das für eine gute Entwicklung." Englisch über die mutmaßlichen Präferenzen der "Fraktionen": "Schaffen es die Italiener, sich durchzusetzen, wird es Angelo Scola. Schafft es die Kurie, dann wird es Marc Ouellet. Schaffen es die Kardinäle von außen, dann hat meiner Meinung nach Kardinal Christoph Schönborn die größte Chance."
Der Wiener Erzbischof sei neben dem Bostoner Kardinal Sean Patrick O'Malley - der das Amt nicht wolle - der Einzige, der sich in der Bekämpfung des Missbrauchsskandals bewährt habe. "Schönborns einziger Nachteil ist, dass er ein deutschsprachiger Kandidat ist", erläuterte Englisch.
Die Vatikan-Expertin der Tageszeitung "Il Messaggero", Franca Giansoldati, nannte Schönborn in der Sonntagausgabe des "Kurier" eine "figura fantastica", einen "super Kandidat. Aber er hat das Problem, dass er sich Feinde im Vatikan gemacht hat, nachdem er sich mit Sodano angelegt hat." Giansoldati hält es zudem für unwahrscheinlich, "dass nach einem deutschen Papst ein Österreicher an die Macht kommt".
Quelle: Kathpress