
Bischöfe: Ostern ist das Fest gegen die Angst
Als Fest gegen die Angst, das Mut zum neuen Handeln und mit der Auferstehung die Grundlage für ein neues Menschsein schafft, bezeichneten die österreichischen Bischöfe das Osterfest in ihren Predigten in der Osternacht und am Ostersonntag. Ostern sei jene Zusage, dass die täglich erfahrbare Macht des Todes nicht der letzte Aspekt unseres Lebens ist", wie der Kärntner Diözesanbischof Alois Schwarz am Karsamstag sagte. Für den St. Pöltner Bischof Klaus Küng ist auch in der Kirche "Auferstehung erkennbar". Der Eisenstädter Bischof Ägidius Zsifkovics unterstrich den Appellcharakter von Ostern als "Fest der Bewegung".
Die Auferstehung Jesu bilde "Zentrum, Dreh- und Angelpunkt" des christlichen Glaubens, durch Leben, Tod und Auferstehung Jesu sei den Menschen Zukunft geschenkt worden, wie Bischof Alois Schwarz sagte. Zwar löse sich mit Ostern nicht die Dunkelheit des Lebens und das Finstere in der Welt in Nichts auf. Aber mit Ostern sei die Zusage gegeben, dass mit dem Tod nicht alles vorbei sei, dass das Übel nicht das letzte Wort habe. Dies dürfe nicht als "Vertröstung auf ein Jenseits" missverstanden werden, sondern zeige sich unmittelbar in den konkreten Lebensvollzügen: "Wer im Osterglauben fest verwurzelt ist, sieht die Realität in einem anderen Licht", unterstrich der Bischof der Diözese Gurk-Klagenfurt.
Als "Fest gegen die Angst" sei Ostern in sich ein "Ja" zum Einsatz für diese Welt und die Kultur des Lebens. "Unsere Gesellschaft ist auf Menschen angewiesen, die an das Leben und die Zukunft glauben", so Alois Schwarz, der Ostern auch in seinem Appellcharakter für ein "Leben in Fülle" interpretierte.
Kapellari: Tod hat nicht das letzte Wort
Der Tod hat nicht das letzte Wort, sondern der Sieg des Lebens und der Liebe über den Tod: Für Bischof Egon Kapellari heißt Ostern radikal verstehen und annehmen, "an eine Verwandlung durch manch läuternden Schmerz und Tod hindurch zu glauben". Wer glauben könne, "was sich vor rund 2.000 Jahren in Jerusalem ereignet hat und dass sich dieses Geschehen auch an uns erfüllen wird", dürfe ein "wahrhaft österlicher Mensch sein", so der Bischof der Diözese Graz-Seckau wörtlich in seiner Predigt zur Osternachtsfeier im Grazer Dom. Auch wenn oft verschüttet, verborgen und überhört, so sei der Wunsch, dass das "menschliche Leben mehr sei als eine Spur im Sand", dem Menschen als solchen zu eigen. Die Osterbotschaft sei das "Pfand für diese Hoffnung".
Das Osterfest stelle jeden Einzelnen vor die Frage, ob er sich vom Leben, Sterben und Auferstehen Jesu Christi ansprechen lasse: "Ob wir bereit sind, selbst Hand an das Kreuz zu legen und Christus tragen zu helfen" und "durch unser Leben die Sonne der Auferstehung" durchscheinen zu lassen. Mit dem Ostergeschehen habe der Tod eine neue Dimension erhalten, es habe sich der "Tod des Todes" ereignet.
Ostern stelle den Menschen so gesehen vor eine existenzielle Weggabelung, die sich an der Fragealternative festmachen lässt: "Falle ich ins Bodenlose, ins Nichts, wenn ich mich sterbend wie eine Frucht vom Baum des Lebens löse? Oder fängt mich jemand auf? Und wer ist das?", verdeutlichte Bischof Kapellari beim Hochamt am Ostersonntag.
Ostern lasse sich für den Christen deshalb nicht auf ein Frühlingsfest reduzieren, auf einen "willkommenen Anlass zu Osterspaziergängen". Der darin gefeierte "unerhörte Sieg" sei jener des Guten über das Böse in der Welt", wobei der "Kampfplatz" beider nicht abstrakt vorgestellt werden dürfe, sondern "in uns selber begegne", wie der Grazer Bischof betonte. Auch wenn sich das Böse - gerade in der massenmedialen Darstellung - "unübersehbar in den Vordergrund des Wahrnehmbaren drängt, so seien jene "Kräfte, die im Leben zu Boden ziehen", zwar nicht abgeschafft, aber in der Liebe Jesu aufgehoben.
Schönborn: In "Magdalenen-Sekunde" ist Ostern da
In der "Magdalenen-Sekunde" geschieht Ostern: So nannte Kardinal Christoph Schönborn in seiner Predigt am Ostersonntag im Wiener Stephansdom jenen niemals festhaltbaren, objektivierbaren Moment der Begegnung mit dem auferstandenen Jesus. Jene erste Begegnung mit dem Auferstandenen, die nicht etwa den Aposteln Petrus oder Johannes, sondern Maria von Magdala zuteilwurde, sei "Muster und Vorbild für alle Begegnungen", so der Wiener Erzbischof, der sich besonders über die zahlreichen Kinder, die er herzlich grüßte, im Stephansdom freute.
In jener "Magdalenen-Sekunde", für die jeder Einzelne offen sein solle, geschehe eine "neue Zuwendung", in der das eigentliche Ostergeschehen manifest werde und sich zugleich jeder Form von Vergegenständlichung und Verdinglichung entziehe: "Es ist nicht irgendeine Theorie, eine Lehre, sondern diese Begegnung mit dem Auferstandenen", der von sich aus und in einer dem Menschen unverfügbaren Weisen die eigens Zugewandte mit ihrem Namen anspricht und einfach fragt: "Wen suchst du? Was bewegt dich, was betrübt und belastet dich?" Es gehe dabei nicht um ein Festhalten dieses Begegnungsmomentes, der auch ganz unerwartet in den Lebensvollzug des Einzelnen hereinbrechen könne, sondern diesen als Auftrag einer miteinander zu teilenden Sendung zu verstehen.
Auch der neue Papst habe, so Schönborn, seine ganz persönliche "Magdalenen-Sekunde" gehabt, nämlich als 17-Jähriger: Das Motto von Papst Franziskus - "miserando atque eligendo" - lasse genau die beiden Wörter Barmherzigkeit und das Erwählt-Sein miteinander verbinden, auf die es in der persönlichen Begegnung mit dem Auferstandenen ankomme: die Grunderfahrung, in seinem ganzen Dasein von ihm angesprochen und ermächtigt zu sein, ein solches Ostergeschehen weiterzutragen.
Ostern ist keine bloße Theorie
Die Auferstehung Jesu als "Grundlage eines neuen Menschseins" und Quellgrund der christlichen Hoffnung sei gerade keine bloße Theorie, Spekulation oder fromme Legende: "Die Osterbotschaft beruht auf einer geschichtlichen Begebenheit und ist doch immer aktuell", sagte der St. Pöltner Bischof Klaus Küng am Ostersonntag.
Auch in der Kirche sei eine "Phase der Auferstehung" erkennbar, nicht zuletzt weil der "neue Papst Franziskus - wie Kardinal Schönborn es ausgedrückt hat - den Duft des Evangeliums verbreitet", so Küng. Zwar gebe es auch in der Geschichte der Kirche immer wieder "Perioden der Verweltlichung und Lauheit, der Entfremdung von Gott bis hin zum Rückfall in ein neues Heidentum". Doch die "Zeichen der Auferstehung", in denen "Jesu Lebendigkeit in Erscheinung tritt", würden nie versiegen.
Gehen - Aufbauen - Bekennen
Der Eisenstädter Diözesanbischof Ägidius Zsifkovics stellte in direkter Anlehnung an Papst Franziskus die drei Worte "Gehen - Aufbauen - Bekennen" in den Mittelpunkt seiner Osterpredigt. Ostern, das sei das Fest der Bewegung, in dem deutlich werde, dass "Gott den Weg mit uns Menschen geht" und so ein "Gott der Zukunft" ist. Der Weg der Christen sei es, die Erinnerung an das Ostergeschehen in der Verkündigung zu teilen.
Das Aufbauende im letzten und endgültigen Sinne könne nie das Irdische und das Festklammern am Bedingten, Endlichen sein, sondern einzig das Himmlische. Beides, das Gehen wie das Aufbauen auf dem österlichen Glauben müsse vom Bekennen zu Jesus Christus getragen. "Machen wir uns als Christen auf den Weg, haben wir trotz Gegenwind keine Angst", sagte Bischof Zsifkovics.
"Wir dürfen hoffen"
Der Linzer Diözesanbischof Ludwig Schwarz erinnerte in seiner Predigt am Ostersonntag im Mariendom daran, dass jedem Christen durch die Taufe der Glaube an die Auferstehung Jesu geschenkt wurde. "Wir dürfen hoffen, dass die Liebe Gottes stärker ist als der Tod. Und wir dürfen daran glauben, dass Gott uns in der Auferweckung Christi entgegen kommt", so der Bischof: "Ostern sagt uns, dass das Schönste erst kommt und strahlt dadurch Freude und Hoffnung aus. Uns ist mehr verheißen, als das irdische Leben versprechen kann." Auch musikalisch wurde die Osterbotschaft ausgedrückt durch Musik und Gesang der "Nelsonmesse" von Josef Haydn durch das Domorchester und den Domchor.
Das große Plus unseres Lebens
Die Auferstehung Jesu ist das große Plus vor der Gemengelage unseres Lebens: Mit diesen Worten des im Jänner verstorbenen Altbischofs Reinhold Stecher ging der Innsbrucker Diözesanbischof Manfred Scheuer auf das Osterfest ein. In seiner Predigt am Ostersonntag thematisierte er vor allem die "Aktion Glaube", die österreichweite Verhüllungsaktion von Kreuzen und religiösen Symbolen und deren Enthüllung zu Ostern. Die Aktion sei verbunden mit der "Einladung: Aufwachen, die Augen öffnen! Jesus öffnet die Augen und die Wahrnehmung für das Leid anderer. Das Antlitz Jesu spiegelt sich in den Gesichter von Kindern und Jugendlichen wider. Es begegnet uns in den Gesichtern von Kranken und Sterbenden".
Ostern bedeute nicht einfach ein Leben ohne Leid und Tod, sondern heißt, "angenommen zu sein trotz aller Widrigkeiten des Lebens", so Bischof Scheuer, der mit den Worten Dietrich Bonhoeffers sagte: "Wer Ostern kennt, kann nicht verzweifeln!"
Quelle: Kathpress