
Schönborn: Wirtschaft braucht Vertrauen und Tugend
Die Basis aller wirtschaftlichen Beziehungen sollten Vertrauen und tugendhaftes Verhalten unter den Partnern sein. Das hat Kardinal Christoph Schönborn bei der Eröffnung des Kongresses für christliche Führungskräfte am Donnerstagabend im Benediktinerstift Göttweig unterstrichen. An jüngsten Fehlentwicklungen erkenne man, dass eine "Übermaß an Gier" die Vertrauensbasis der Gesellschaft und Wirtschaft aushöhlen könne: "Die Werte unserer Gesellschaft schweben ohne Fundierung durch die Tugend in der Luft", so Schönborn. Der Kongress, der noch bis Samstag, 20. April, dauert, steht unter dem Motto "Wert(e)voll Führen"
Eine gute Wirtschaft setze zuerst anständige Menschen voraus, betonte Schönborn in seinem Vortrag. Seinem Empfinden nach sei dies der Gesellschaft in den vergangenen Jahren bewusster geworden. Zwar seien auch rechtliche Absicherungen nötig - "weil wir als schwache und zum Bösen neigende Menschen, nicht absolut zuverlässig und vertrauenswürdig sind" -, doch würden diese nur dazu dienen, das "Grundvertrauen in die handelnden Personen abzusichern", so der Kardinal.
Zentrale Bedeutung komme auch in wirtschaftlichen Belangen den Tugenden zu, die "mehr sind als gute Gewohnheiten": Sie würden "als innere Prägung unser Sein beeinflussen", müssten allerdings erst erarbeitet und gepflegt werden, da erst so "keimhaft vorhandene Grundneigungen zum Guten" den Menschen "von innen her schön machen" würden, so Schönborn. Einmal erworben, würden Tugenden "zu unserer zweiten Natur", die in dramatischen Situationen spontan das richtige tun und "das Gute aus mir wie aus einer Quelle" herauskommen ließen - "nicht über den Verstand, sondern aus dem Herzen", so der Kardinal.
Bünker: Verantwortung als Schlüssel
Das verantwortungsvolle Handeln stellte auch der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker ins Zentrum seiner Ausführungen. Verantwortung sei schließlich "ein Schlüsselbegriff christlicher Ethik" überhaupt. Ein umfassender Begriff von Verantwortung umfasse die Verantwortung für die Schöpfung ebenso wie jene für den Nächsten. Verantwortung sei daher "nichts anderes als der Ausdruck recht verstandener christlicher Freiheit".
In einer Zeit zunehmender Unübersichtlichkeit und des Vertrauensverlustes auch in der Wirtschaft könne der christliche Glaube neue Orientierung bieten, zeigte sich Bünker überzeugt. Aus diesem Grund suchten die christlichen Kirchen auch das Gespräch mit der Wirtschaft, "wobei die katholische Soziallehre hier vorausgegangen ist", wie Bünker einräumte. In diesem Zusammenhang verwies Bünker auch auf das "Ökumenische Sozialwort" der christlichen Kirchen in Österreich, dass auch heute noch als Orientierungshilfe und Kompass dienen könne.
Unter den Vortragenden des noch bis Samstag in Stift Göttweig stattfindenden Kongresses befinden sich neben namhaften Ökonomen u.a. der Jesuitenpater Alois Riedlsperger, der Kärntner Diözesanbischof Alois Schwarz sowie Prälat Maximilian Fürnsinn.