
Chrisammessen: Mit Franziskus auf Hoffnungswelle
Die von Papst Franziskus in Bewegung gesetzte "Wellenbewegung der Hoffnung" wollen die österreichischen Bischöfe aufgreifen: Sein Weg der Armut, Demut und Barmherzigkeit gebe der Kirche neuen Mut, wie die Diözesanbischöfe in ihren Predigten zu den Chrisammessen am Mittwochabend hervorhoben. Bei den Ölweihe-Messen - geweiht werden die Heiligen Öle Krankenöl, Katechumenenöl und Chrisam - standen auch das Selbstverständnis und die Herausforderungen des Priesterdienstes im Mittelpunkt. Der Priester, der auf "Christus hin durchsichtig" und deshalb "Ikone", nicht "Palisade" sein soll, sei mit dem "Esel von Jerusalem" vergleichbar, so der Grazer Bischof Egon Kapellari: "Wir tragen eine kostbare Last".
Kapellari wandte sich gegen übertriebenes Klagen und Jammern über eigene Grenzen und Grenzen anderer: Ehrlich und in begrenzter Dosis könne dieses Jammern auch therapeutisch sein; eine Überdosis davon verwunde den so Redenden aber seelisch selbst "und dazu noch ein Stück Welt rings um ihn", warnte der Bischof in Anspielung auf Kardinal Roger Etchegarays Buch "Der Esel von Jerusalem", der Jesus am Palmsonntag in die heilige Stadt trug.
Auch die rund 400.000 Priester in der katholischen Weltkirche müssten Person und Wort Jesu in die Welt hinaustragen und die heutigen Herausforderungen von dieser "Mitte und Tiefe" der Kirche her annehmen", so Kapellari. Mut und Hoffnung für diesen Weg gebe der neue Papst Franziskus. Aber auch das Werk von Benedikt XVI. wird "wie ein Sauerteig wirksam bleiben", unterstrich der Grazer Diözesanbischof. Die Fastenzeit als Umkehr - nicht zu einer Norm, einem unerreichbaren Sollensanspruch oder einem Gesetz, sondern zur Person Christi - sei "Heimkehr zu Gott". Wo eine solche Heimat behalten oder wiedergefunden werde, "da ist Ostern, da ist Auferstehung von den Toten".
Alois Schwarz: Sensibilität für Lebenswirklichkeit
Der Kärntner Diözesanbischof Alois Schwarz appellierte in seiner Predigt beim Ölweihegottesdienst im Klagenfurter Dom für eine Sensibilisierung für die Lebenswirklichkeiten der Menschen. Es gelte sich aus der Perspektive des Evangeliums auf die Lebenssituationen der Menschen einzulassen. "Glaubwürdigkeit und Überzeugungskraft" seien Voraussetzungen für den gelingenden Dienst am Nächsten, wie ihn auch der neue Papst vorlebe.
Bei der anschließenden Recollectio, also der geistlichen Zusammenkunft der Priester, forderte Alois Schwarz eine "Verlebendigung der Gemeinde" - jenseits von einer Eventkultur. Es gehe vielmehr um "Lebensräume und Biotope des gemeinsamen Glaubens"; wo diese lebendig gestaltet werden, "wird es auch wieder Priester geben", zeigte sich der Bischof der Diözese Gurk-Klagenfurt optimistisch.
Manfred Scheuer: Jesus ist spannend genug
Die Frohbotschaft des Osterfestes mit ihrem Sieg über den Tod werde durch mediale Reizüberflutung und Sensationalismus, §in der die Quote zum Gott zu werden scheint", oft als wenig spektakulär wahrgenommen. Dem hielt Innsbrucks Bischof Manfred Scheuer bei der Chrisammesse entgegen: "Jesus genügt. Mehr als Jesus von Nazareth haben wir von Gott nicht zu erwarten. Anders als in Jesus Christus wird sich Gott nicht mehr aussagen. Er nimmt nichts zurück von seiner Selbstmitteilung, von seinem Mögen, von seiner Liebe." Und Gott werde nicht "spannender", wenn er unberechenbarer, böser, willkürlicher, launischer gedacht wird, sagte Scheuer.
Ludwig Schwarz: Hellhörig für das Heute sein
Auch im Linzer Mariendom wurden im Beisein zahlreicher Priester der Diözese die heiligen Öle geweiht. Bischof Ludwig Schwarz ermutigte die Priester und Gläubigen, die "Herausforderungen des Christseins heute anzunehmen" und von der Glaubensmitte heraus "hellhörig für die Zeichen der Zeit" zu sein.
Klaus Küng: Vertiefung des Glaubens
Vor dem "in der Gesellschaft vorherrschenden Relativismus" und der damit einhergehenden "Verflachung des Glaubens und der Glaubenspraxis" warnte der St. Pöltner Diözesanbischof Klaus Küng bei der Ölweihemesse. Priester sollten das Evangelium "liebevoll, aber ohne Abstriche" verkünden und wie Jesus "unmissverständlich zur Umkehr auffordern", so der Bischof im Dom von St. Pölten. Priester müssten in ihrer "Hirtenaufgabe" Wege zur "Vertiefung des Glaubens" gehen und sich dieser großen Verantwortung bewusst sein.
Die bei den Chrisammessen geweihten Öle werden bei Taufe, Firmung, Priester- und Bischofsweihe, aber auch bei der Weihe eines Altars, einer Kirche, einer Glocke oder eines Kelches verwendet. Das Krankenöl wird für die Krankensalbung benötigt, das Katechumenenöl für die Salbung der Katechumenen, das heißt der Täuflinge vor der Taufe. Die Öle bestehen aus reinem, naturbelassenem Olivenöl. Beim Chrisam (griechisch: Salböl) wird noch ein spezieller Duftstoff hinzugefügt. In der Bibel ist das Öl Sinnbild für Gesundheit, Freude und die Kraft des Geistes.
Quelle: Kathpress