
Ostern: "Positives Saldo der Geschichte"
Ostern nimmt die große Hoffnung der Menschheit - dass der Saldo der Weltgeschichte letztlich ein positiver sein wird - vorweg: Ostern ist "ein Fest gegen die Schwerkraft. Ein Fest der Hoffnung darauf, dass nicht das Böse und der Tod in dieser Welt das letzte Wort haben werden", wie der Grazer Diözesanbischof Egon Kapellari in Gesprächen gegenüber der "Wiener Zeitung" und dem "Standard" Samstag) betonte.
Die menschliche Grundfrage nach dem Woher und Warum des Bösen könne nicht theoretisch oder spekulativ aufgelöst werden. Die Generalfrage, warum Gott Auschwitz zugelassen habe, müsse offengelassen werden, auch wenn die Freiheit des Menschen immer auch bedeute, dass das Negative möglich sei. Auch wenn das Böse ein geschichtliches Faktum sei, "kann ich in der Weltgeschichte sinnvoll leben, weil ich eine Hoffnungsperspektive habe", so Bischof Kapellari. Ostern ist das Zeichen dieser Hoffnung.
Für den christlichen Glauben lassen sich die Symbole der Osterbotschaft nicht auf einen Mythos oder ein Märchen reduzieren, wie der Bischof der Diözese Graz-Seckau betonte. "Die Rede von den Begegnungen des auferstandenen Christus mit den Frauen, den Jüngern und die Rede vom leeren Grab sind kein Produkt frommer Fantasie. Sie sind Berichte von etwas wirklich Geschehenem, das freilich verschiedenen Interpretationen ausgesetzt ist", so Bischof Kapellari, der den Osterglauben als das "stärkste Webmuster" in seinem Leben bezeichnete.
Auch wenn der christliche Glaube nicht in Vernunft hinein auflösbar sei, wäre es verfehlt, den Glauben als etwas Widervernünftiges zu bezeichnen. Vielmehr würden beide - Glaube und Vernunft - "aufeinander verweisen und einander ergänzen", so Bischof Kapellari, der auf den scholastischen Grundsatz "fides quaerens intellectum" - der nach Einsicht strebende Glaube bzw. "der Glaube, der sich um die Unterstützung der Vernunft bemüht" - verwies.
Gänzlich verfehlen würde man die Glaubenswahrheit vom Standpunkt jenes falsch verstandenen Rationalismus, der sich weder auf seine eigenen Voraussetzungen zu besinnen vermag, noch sich um Klärung der komplexen Begrifflichkeiten von Glaubensinhalten bemüht. Schließlich ist der "Himmel kein überirdischer geophysikalischer Raum, sondern eine ewige dreifaltige Beziehung zwischen Vater, Sohn und Hl. Geist außerhalb von Zeit und Raum. Das ist freilich etwas, was nicht rational auslotbar ist", so Bischof Kapellari, der auf den Entscheidungscharakter des Glaubens verweist.
Kein unnötiger moralischer Rigorismus
Der Grazer Bischof sprach sich zugleich für eine Differenzierung zwischen dem eigentlichen Kern des Glaubens und den daraus abgeleiteten Inhalten aus. Letztere seien immer auch in ihrer situativen und geschichtlichen Veränderbarkeit zu sehen: Man dürfe weder den Weg eines "unnötigen Rigorismus" noch jenen eines "billigen, pflegeleichten Christentums" gehen, etwa wenn es um Stellungnahmen zur moralischen Fragen gehe. Angst vor Veränderungen sei jedenfalls unbegründet: "Der Glaubensinhalt ist nicht ein gewebter Teppich, der sich zwangsläufig auflösen muss, wenn man lange genug an einem weit außen befindlichen Faden zieht", veranschaulichte Bischof Kapellari.
Mit dem neuen Papst erhoffe er sich einen "Schub von neuer Vitalität, einen Schub von fröhlich gelebter Bergpredigt in unserer großen Weltkirche". Papst Franziskus habe bereits damit begonnen, auch "müde gewordene Christen" und "außerhalb der Kirche Stehende" Christus auf "neue, faszinierende Weise" näherzubringen, sagte Bischof Egon Kapellari.
Quelle: Kathpress