
Zypern: Erzbischof will Strafe für Altpräsidenten
ng von Politikern des Landes wegen der schweren Finanzkrise. Die Vorgängerregierung des im Februar abgewählten Präsidenten Dimitris Christofias solle vor Gericht gestellt werden, weil sie für die jetzige Notlage verantwortlich sei, sagte der orthodoxe Kirchenführer am Sonntag kurz vor den in der Nacht von der EU beschlossenen Rettungsmaßnahmen für die Insel. "Sie sollten alle bestraft werden", zitieren zypriotische Medien den Primas.
Chrysostomos kündigte den Berichten zufolge an, dass er sich am kommenden Donnerstag mit russischen Geschäftsleuten treffen wolle, damit diese ihr Geld auf zypriotischen Banken lassen. Die Kirche von Zypern ist Vierteleigentümer des drittgrößten zypriotischen Geldhauses, der Hellenic Bank. Im Falle eines Abzugs der russischen Gelder werde sich die Lage der Mittelmeerinsel weiter verschlechtern, so der Erzbischof.
In einer am Samstag von der Kirche veröffentlichten Mitteilung hatte sich Chrysostomos für die Wiedereinführung der Ende 2007 abgeschafften Währung, des "Zypern-Pfund", ausgesprochen. Zypern müsse die Euro-Zone verlassen, denn unter der Führung von unfähigen Politikern wie den jetzigen werde "der Euro ohnehin auseinanderfliegen".
Nach einer nächtlichen Sitzung der Euro-Finanzminister, darunter auch Maria Fekter aus Wien, wurde Montagfrüh ein Rettungspaket für Zypern in der Höhe von 10 Milliarden Euro beschlossen. Dafür erklärte sich die zypriotische Regierung bereit, den überdimensionierten Bankensektor auf der Insel radikal zu schrumpfen. Bankkunden mit Guthaben über 100.000 Euro werden einen erheblichen Teil ihres Vermögens verlieren. Revidiert wurde der umstrittene Beschluss von Mitte März, wonach Zypern eine generelle Zwangsabgabe für Bankguthaben einführen muss. "Konten unter 100.000 Euro sind geschützt, daran gibt es jetzt keinen Zweifel dran", sagte Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem. Stattdessen werden Großanleger, Eigentümer und Gläubiger der beiden größten Banken der Insel herangezogen. Die zweitgrößte Bank, Laiki, soll aufgespalten werden und am Ende de facto verschwinden. Auch bei der Bank of Cyprus müssen sich Kunden mit Guthaben von mehr als 100.000 Euro auf Verluste einstellen.