
"Um Himmels Willen": Wenn Spitzenpolitiker beten
Österreichische Spitzenpolitiker beten. Nicht etwa für bessere Wahlergebnisse oder eine glückliche Hand bei politischen Entscheidungen, sondern zur persönlichen "Erdung". Das ergab ein Rundruf der Zeitschrift "miteinander" (April-Ausgabe) des Canisiuswerkes unter Politikern aller Parteien. Ob Stoßgebete, regelmäßige Dank- und Bittgebete oder intensive Dialoge mit Gott - die Vielfalt möglicher Gebetsformen fand sich auch bei den Politikern wieder.
So unterstrich etwa Vizekanzler Michael Spindelegger (ÖVP), beten sei für ihn wichtig, weil es ihn "trotz aller möglicher Ereignisse, die ich täglich erlebe, wieder zu den wahren Fragen des Lebens zurückführt". VP-Frauenchefin Dorothea Schittenhelm findet im Gebet "die nötige Reflexion meiner Sorgen und Freuden" und sieht das Gebet als "direktes Gespräch mit Gott", das ihr "Sicherheit und die nötige Kraft im Alltag" gibt. "Ich bete regelmäßig, da ich tief im Glauben verwurzelt bin", so Schittenhelm.
Für den ehemaligen Caritas-Generalsekretär und jetzigen Bundesgeschäftsführer der Grünen, Stefan Wallner, bedeutet das Gebet nach eigenen Angaben "Trost, Hoffnung, Dank - ein Begegnungsraum". Ähnlich auch Caritas-Präsident Franz Küberl, der im Gebet ein "nachdenkliches, bittendes, haderndes, stilles, flehendes Gespräch mit Gott" sieht, "das erdverbunden und himmelsoffen" sei.
Der Vizepräsident des Europäischen Parlaments und VP-Politiker Othmar Karas schließlich schätzt insbesondere die durch das Gebet ermöglichte "innere Ruhe". Er schätze daher das Zitat des dänischen Philosophen Sören Kierkegaard, wonach Beten nicht bedeute, sich selbst reden zu hören: "Beten heißt: still werden und still sein und warten, bis der Betende Gott hört."
Laut Angaben der Zeitschrift "miteinander" wurden Politiker und Vertreter aller Parteien angefragt, aus den Reihen von SPÖ, BZÖ und FPÖ habe es jedoch keine positive Rückmeldung gegeben. Die vom Canisiuswerk herausgegebene Zeitschrift widmet sich in ihrer April-Ausgabe aus Anlass des Weltgebetstages um geistliche Berufe am 21. April dem Thema "Hilft beten?"
Infos: www.miteinander.at
Quelle: Kathpress