
Große Anteilnahme bei Jägerstätter-Begräbnis
Das Glaubens- und Lebenszeugnis von Franziska Jägerstätter, der Witwe des 1943 von den Nazis ermordeten Seligen Franz Jägerstätter, hat Bischof Manfred Scheuer gewürdigt. In seiner Predigt beim Begräbnis für die im 101. Lebensjahr Verstorbene würdigte Scheuer die vielfältigen Facetten der Persönlichkeit Franziska Jägerstätter. Wörtlich sagte er: "In Zeiten der Verblendung und des Unverständnisses hat sie sich den Lebensmut, die Freude am Leben und am Glauben bewahrt. Franziska lebte aus der Hoffnung, dass Gott angesichts des Unrechts rechtfertigt und heilt." Das Begräbnis am Samstagnachmittag in St. Radegund fand unter großer Anteilnahme der Bevölkerung und vielen Teilnehmern aus Kirche und Politik statt. Kardinal Christoph Schönborn stand dem Gottesdienst vor.
In Franziska Jägerstätter sei die Vergangenheit sehr präsent gewesen, sie habe sich aber nicht in die Vergangenheit geflüchtet, sagte Bischof Scheuer: "Die Liebe zu ihrem Franz hat sie sehr gegenwärtig gemacht, sehr aufmerksam, wach für Nöte und Anliegen, offen für die schönen Dinge." Die Last ihrer Erfahrungen sei verknüpft gewesen "mit einer Unbekümmertheit und Heiterkeit. Die Schwere ihres Schicksals wurde getragen von einer Unbeschwertheit, von Freude am Leben, vom Mut zum Sein."
Scheuer zitierte in seiner Predigt aus den vielen Briefen zwischen Franziska und Franz Jägerstätter während seiner Haft. Diese Briefe würden eine bewegende Theologie des Ehesakraments in sich bergen: "Die Ehe wird als Beweis der Liebe Gottes erfahren und ist ein Beweis für die Existenz Gottes. Beide Eheleute stärken sich wechselseitig im Glauben."
Weiters sagte Scheuer: "Wir verdanken ihnen auch das Zeugnis: wenn einer den anderen hergeben muss, wenn die Liebe erfordert, von sich selbst abzusehen und den Geliebten loszulassen." Franziska hätte zunächst versucht, ihren Mann umzustimmen, hatte ihn dann aber unterstützt. "Die Liebe zu ihm war ihr treibendes Motiv, sich in der äußersten Konfliktsituation an seine Seite zu stellen, ihn zu unterstützen, in der Not nicht allein zu lassen."
Franziska Jägerstätter habe eine große Liebe zu ihrer Familie ausgezeichnet; zu den drei Töchtern, vierzehn Enkel und siebzehn Urenkel. Scheuer: "Sie musste ihre Kinder alleine groß ziehen und dabei mit Strenge auch den Vater ersetzen. Als begeisterte Großmutter war sie auch für Polsterschlachten mit den Enkelkindern zu haben." Ihre Familie habe Franziska zuletzt umsorgt und gepflegt. "Die Familie hatte auch das Zeugnis von Franz und Franziska mit zu tragen, manchmal war das eine Zumutung", so der Bischof: "Ein großes Vergelt's Gott der Familie, dass sie mit uns Franz und Franziska geteilt haben und dass durch sie das Zeugnis des Lebens und Glaubens weiter lebt."
Franziska Jägerstätter habe zudem auch eine große Liebe zur Kirche ausgezeichnet, so Scheuer: "Mit ihrer Existenz, ihrem Zeugnis wird sie zum Sendschreiben in der Entfremdung, in der Anfechtung, in dunklen Phasen des Lebens und des Glaubens, in winterlichen Gezeiten der Kirche."
Schließlich zitierte der Innsbrucker Bischof auch aus einem Brief Franziskas, den sie rund einen Monat nach der Hinrichtung ihres Mannes 1943 an Pfarrer Heinrich Kreutzberg in Berlin geschrieben hatte: "Ich kann Ihnen auch versichern, dass unsere Ehe eine von den glücklichsten war in unserer Pfarre. Ich freue mich schon auf ein Wiedersehen im Himmel."
Dank von Kirche und Politik
Der Begräbnisgottesdienst wurde am Platz vor der Pfarrkirche St. Radegund mit der Familie Jägerstätter, Vertretern aus der Gemeinde St. Radegund sowie dem Bezirk Braunau und zahlreichen weiteren Ehrengästen, die mit Franziska Jägerstätter verbunden sind, gefeiert. Kardinal Christoph Schönborn, der Linzer Diözesanbischof Ludwig Schwarz, Altbischof Maximilian Aichern, der Innsbrucker Bischof Manfred Scheuer, der Feldkircher Diözesanadministrator Benno Elbs, Bischofsvikar Maximilian Mittendorfer und der St. Radegunder Pfarrer Josef Steinkellner zelebrierten den Gottesdienst. Viele Priester und Verantwortungsträger der Diözese Linz und anderer Diözesen, Vertreter der Katholischen Friedensorganisation Pax Christi Österreich und USA waren Teil der Trauergemeinde in St. Radegund. Das Land Oberösterreich war durch Landeshauptmann Josef Pühringer vertreten.
Kardinal Schönborn erinnerte in seinen Dankesworten daran, dass er Franziska Jägerstätter in der Begegnung mit zwei Päpsten begleitet habe. Er verwies darauf, dass Franziska Jägerstätter Papst Johannes Paul II. gesegnet habe. Dies sei eine besonders beeindruckende Begegnung für ihn gewesen. Der Kardinal dankte Franziska Jägerstätter für ihr Glaubens- und Lebenszeugnis und erzählte noch eine Begegnung, die Franziska Jägerstätter in ihrer Liebe zu ihrem Gatten zeigte: "Ich war mit einer Jugendgruppe in St. Radegund bei Franziska Jägerstätter. Ein Mädchen fragte sie: 'Wie war er denn der Franz?' und Franziska antwortete: 'Er war schon sehr fesch!' Ich werde Franziska Jägerstätter und ihre Liebe zu ihrem Franz nie vergessen."
Landeshauptmann Josef Pühringer sprach seine Verehrung für Franziska Jägerstätter in seiner Ansprache aus. Sie habe mit ihrem Lebenszeugnis der Botschaft ihres Gatten noch mehr Glaubwürdigkeit verliehen. Durch die Freigabe der Briefe sei der Zugang zu beider Vermächtnis ermöglicht worden. Als Politiker entschuldigte sich der Landeshauptmann dafür, dass Franziska Jägerstätter nicht immer die entsprechende Wertschätzung entgegengebracht wurde und bedankte sich auch bei den Töchtern und der Familie Jägerstätter für ihren Dienst.
Ein besonderes Zeichen der Verbundenheit von Franz und Franziska Jägerstätter war auch die Beisetzung von Franziska im Grab neben ihrem Mann. Die Gattin des Seligen Franz Jägerstätter war am 16. März 2013 kurz nach ihrem 100. Geburtstag in St. Radegund gestorben.