
Familie: "Europa steht vor einem Umdenken"
Österreich und mit ihm die gesamte Europäische Union steht beim Thema Familie vor einem Umdenkprozess - hin zu einer neuen Wertschätzung der Leistungen, die Familien für die Gesellschaft im Ganzen erbringen. Davon zeigte sich der St. Pöltner Diözesanbischof Klaus Küng bei einem Gottesdienst zum Auftakt des 60-Jahr-Jubiläums des Katholischen Familienverbandes Österreichs (KFÖ) am Samstag in Wien überzeugt. Der KFÖ sei gemeinsam mit anderen Familieninitiativen aufgefordert, sich dafür einzusetzen, dass europaweit "Arbeit in der und für die Familie geschätzt, geschützt und honoriert wird und nicht nur wirtschaftliches Denken vorherrscht", so Küng.
Der KFÖ sei aus der Überzeugung gegründet worden, "dass die Familie für Gesellschaft und Kirche grundlegend ist und für jeden Einzelnen von größter Bedeutung", so Küng. Viel Positives zu Gunsten und zum Schutz der Familien sei in diesen 60 Jahren entstanden, "vor allem wurde um gerechte Rahmenbedingungen für die Familie gekämpft", unterstrich der St. Pöltner Bischof. Es verdiene aber auch heute "wirklich Anerkennung, wie sehr der Katholische Familienverband angesichts der unterschiedlichsten Fragestellungen und Herausforderungen versucht, die Verantwortung wahrzunehmen, auch wenn das oft Mut abverlangt".
Mut brauche man nicht zuletzt aufgrund des sich stark verändernden gesellschaftlichen Umfeldes, so Küng unter Verweis etwa auf in den vergangenen 50 Jahren stark gestiegenen Scheidungsquoten und gleichermaßen gesunkenen Kinderzahlen. Angesichts des rapiden gesellschaftlichen Wandels sei es notwendig, in manchen Belangen wie etwa den Themen Lebensschutz aber auch bei der Frage der Homo-Ehe "mutiger aufzutreten", so Küng unter Verweis etwa auf die aktuellen Proteste in Frankreich. "Klar ist, dass die Familie unter Druck steht und vielfach bedrängt ist. Gleichzeitig besteht aber kein Zweifel, dass sie gerade in den heutigen Lebensverhältnissen wichtiger denn je ist: für die Kinder und auch für die Erwachsenen, für die Gesellschaft und auch für die Kirche." Schließlich sei die Familie weiterhin der bevorzugte Ort und die "sicherste Zuflucht" auch für kranke, alte oder behinderte Menschen.
Huainigg: Familie bleibt anzustrebendes Ideal
Beim an den Gottesdienst anschließenden Festakt unterstrich der Nationalratsabgeordnete Franz-Joseph Huainigg (VP) in seiner Festrede die bleibende Bedeutung der Familie für die Gesellschaft und sagte: "Die traditionelle Familie ist keineswegs out und sollte bei all der Vielfalt an Beziehungsformen weiterhin als Ideal angestrebt werden." In einer Gesellschaft, in der die Lebenserwartung immer weiter steige, werde generationenübergreifende Verantwortung stets wichtiger. Daher müsse die Gesellschaft "familienfreundlichere Rahmenbedingungen schaffen - in der Arbeitswelt, in der Kinderbetreuung und in der Vereinbarkeit von Familie und Pflege."
Einer Änderung gesellschaftlicher Werthaltungen bräuchte es auch im Umgang mit Menschen mit Behinderung, der ÖVP-Behindertensprecher. "Behinderte Menschen sind ein wichtiges Korrektiv in einer Gesellschaft, in der alles und jeder scheinbar reibungslos zu funktionieren hat", gab Huainigg zu bedenken und fordert die Verantwortungsträger in Staat und Gesellschaft auf, sich zum Wert des Lebens in all seinen Formen zu bekennen. Es gelte Menschen mit Behinderung in allen Bereichen des Lebens bedingungslos einzubinden. Eine blinde Richterin müsse genauso selbstverständlich werden wie ein Firmenchef im Rollstuhl oder eine gehörlose Bundespräsidentin. Und werdende Eltern sollten sich nicht mehr vor der Geburt eines behinderten Kindes fürchten bzw. es rechtfertigen müssen.
Festakt mit zahlreichen Gästen
Eröffnet wurde der Festakt zum 60-Jahr-Jubiläum des Katholische Familienverband im Wiener Raiffeisen-Forum von seinem Präsidenten Alfred Trendl. An der morgendlichen Festmesse hatte auch Vizekanzler Michael Spindelegger teilgenommen, die von Familienbischof Küng mit den Gläubigen gefeiert wurde. Unter den Konzelebranten waren u.a. der Wiener Weihbischof Franz Scharl und der Generalsekretär der Bischofskonferenz, Peter Schipka, die auch am Festakt teilnahmen. Familienminister Reinhold Mitterlehner musste kurzfristig absagen und ließ sich durch Sektionschefin Ingrid Nemec vertreten.
Im Rahmen der Feierlichkeiten wurde außerdem die Festschrift "Lesebuch der Zukunft. Familie 2030" präsentiert. Der Band versammelt Beiträge von 57 Autoren - darunter "Familienbischof" Klaus Küng, Caritas-Präsident Franz Küberl, ÖVP-Behindertensprecher Franz-Joseph Huainigg, der Familientherapeut Jeser Juul und der Salzburger Sozialethiker Prof. Clemens Sedmak. Ziel des Bandes ist es, einen Blick in die Zukunft der Familienentwicklung und der Familienpolitik zu wagen.
Im Vorfeld des Festaktes hatte KFÖ-Präsident Trendl bei einer Pressekonferenz am Donnerstag bereits die langjährige Forderung des KFÖ nach einer Valorisierung der Familienleistungen unterstrichen. Der Familieverband werde nicht müde, diese "Ungerechtigkeit" anzuprangern und darauf zu drängen, dass Familienarbeit endlich in gebührendem Maße von der Politik und Gesellschaft gewürdigt werde, so Trendl. Unterstützt wurde Trendl dabei vom Leiter des Österreichischen Instituts für Familienforschung (ÖIF) und Sozialrechtsexperten Wolfgang Mazal.
Weitere Infos: www.familie.at
Quelle: Kathpress