
Ravasi: Der Papst und die "Kommunikations-Zauberformel"
Der neue Papst "realisiert die Zauberfomel jeder Kommunikation, nämlich dass Subjekt und Botschaft übereinstimmen müssen": Das hat der Präsident des Päpstlichen Kulturrats, Kardinal Gianfranco Ravasi, bei einem Gespräch mit österreichischen Journalisten am Montag in Rom betont. Zur Sprache kamen bei diesem Anlass auch die aktuellen Kulturimpulse aus Ravasis Referat.
Ein Taxifahrer habe vor kurzem zu ihm - Ravasi - gesagt: "Trotz Francesco bleibe ich Atheist. Aber ich glaube jetzt an den Heiligen Geist, und dass er die Wahl gelenkt hat", berichtete der für seine fehlenden Berührungsängste zu Atheisten und zur Jugendkultur bekannte italienische Purpurträger. Natürlich brauche die Kirche immer auch theologische Inhalte, so Ravasi weiter: "Benedikt XVI. ging von oben aus, von den Prinzipien. Aber Franziskus macht es umgekehrt. Er kommt von unten. Und er führt von dort hin zu eben diesen großen Prinzipien."
Viele fragten sich, wie es überhaupt möglich gewesen sei, dass das Konklave - "eine Versammlung aus konservativen und alten Kardinälen" - eine "solche unerwartete Wahl" habe treffen können. Ravasi: "Ich glaube, der Grund liegt darin, dass die meisten Kardinäle auch Leiter von Diözesen sind. Sie wissen deshalb, was für Anforderungen da sind. Jeder Papst ist eben in gewissem Sinn auch die Antwort auf bestimmte Anfragen."
Franziskus stehe auch für das Aufbrechen der Unnahbarkeit, erläuterte Ravasi weiter und nannte als Beispiel, dass der Papst persönlich mit einer Reihe von rangmäßig völlig unterschiedlichen Personen telefoniert habe. "Mich hat er zwar nicht angerufen", erklärte der Kardinal, "und er wird wahrscheinlich auch nicht mehr dazu kommen; es gibt jetzt zu viel Arbeit. Wichtig ist aber das Telefonieren an sich - als Symbol. Es steht für das Aufbrechen des großen Abstands. Denn natürlich ist ein Papst auch eine sakrale Figur. Wenn er aber zum Hörer greift, wird er Mensch. Er begibt sich auf die gleiche Ebene wie der andere Mensch, den er anruft."
Als "guten Schritt" würdigte Ravasi die Einsetzung des neuen Beratergremiums: "Diese 'Acht Weisen' sind ein guter Schritt zur Intensivierung der Kontakte zu den Regionen." Er erwarte bald auch konkrete Änderungen. "Es ist gut, dass das alles passiert, denn ich glaube, dass die Kurie reformiert gehört".
Kultur-Impulse des Vatikans
Aus seinem Kulturrat berichtete der Kardinal über die Themenbereiche "Kirche und Kunst", "Kirche und Jugendkultur", "Kirche und Wissenschaft" sowie "Kirche und Nichtgläubige". Zentrale Vatikan-Initiative bei "Kirche und Kunst" ist der geplante Pavillon bei der Biennale in Venedig, der dem Thema "Schöpfung" gewidmet ist. Namhafte Künstler werden das Thema auch anhand der Schöpfungszerstörung ("De-Kreation") und Schöpfungs-Wiederherstellung ("Re-Kreation") interpretieren.
"Kirche und Jugendkultur" war Thema eines großen Vatikan-Kongresses im Herbst. Dabei sei es auch um die Probleme der Kommunikation gegangen, so Kardinal Ravasi. Er hatte damals eine viel beachte Ansprache gehalten und darin die verstorbene britische Soulsängerin Amy Winehouse für ihre "verstörende Lyrik und Musik" gewürdigt. Bei dem Vatikan-Kongress war auch eine Rock-Gruppe aufgetreten.
Bei "Kirche und Wissenschaft" sieht der Kardinal ein großes Dialogpotenzial. Es müsse stärker geklärt werden, wo die Grenzen der Naturwissenschaft lägen, etwa bei neuen Entdeckungen in der Teilchenphysik. Und sowohl die Naturwissenschaft als auch die Schöpfungs-Theologie müssten sich stärker bemühen, "mit ihren Erkenntnissen zu den Menschen hinunterzugehen".
Für Ravasis Aktivitäten im Bereich des Dialogs mit den Nichtgläubigen steht die Initiative "Vorhof der Völker" (Cortile de Gentili). Die Veranstaltungsreihen fanden bisher u.a. in Paris, Stockholm und Tirana statt, Ende April ist Mexico City an der Reihe. Für November steht ein "Vorhof" in Berlin auf dem Programm, zu dem u.a. Bundespräsident Joachim Gauck erwartet wird. Dabei werde es erstmals auch ein Kinderprogramm "für Gläubige und Nichtgläubige" geben.