
Ordensfrauen im Kampf gegen Zwangsprostitution
Schon seit einigen Jahren engagieren sich heimische Frauenorden im Kampf gegen Frauenhandel und Zwangsprostitution. Vor wenigen Tagen wurde nun offiziell der Verein "Solwodi"-Österreich gegründet. Er ist auch Träger einer Schutzwohnung in Wien, die Frauen - mit und ohne Kinder - anonym Unterkunft, Sicherheit und Begleitung bietet.
"Solwodi"-International ("Solidarity with women in distress - Solidarität mit Frauen in Not") wurde 1985 in Kenia von der deutschen Missionsschwester Lea Ackermann gegründet. Die Ordensfrau musste miterleben, wie reiche Urlauber Frauen und zum Teil Kinder als Prostituierte benutzt hatten. Das veranlasste sie, Gruppen zu gründen; mit dem Ziel, "Frauen, die Opfer von Frauenhandel und Zwangsprostitution geworden sind, eine Perspektive zu eröffnen, ihnen Wohnungen zu vermitteln und ihnen eine Berufsausbildung zu ermöglichen, damit sie unabhängig leben können", so Sr. Ackermann. Sie war Ehrengast beim "Solwodi"-Festakt im Wiener St. Josefsspital.
Heute ist "Solwodi" neben Kenia auch in Deutschland und Rumänien - und nun eben auch in Österreich - vertreten. "Immer öfter kommt es vor, dass 13-Jährige im Bordell anzutreffen sind, und niemanden stört das. Das sind schwere Verbrechen, die nicht geahndet werden", warnte Sr. Ackermann von der neuen Herausforderung der Kinderprostitution: "Die Politik hat sich bei der großen Thematik Prostitution aus dem Staub gemacht, indem sie diese zum Beruf erklärt hat." Es sei ungeheuer wichtig, dass viele Menschen ungeschminkt hinschauen und damit wissen, "was in der Szene wirklich los ist." Niemand gehe freiwillig in die Prostitution. Ackermann: "Diese Frauen brauchen professionelle Hilfe, und diese bekommen sie nun auch in Wien in der Schutzwohnung von Solwodi Österreich."
"Es ist unsere Pflicht als Ordensgemeinschaften, hin- statt wegzuschauen, wenn Frauen ausgebeutet und erniedrigt werden, in der Notlage zu helfen und Betroffenen eine Stimme zu geben", so Sr. Patricia Erber, Provinzvikarin der Salvatorianerinnen in Österreich und Solwodi-Vorsitzende. Rund 7.000 Prostituierte gibt es Schätzungen zufolge allein in Wien, 80 Prozent von ihnen stammen aus dem Ausland.
"Es darf nicht beim unverbindlichen Mitgefühl bleiben", konstatierte die frühere Frauenministerin Helga Konrad in ihrem Statement: "Die Opfer sind Opfer schwerer Verbrechen und müssen als solche gesehen und die Verbrechen geahndet werden." Konrad bedauert wie Ackermann, "dass die Problematik Frauenhandel und Zwangsprostitution nicht gesehen und kaum etwas dagegen unternommen wird. Im EU-Raum entsteht erst ganz langsam ein Bewusstsein dafür." Deshalb fordert Konrad alle Einrichtungen, die an dieser gesellschaftlichen Schattenseite arbeiten, zur "vernetzten Arbeit" auf.
Die Vize-Präsidentin der Vereinigung der Frauenorden Österreichs, Sr. Franziska Bruckner, betonte in ihrem Statement, "dass hier Helfen dringend und drängend notwendig ist". Sie streicht das "engagierte Zusammenarbeiten für diese Schutzwohnung" hervor. Sie betont: "Die Vereinigung der Frauenorden steht voll dahinter, wir sind dankbar für den selbstlosen Einsatz und tragen ihn mit."
"Solwodi"-Österreich wird von der Caritas Socialis, den Salvatorianerinnen, der Congregatio Jesu, dem Institut der Franziskanerinnen Missionarinnen Mariens, den Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul und der Missionskongregation der Dienerinnen des Heiligen Geistes getragen.
Infos: www.solwodi.at