Papst und Diktatur: Verleumdungskampagne
In ungewöhnlich scharfer Form hat Vatikansprecher P. Federico Lombardi Medienberichte zurückgewiesen, in denen dem neuen Papst ein angebliches schuldhaftes Verhalten unter der argentinischen Militärdiktatur (1976-1983) vorgeworfen wird. Lombardi sagte am Freitag in seiner Pressekonferenz in der Sala Stampa, die "Kampagne gegen Bergoglio" werde von einem Presseorgan verbreitet, das auf "oft verleumderische und diffamierende Kampagnen spezialisiert" sei. Den Namen der Publikation nannte er nicht, bezog sich aber offensichtlich auf die argentinische Zeitschrift "pagina 12", die erstmals 2005 die Beschuldigungen gegen Bergoglio verbreitete.
Zu den Behauptungen, der damalige Jesuitenobere Jorge Mario Bergoglio habe zwei Jesuitenpatres nicht beschützt, die dann entführt wurden, habe Bergoglio sich damals als Zeuge geäußert und jegliche eigene Beteiligung verneint. Die argentinische Justiz habe niemals Anklage gegen ihn erhoben. Lombardi betonte, die Beschuldigungen in einigen Medien kämen aus einer historisch-soziologischen Analyse der Diktatur, die von "Elementen der antiklerikalen Linken" vorgetragen werde, um die Kirche anzugreifen.
Hauptthema der Pressekonferenz waren jedoch die Vorbereitungen zur feierlichen Amtseinführung von Papst Franziskus am Dienstag, 9.30 Uhr. Die Stadt Rom stelle sich auf rund eine Million Besucher ein, teilte Stadtpräfekt Giuseppe Pecoraro den Journalisten gegenüber mit. Der Vatikan versandte keine offiziellen Einladungen. Er habe das beim Heiligen Stuhl akkreditierte diplomatische Corp über die Messe am kommenden Dienstag informiert, so P. Lombardi: "Der Heilige Stuhl hat niemanden eigens eingeladen und niemanden zurückgewiesen." Das sei prinzipiell die geltenden Praxis des Vatikan bei solchen Ereignissen. Es liege dann an den betreffenden Ländern, wie und in welcher Form sie auf diese Information reagierten.
Lombardi erinnerte, dass bei der Totenmesse für Johannes Paul II. 2005 auch Präsidenten und Oberhäupter von Staaten teilgenommen hätten, die keine diplomatischen Kontakte zum Heiligen Stuhl unterhielten, wie etwa Afghanistan.
Entscheidung über die Auswahl seiner künftigen leitenden Mitarbeiter habe Papst Franziskus noch keine getroffen, sagte der Sprecher. Mit der Sedisvakanz hatten am 28. Februar alle Präfekten und Präsidenten vatikanischer Behörden ihre Ämter verloren. Es liegt an dem neuen Papst, frei über seine Regierungsmannschaft zu entscheiden. Benedikt XVI. hatte bei seinem Amtsantritt die Mitarbeiter seines Vorgängers vorübergehend in Ämtern bestätigt, sie dann aber Schritt für Schritt durch andere Personen ersetzt.
Lombardi berichtete auch, dass Franziskus am Donnerstagabend seine Wohnung im dritten Stock des Apostolischen Palastes in Besitz genommen. In einer einfachen Zeremonie zerbrach er das Siegel, das mit dem Auszug Benedikt XVI. am 28. Februar zum Begin der Sedisvakanz angebracht worden. Daran nahmen der Präfekt des Päpstlichen Hauses, Erzbischof Georg Gänswein, und der Camerlengo aus der Zeit der Sedisvakanz, Kardinal Tarcisio Bertone, teil.
Franziskus wohnt auch nach der offiziellen Inbesitznahme seiner Dienstwohnung zunächst weiterhin im vatikanischen Gästehaus Santa Marta. Der Papst bewege sich vollkommen unkompliziert in dem Priesterhaus, berichtete Lombardi. Im Speisesaal habe er keinen besonderen Tisch, sondern setze sich dorthin, wo er gerade Platz findet. Am Freitagmorgen habe er um 7 Uhr in der Kapelle von Santa Marta eine Messe gemeinsam mit den Kardinälen gefeiert.