
"Religion nicht ins private Kämmerlein verbannen"
Bestrebungen, Religion "ins private Kämmerlein" und alles Religiöse aus der Öffentlichkeit zu verbannen, hat die Präsidentin der Katholischen Aktion Österreich (KAÖ), Gerda Schaffelhofer, eine Absage erteilt. Sie hielte dies auch für "demokratiepolitisch gefährlich", sagte sie im Interview mit der aktuellen Ausgabe der Kärntner Kirchenzeitung "Sonntag" in Richtung "Volksbegehren gegen Kirchenprivilegien". Schaffelhofer wies auf die Überzeugung der KAÖ als der offiziellen katholischen Laienorganisation hin, dass sich die Kirche in vielen gesellschaftspolitischen Fragen einbringen muss, etwa der Einsatz für die Menschenwürde in der medizinischen Forschung. "Dabei geht es nicht um die Tagespolitik, sondern um gesellschaftliche Themen", so die KAÖ-Präsidentin.
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Dem Betreibern des Volksbegehrens warf Schaffelhofer "Stimmungsmache gegen Kirche und Religionen" vor. Statt echter Diskussionsbereitschaft orte sie ein bloßes "Miesmachen". Ihren Anspruch auf Gesellschaftsmitgestaltung wolle die KAÖ auch im gemeinsam mit den österreichischen Bischöfen für 2014 geplanten "Zukunftsforum" einbringen. Dieses sei als "offener synodaler Vorgang" gedacht, inhaltliche Klammer sei die Würde des Menschen in Bereichen wie Familie, Arbeitswelt, plurale Gesellschaft und globale Zusammenhänge. Unter dem Titel "Religion ist nicht Privatsache" soll der Frage nachgegangen werden, wie die Kirche ihren Auftrag in Offenheit für die plurale Welt wahrnimmt.
Im Familienbereich z.B. solle auf "alle existierenden Formen von Familie im weitesten Sinn" eingegangen werden. Es gelte zu überlegen, wie die Kirche heutigen Menschen signalisiert, "dass sie willkommen sind", sagte Schaffelhofer.
Im Blick auf Kirchenreformbestrebungen plädierte die KAÖ-Präsidentin für eine Fokussierung auf "das Machbare" und gegen eine "Alles-oder-nichts-Einstellung". Mit den Forderungen der Pfarrer-Initiative habe sie "kein Problem", "aber sie sind in Österreich nicht umsetzbar". Somit habe es keinen Sinn, die österreichischen Bischöfe ständig damit zu konfrontieren. Schaffelhofer: "Uns geht es darum, mit den Bischöfen jene Punkte der Kirchenreform zu besprechen, die man jetzt schon umsetzen könnte."
Hoffnungszeichen für Aufbrüche sieht Schaffelhofer auch vom neuen Papst Franziskus ausgehen. Im Vorfeld des Konklaves hatte die für den "Styria"-Verlag tätige Theologin und Germanistin den Sammelband "Du bist Petrus" herausgegeben, in dem unterschiedlichste Fachleute eine Situationsanalyse der Kirche und ein "Anforderungsprofil" für den neuen Papst formulierten. Franziskus nimmt Schaffelhofer als "authentische, charismatische Persönlichkeit" wahr, der keine "Überhöhung des Papsttums" wolle und von jedem "Pomp" Abstand nehme. "Viel Hoffnung auch für die Laienarbeit auch bei uns" geht für Schaffelhofer von der Haltung des Papstes gegenüber den Laien aus: Schon als Kardinal in Buenos Aires habe Franziskus ihnen gegenüber "Urvertrauen" gezeigt.
Die Amtszeit Franziskus' sei noch kurz, "doch halte ich all das, was er bisher gezeigt hat, für sehr ermutigend", zog Schaffelhofer eine positive Zwischenbilanz.
Quelle: Kathpress