Jalics ist "mit Papst versöhnt"
Einer der beiden Jesuitenpater, der während der Militärdiktatur in Argentinien vom heutigen Papst Franziskus angeblich fallen gelassenen wurde, hat sich mit Jorge Mario Bergoglio versöhnt. Der heute 85-jährige Franz Jalics, der seit 1978 in Deutschland lebt, hat am Freitag auf der Homepage der deutschen Jesuiten (www.jesuiten.de) eine diesbezügliche Erklärung abgegeben. Jalics habe mit Bergoglio während dessen Zeit als Erzbischof über die Situation während der Militärdiktatur (1976-1983) gesprochen, er sei mit den Geschehnissen versöhnt und betrachte sie als "abgeschlossen", führte er aus. Jalics hält sich derzeit in Ungarn auf, so die Information der deutschen Jesuitenprovinz.
Dem am Mittwoch zum Papst gewählten einstigen Erzbischof von Buenos Aires wird vorgeworfen, zwei Jesuiten in seiner Zeit als argentinischer Jesuitenprovinzial nicht vor der Verschleppung durch das Militär geschützt zu haben. Bergoglio selbst sagte, er habe sie vor den Gefahren gewarnt und bei der Militärjunta für sie vorgesprochen, aber wenig Einfluss gehabt. Die zwei Jesuiten - einer von ihnen der 1927 in Ungarn geborene und mittlerweile im Exerzitienhaus Wilhelmsthal im oberfränkischen Kronach lebende Franz Jalics - wurden nach fünf Monaten Haft und Folter freigelassen.
Jalics, der 1947 Jesuit wurde, übersiedelte 1957 nach Buenos Aires und wurde dort nach dem Theologiestudium Dozent für Fundamentaltheologie und Dogmatik. Wie er angab, sei er 1974 - Bergoglio war damals Leiter der Jesuitenprovinz in Argentinien - mit dessen Erlaubnis sowie jener des damaligen Koadjutorerzbischof des Erzbistums Buenos Aires, Juan Carlos Aramburu - gemeinsam mit seinem Ordensbruder Orlando Yorio in ein Elendsviertel der Stadt gezogen. Dies sei "vom inneren Wunsch bewegt, das Evangelium zu leben und auf die schreckliche Armut aufmerksam zu machen", geschehen, wie der Ordensgeistliche wörtlich berichtete. Von dort aus hätten die beiden Jesuiten ihre Lehrtätigkeit an der Universität fortgesetzt.
Damals sei die Situation "bürgerkriegsähnlich" gewesen, schilderte Jalics mit einem Verweis auf die Tausenden Ermordungen aus den Reihen linksgerichteter Guerillas, jedoch auch vieler Zivilisten, durch die Militärjunta. "Wir zwei im Elendsviertel hatten weder mit der Junta noch mit den Guerilla Kontakt. Durch den damaligen Informationsmangel bedingt und durch gezielte Fehlinformationen war jedoch unsere Lage auch innerkirchlich missverständlich", so der Jesuit.
"Patres, Sie hatten keine Schuld"
In dieser Zeit hätten die beiden Geistlichen die Verbindung zu einem ihrer Laienmitarbeiter verloren, als die Person sich den Guerillas angeschlossen hatte, so Jalics weiter. Neun Monate wurde dieser von Soldaten der Junta gefangengenommen und verhört, worauf diese von dessen Verbindung zu Jalics und seinem Ordensbruder erfahren hätten.
Ebenfalls als Guerilleros verdächtigt, seien die beiden verhaftet und nach fünf Tagen Verhör vom leitenden Offizier entlassen worden - mit den Worten "Patres, Sie hatten keine Schuld. Ich werde dafür sorgen, dass Sie ins Armenviertel zurückkehren können", wie Jalics in seiner Erklärung angab, und weiter: "Dieser Zusage zum Trotz wurden wir dann, auf eine für uns unerklärliche Weise fünf Monate lang mit verbundenen Augen und gefesselt in Haft gehalten. Ich kann keine Stellung zur Rolle von Pater Bergoglio in diesen Vorgängen nehmen."
Nach der Befreiung habe Jalics Argentinien verlassen und "erst Jahre später" die Gelegenheit bekommen, mit dem inzwischen zum Erzbischof von Buenos Aires ernannten Bergoglio die Geschehnisse zu besprechen, schrieb er. "Danach haben wir gemeinsam öffentlich Messe gefeiert und wir haben uns feierlich umarmt. Ich bin mit den Geschehnissen versöhnt und betrachte sie meinerseits als abgeschlossen." Er wünsche Papst Franziskus "Gottes reichen Segen für sein Amt", so der Jesuit.