
"One of Us": Laienrat ruft zur Teilnahme auf
Der Katholische Laienrat Österreichs (KLRÖ) ruft zur Unterzeichnung der EU-Bürgerinitiative "One of us" auf. Die Initiative, die sich für einen verbesserten Embryonenschutz in der EU-Fördermittelvergabe einsetzt, kann noch bis 10. Mai unter www.oneofus.eu unterzeichnet werden. Beschlossen wurde die Unterstützung der Bürgerinitiative bei der jüngsten Vollversammlung des Laienrates in Wien. Hauptthema des Treffens war das Zweite Vatikanische Konzil mit Beiträgen der Theologen Otto Hermann Pesch und Hans-Joachim Sander.
"One of us" wolle die "Würde des Menschen von Anfang an" schützen, hielt der Laienrat als oberstes Forum der katholischen Laienorganisationen fest. Gefordert werde, dass die EU keine Tätigkeiten mehr mit Steuermitteln finanziert, die die Zerstörung von Embryonen als Folge oder Voraussetzung haben, insbesondere die embryonale Stammzellenforschung oder jene Form der Entwicklungshilfe, die Abtreibung aktiv fördert. Unberührt lasse die Initiative die Regelungen zum Schwangerschaftsabbruch, da dafür nicht die EU, sondern die einzelnen Länder zuständig sind.
» Dossier zur Initiative "One of us"
Als "Ermutigenden Aufbruch für eine neue Kirche" deuteten im weiteren Verlauf der Vollversammlung die in Hamburg und Salzburg wirkenden Theologen Otto Hermann Pesch und Hans-Joachim Sander das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965). Das Interesse daran sei in jüngster Zeit "unheimlich gewachsen", stellte Hans-Joachim Sander fest. Indirekt sei dies Verdienst auch der Piusbrüder, die mit der Grundfrage des Konzils nach der "Wechselwirkung zwischen der Kirche und der Realität ihrer Zeit" nichts anfangen könnten.
Wie der in Salzburg lehrende Fundamentaltheologe hervorhob, sei die Kirche mit dem Konzil von den Prinzipien "Sichtbarkeit" und "Zentrum" abgerückt und habe ein "Gegenüber" erkannt, das man nicht kontrollieren, jedoch auch nicht ignorieren dürfe. Sie sei nun dazu genötigt, "vom Modus der Macht in den der Autorität, von der Konfrontation zum Dialog und von der Demonstration des Eigenen zur Entdeckung des Anderen" überzugehen.
Deutlich mache diese neue Auffassung laut Sander der Eingangstext der Pastoralkonstitution "Gaudium et Spes": Dass die Themen der Kirche demnach von den gegenwärtigen Fragen der Menschen gestellt würden, sei eine "Spitzenleistung der Selbstrelativierung der Kirche". Der Glaube habe folglich "prinzipiell mit allen Menschen zu tun", was zur Anerkennung der Menschenrechte - "insbesondere der Religionsfreiheit" - nötige.
Pesch: Konzil nicht "verschlucken"
Appelle zur Wahrung des Erbes des Konzils kamen auch von Hermann Pesch, emeritierter Professor für systematische Theologie in Hamburg. Vieles habe sich in der Kirche seither entscheidend geändert, u.a. bei der Liturgie, im interreligiösen Dialog oder bei der Religionsfreiheit, wo es gar eine "kopernikanische Wende" gegeben habe; die Vorstellung von Laien als bloß "verlängerter Arm der Hierarchie" sei zudem überwunden worden.
Dank des Konzils habe sich die Sichtweise von Kirche weg von der "societas perfecta" und des "Leibes Christi", hin zum "Volk Gottes" und der "Communio" durchgesetzt, so Pesch - "ein Zusammenleben der Gläubigen nicht im System der Über- und Unterordnung, sondern als geschwisterliches Miteinander".
Heute sei nun neue Bewegung nötig, um die Errungenschaften des Konzils weiter zu entwickeln. Pesch warnte jedoch zugleich vor einer vorschnellen Einberufung eines weiteren Konzils: Es bestehe die Gefahr eines "Zurückdrehens". Eine Mahnung sei hier das Erste Vatikanische Konzil (1869-1870), das damals "nicht in der Luft" gelegen, sondern vielmehr von "pressure groups" durchgesetzt worden sei: Eine kleine Reform sei in der Folgezeit der anderen gefolgt, der Grundduktus sei jedoch Zentralismus gewesen.
Pesch schlug vor, statt eines neuen Konzils die Weltbischofssynoden aufzuwerten, die bisher "reine Plauderstündchen" seien. Ohnehin sei ein weiteres Konzil in der Form des Zweiten Vatikanischen Konzils aufgrund der gestiegenen Zahl von Bischöfen - statt 2.700 gibt es derzeit 4.000 - "praktisch nicht durchführbar".
Quelle: Kathpress