
Kommt eine Reform der Militärseelsorge?
Österreichs Militärbischof Christian Werner hat eine Reform der Militärseelsorge angekündigt. Ausgearbeitet soll ein neues Pastoralkonzept bei einer Diözesansynode Ende September werden, Ziel sei eine "umfassende Erneuerung", schrieb der Bischof in seinem diesjährigen Fastenhirtenbrief; zudem werde es auch ein "Fest des Glaubens" am 1. Mai geben. Es soll wie auch die Synode der Militärdiözese in Salzburg stattfinden.
Militärseelsorge müsse auch sozial Schwächere ansprechen und brauche "Verkündigungsbereitschaft" als Grundlage, forderte der Bischof: "Ein paar gut besuchte Veranstaltungen, an die sich 2014 niemand mehr erinnert und für die wir viel Geld ausgeben, können nicht Ziel des Jahres des Glaubens sein", so Werner wörtlich.
Die Priester sollten sich um Nachhaltigkeit bemühen, was besonders durch "begründete und wissensvermittelnde Ansprachen, Ratschläge und brüderliche Hinweise" im Sinne der Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils erfolgen könne und auch eigene Weiterbildung beinhalte. Im Jahr des Glaubens solle zudem besonders die "die stets notwendige eigene Vertiefung" des Glaubens im Zentrum stehen.
Christen "raunzen" nicht
Das Augenmerk lenkte Bischof Werner in seinem auf der Homepage der Militärdiözese veröffentlichten Hirtenbrief auch auf den Umgang mit Mitarbeitern: Dieser sei eine große Herausforderung, zumal man aus Bequemlichkeit die eigene Arbeitsleistung oft überschätze. Dies füge sich "in ein allgemeines 'Raunzertum' ein, das dem Christentum völlig fremd ist", so der Militärbischof.
Vielmehr seien alle Gläubigen dazu berufen, "zum Wachstum und zur ständigen Heiligung" der Kirche beizutragen. Das geschehe, so Werner, "durch Unterricht und Unterstützung", durch Engagement für Gerechtigkeit und "für alle, die etwas von uns brauchen". Global und glaubwürdig werde dieses Bemühen durch den Kauf fair gehandelter Produkte.
Von der Diözesansynode ab dem 30. September erwartet der Militärbischof ein neues Pastoralkonzept, basierend auf einer "umfassenden Erneuerung". Zudem erhoffe er auch "das ernsthafte und vertiefte Gespräch mit unseren getrennten Geschwistern": Auch Seelsorger der orthodoxen und evangelischen Kirchen lade er zur Synode ein, zumal die "Sorge um das Seelenheil" auch "zu einer klar geregelten, geschwisterlichen Haltung der Zusammenarbeit in respektierter Verschiedenheit" führe.
So sollten in der Militärseelsorge, die aufgrund der Auslandseinsätze des Heeres einen "speziellen ökumenischen Horizont" besitze, "vernünftige, biblische und in der Tradition der Kirchen begründete" gemeinsame Formen gefunden, jedoch auch bleibende Unterschiede ausgedrückt werden.
Als Synoden-Teilnehmer eingeladen seien jedoch auch Gäste aus den in Österreich anerkannten Religionsgemeinschaften: Auch der Dialog mit Nichtchristen solle "gestärkt und auf eine Basis aus solidem Glaubenswissen gestellt" werden, so Werner.
Bischof Christian Werner (69) leitet das römisch-katholische Militärordinariat Österreich seit 1994, er ist für mehr als 100.000 Katholiken im Bundesheer zuständig. Eingerichtet wurde die einzige kategoriale Diözese Österreichs (neben neun territorialen) im Jahr 1986. Die Militärseelsorge als eine der ältesten Seelsorgeformen gibt es jedoch schon viel länger: Mit Beginn des 16. Jahrhunderts wurde die Sorge der Kirche um den Berufsstand der Soldaten bereits institutionalisiert.
Quelle: Kathpress