
Schönborn: Kurienreform wird Papst gelingen
Kardinal Christoph Schönborn ist überzeugt, dass Papst Franziskus die überfällige Reform der vatikanischen Kurie gelingen wird. Franziskus sei bei aller Herzlichkeit zugleich zielstrebig und konsequent und werden den von Papst Benedikt XVI. zum Teil begonnenen Weg weiterführen. Notwendig sei vor allem eine Reform der Struktur hin zu mehr horizontaler Kommunikation, sagte Schönborn. Das sei auch in den Diskussionen unter den Kardinälen bei den Generalkongregationen vor dem Konklave deutlich geworden.
Es habe auch eine Reihe von Vorschlägen gegeben, wie die Kommunikation unter Einbindung der Ortskirchen verbessert werden könne. Etwa durch regelmäßige Treffen der Vorsitzenden der Bischofskonferenzen mit dem Papst, erklärte Schönborn: "Es braucht mehr gelebte Kollegialität und Synodalität."
Der Kardinal unterstrich, dass der Wunsch nach einer Reform auch von vielen Kurienmitarbeitern komme. Viele kompetente und höchst engagierte Mitarbeiter würden über den schlechten Ruf der Kurie klagen und wüssten selbst am besten über konkrete Defizite Bescheid. Schon rein aus mathematischen Gründen müsse es unter jenen Kardinälen, die Bergoglio zum Papst wählten, auch eine Reihe von Kurienkardinälen gegeben haben. Deshalb sehe er große Chancen, so Schönborn, dass die Reform gelingen werde.
Verärgert zeigte sich der Wiener Erzbischof einmal mehr über das "Vatileaks"-Problem, das nach wie vor bestehe. Wortmeldungen der Kardinäle in der Generalkongregation seien am nächsten Tag in italienischen Zeitungen nachzulesen gewesen, obwohl jeder Teilnehmer einen Eid auf Geheimhaltung abgelegt hatte.
Frischer Wind durch neuen Papst
Wie Schönborn weiter sagte, sei im Vorfeld der Papstwahl ein starker Zug zum Blick über Europa hinaus spürbar gewesen, auch wenn die Wahl Bergoglios dann doch eine Überraschung gewesen sei. Um die notwendige Zweidrittelmehrheit zu bekommen, "müssen die Wähler aber sehr breit gestreut sein", so Schönborn: "Bei sehr vielen war der Wunsch deutlich nach frischem Wind in der Kirche". Dass dieser frische Wind nun von einem 76-jährigen ausgehen soll, möge überraschen, Franziskus sei aber bekannt für seinen guten Draht zur Jugend und zu den Armen, sein Stehvermögen gegenüber der Politik und seine klaren Positionen in gesellschaftspolitischen Fragen.
Von Franziskus dürften auch neue Impulse für das Selbstverständnis des Papstamtes ausgehen, sagte der Kardinal. Er habe sich von Anfang an als "Bischof von Rom" präsentiert, erläuterte Schönborn. Das sei auch theologisch das solideste Grundverständnis des Papstamtes.
Eindrucksvoll sei auch die Begegnung mit den Vertretern der anderen christlichen Kirchen gewesen, so Schönborn. Es sei deutlich, dass Papst Franziskus tief und selbstverständlich in der Ökumene beheimatet ist.
Dass die Wahl des neuen Papstes aber nicht nur für Christen ein bedeutsames Ereignis ist, illustrierte Schönborn mit dem Verweis auf einen Agnostiker und den Wiener jüdischen Rabbiner Shlomo Hofmeister, die ihm selbiges versichert hätten.
Den neuen Papst kennzeichne seine Nähe zu den Menschen, die Schlichtheit im Lebenswandel und eine tiefe Spiritualität, sagte Schönborn. In Rom herrsche große Freude bei den Menschen, ein "Frühlingswind des Evangeliums" wehe durch die Stadt. Wie der Papst nach dem Sonntagsgottesdienst in der Pfarre St. Anna allen Messbesuchern die Hand schüttelte mache diese neue Freude und den neuen Wind spürbar.
Keine Indizien für Nähe zur Militärjunta
Schönborn nahm in dem Pressegespräch auch zu den Vorwürfen gegenüber Bergoglio Stellung, dass dieser während der Zeit der Militärdiktatur in Argentinien (1976-83) ein zu großes Naheverhältnis zum Regime gehabt haben soll. Zum einen verwies Schönborn auf Aussagen des 1976 von der argentinischen Militärdiktatur verschleppten und über Monate gefangen genommenen Jesuiten Franz Jalics (85). Dieser hatte erst Mittwoch erklärt, dass er und ein Mitbruder nicht vom damaligen Provinzoberen Jorge Mario Bergoglio angezeigt worden waren.
Ein weiteres Indiz, dass an den Vorwürfen gegenüber Bergoglios nichts dran sei: In den jüngsten Auseinandersetzungen zwischen dem Erzbischof von Buenos Aires und der argentinischen Regierung habe letztere niemals diese Vorwürfe gegen den Erzbischof ausgespielt, was wohl bei einer vorhandenen Faktenlage der Fall gewesen wäre, verwies Schönborn auf entsprechende Überlegungen in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".
Bischofsernennungen in Vorbereitung
Die für Österreich anstehenden Bischofsernennungen sind im Vatikan in Arbeit und werden demnächst von der zuständigen Bischofskongregation behandelt werden. Das führte Kardinal Schönborn bei einem Pressegespräch am Donnerstag in Wien aus und erklärte, dass sich die nächste Kardinalsversammlung der Bischofskongregation mit Österreich befassen werde. Der Termin dafür sei noch nicht fix, "aber sicher vor Sommer". Da die Letztentscheidung beim Papst liegt, könnten die Bischofsernennungen jedoch erst im Herbst erfolgen, gab der Kardinal zu bedenken.
Derartige Entscheidungen seien auch vom jeweiligen Arbeitsstil des Papstes abhängig, führte der Wiener Erzbischof aus. So habe sich Benedikt XVI. sehr ausführlich mit den vorbereiteten Dossiers für Bischofsernennungen auseinandergesetzt. Wie das Papst Franziskus machen werde, sei noch ungewiss. Gleichzeitig machte Kardinal Schönborn auf einen wichtigen Unterschied der beiden Päpste in der Frage der Besetzung der kurialen Spitzenämter aufmerksam: Papst Franziskus habe nach seiner Wahl im Gegensatz zu Benedikt XVI. die Kurienspitzen lediglich mit dem Zusatz "bis es anders verfügt wird" wiederbestellt. Durch diese provisorische Bestellung behalte sich der Papst "genügend Freiraum". Im Übrigen könne Papst Franziskus "sehr bestimmt sein, bei aller Milde und Herzlichkeit", sagte der Kardinal.
Papst spricht sehr gut Deutsch
Dass Papst Franziskus auch sehr gut Deutsch spricht, könne der Kardinal aufgrund mehrere persönlicher Begegnungen seit dem Jahr 1996 bestätigen. Auch habe der Papst gegenüber den Kardinälen die entstandene Verwirrung über die nie geschriebene Dissertation in Deutschland aufgeklärt: So habe der Jesuit Bergoglio vorgehabt, in Deutschland über eine frühe philosophische Schrift des Theologen Romano Guardini mit dem Titel "Vom Widerspruch" zu arbeiten. Nach einiger Zeit in Deutschland sei es letztlich dann doch nicht dazu gekommen.
Die Entscheidung im deutschen Sprachgebiet, den neuen Papst "Franziskus" zu nennen, bewertete der Kardinal als die "richtige deutsche Namensgebung". Nachsatz: "Franz" wäre "als Einsilber ein bisschen kurz".
Viele würden sich einen "erneuernden Einfluss" des Papstes auf den Jesuitenorden erhoffen, sagte der Kardinal angefragt auf das das Verhältnis des Papst zu den Jesuiten. Zu bedenken sei, dass die Mitglieder des Jesuitenordens durch ein eigenes Gehorsamsgelübde besonders eng an den Papst gebunden seien. Von daher sei ein wichtiger Einfluss des Papstes auf den Orden zu erwarten.
Quelle: Kathpress