
Bischof Kapellari erinnert an steirische Märtyrer
Ein neues Denkmal in Graz erinnert jetzt an den am 5. April 1945 vom NS-Regime ermordeten Wehrmachtsoffizier Josef Ritter von Gadolla. Er war ranghöchster verbliebener Wehrmachtsoffizier in Gotha und hatte den "Nero-Befehl" Hitlers missachtet, wofür er standrechtlich erschossen wurde. Die Aufstellung des Denkmals für Gadolla erfolgte auf den Tag genau 68 Jahre nach seiner Ermordung. Es handelt sich um ein Werk des Erfurter Künstlers Thomas Lindner, das von Diözesanbischof Egon Kapellari am Freitag gesegnet und enthüllt wurde.
Gadolla habe unter Einsatz seines Lebens die Stadt Gotha vor ihrer Zerstörung und damit auch viele Menschen vor dem Tod bewahren wollen, sagte Kapellari bei der Gedenkfeier in der Pfarrkirche Graz-Münzgraben, an der u.a. auch Nuntius Erzbischof Peter Stephan Zurbriggen und Bürgermeister Siegfried Nagl teilnahmen. Gadolla sei nicht direkt um des christlichen Glaubens willen gestorben, aber er habe aus katholischer Verantwortung viele Menschenleben gerettet und dafür sein eigenes irdisches Leben verloren. Als erster Katholik aus der Steiermark sei er daher als Märtyrer anerkannt worden.
Der Bischof wies auf die Kette von Märtyrern hin, die im Laufe der Neuzeit aus der Diözese Graz kamen - angefangen mit den elf selig- oder heiliggesprochenen Jesuiten, die in der heutigen Slowakei den Tod gefunden hatten, bis zu Pfarrer Heinrich Dallarosa aus St. Georgen bei Obdach, der sein Leben als Opfer des nationalsozialistischen Regimes verloren habe. In Graz sei weiters auch einiger Franziskanerpriester zu gedenken, die im hiesigen Kloster gelebt und gewirkt hatten und später wegen ihres Widerstands gegen das nationalsozialistische Regime ihr Leben verloren.
Die letzten Worte von Josef Ritter von Gadolla vor seiner Erschießung hätten - wie Kapellari erinnerte - gelautet: "Damit Gotha leben kann, muss ich sterben." Die Erinnerung daran zu bewahren sei auch "ein Auftrag zum Widerstand gegen alles, was zur Wiederholung eines solchen Unrechts führen könnte", betonte der Bischof.
Initiator der Denkmalaufstellung war Prof. Johann Trummer, Vorsitzender der "Katholische Medien Verein Privatstiftung". Zu der Enthüllung waren auch der Bürgermeister von Gotha, Knut Kreuch, "Styria"-Aufsichtsratsvorsitzender Friedrich Santner sowie die Vorstände Wolfgang Bretschko, Klaus Schweighofer, Malte von Trotha und Ivan Tolj gekommen.
Biografische Notizen
Der am 14. Jänner 1897 in Graz geborene Josef Ritter von Gadolla entstammte einer altösterreichischen Offiziersfamilie. Im Ersten Weltkrieg wurde Gadolla an der italienischen Front schwer verwundet, ein Bein blieb lahm. Seine Karriere als Berufssoldat setzte er dennoch fort, in der Ersten Republik diente er als Flughafenkommandant von Graz. 1938 wurde er in die Fliegertruppe der Wehrmacht übernommen, nach Deutschland versetzt, zunächst als Sachbearbeiter beim Wehrbezirkskommando Marktredwitz, ab 1943 als Leiter der Wehrmeldestelle in Gotha.
Als Standortältester wurde Gadolla am 1. Februar 1945, in den letzten - blutigen wie sinnlosen - Kriegstagen zum "Kampfkommandanten" von Gotha, das er gemäß Militärstrafgesetzbuch "bis zum Tode" zu verteidigen hätte. Der Ehemann und Vater einer Tochter ließ sich jedoch auch von den im März hinzugekommenen Verbänden der Waffen-SS und des "Volkssturms", die einen aussichtslosen Abwehrring um die Stadt aufbauten, nicht einschüchtern. Sein Entschluss, den Befehl einer Verteidigung ohne Rücksicht auf Verluste zu verweigern, stand in diesen Tagen bereits fest.
Am 3. April 1945 rückte die US-amerikanische 4. Panzerdivision in den Vormittagsstunden unmittelbar bis zur Stadtgrenze vor, die totalitäre NS-Direktive eines Kampfes "bis zum Tod" hätte das Leben zahlreicher Zivilisten und Flüchtlinge, die sich in Gotha aufhielten, gefährdet. Unschätzbare Kulturgüter wie das frühbarocke Schloss Friedenstein wären wohl der Zerstörung preisgegeben worden. Gadolla ließ die Wehrmachtseinheiten aus der Stadt abrücken und weiße Fahnen auf öffentlichen Gebäuden hissen. Dann versuchte er, den Amerikanern als Parlamentär für die kampflose Übergabe zu begegnen. Er wurde abgefangen, nach Weimar gebracht, von einem Standgericht zum Tode verurteilt und am Morgen des 5. April 1945 erschossen.
Quelle: Kathpress