
Fußwaschung als "Marke des Christseins"
Der Gründonnerstag regt zum Nachdenken darüber an, wie man seinen letzten Lebenstag gestalten würde, erklärte der Wiener Erzbischof Christoph Schönborn beim Gottesdienst im Wiener Stephansdom am Donnerstagabend. Jesus habe diesen Tag genutzt, um die christliche Hingabe füreinander zu verdeutlichen, sein geistiges Testament zu hinterlassen und im gemeinsamen Mahl gegenwärtig zu bleiben, so der Kardinal in seiner Predigt. Schönborn wusch im Rahmen der traditionellen Abendmahlsfeier zwölf jungen Mitgliedern des Malteser-Hospitaldienstes die Füße - eine Demutsgeste, die nach seinen Worten eine "Marke des Christentums" wurde.
Jesus selbst habe den Gründonnerstag sehr bewusst als letzten Lebenstag gestaltet, verwies der Kardinal auf die drei Ankündigungen Jesu seinen nahenden Tod betreffend. "Jesus lebt zwar weiter, in der Eucharistie, in den Notleidenden und in der gläubigen Gemeinde, jedoch nicht mehr in dieser Form, in der er die 33 Jahre seines irdischen Lebens verbracht hat. In der Gleichzeitigkeit, die uns der Glaube und das sakramentale Leben schenken, war heute sein letzter Tag. Wie wäre es für uns, wüssten wir bereits über unseren morgigen Tod Bescheid?", so Schönborn.
Selbst kleine Dinge hätten für Jesus an diesem Tag große Bedeutung gehabt, so der Kardinal weiter. Er habe mit seinen Aposteln, den ihn begleitenden Frauen und seiner Mutter Maria nach jüdischer Tradition am Seder-Fest das Pessachmahl gehalten und drei zentrale Zeichen weitergegeben - allen voran die Fußwaschung. Schönborn: "Sein Sklavendienst war etwas derart Einfaches, dass er in allen Generationen unvergessen blieb und in sie hineinwirkte. Der Impuls 'ich habe euch die Füße gewaschen' bleibt die Marke für das Christsein, für das Menschsein."
Als zweite wichtige Handlung Jesu am Gründonnerstag bezeichnete der Kardinal die lange Abschiedsrede an die Jünger, die im Johannesevangelium wiedergegeben sei. "Er erzählte ihnen, was ihn im Innersten bewegte: Dass sie einander lieben sollten, wie er sie geliebt und der Vater ihn geliebt hatte, dass sie Frucht bringen sollten und einen Tröster erhalten sollten, der bei ihnen bleiben und sie an seine Worte erinnern wird. Und er nannte sie Freunde, nicht Sklaven oder Knechte." Dies sei das Testament Jesu gewesen - "sein Testament an uns", betonte Schönborn.
Drittes Zeichen sei das "Neue" gewesen, das Jesus nach dem in Sedermahl bis heute üblichen Brotsegen getan habe. "Er sagte: 'Das Brot, das ich breche, ist mein Leib für euch - und der Wein mein Blut für euch. Ich habe euch ein Beispiel gegeben.' Der bewusste Gedanke daran gibt dem, was wir jetzt tun, eine unvergleichliche Bedeutung und Kostbarkeit." Jesus sei beim Brechen des Brotes und Trinken des Weines in der heiligen Messe nicht in seiner irdischen Gestalt, aber dennoch "wirklich da", betonte der Kardinal.
Quelle: Kathpress