
Erzabt Birnbacher: Mönchtum am Puls der Zeit
Den Spagat zwischen zeitlosen Grundsätzen und einem Mönchtum am Puls der Zeit möchte der neue Salzburger Erzabt Koribian Birnbacher wagen: "Wir sind seit Jahren auf der Suche nach einem Konsens, wie wir unser Mönchtum mit festen Grundsätzen und dennoch zeitnah leben können", sagte Birnbacher im Interview mit der Salzburger Kirchenzeitung "Rupertusblatt". Der neue Leiter des ältesten bestehenden Männerklosters im deutschen Sprachraum war in der Vorwoche von Erzbischof Alois Kothgasser zum Abt geweiht worden.
Der Zeitgeist bringe heute "immer mehr Individualisten" hervor - ein Trend, der auch vor den Klostermauern nicht Halt mache: Mitbrüder hätten viele Nebenbeschäftigungen und engagierten sich privat, "so dass wir manchmal eine Überraschung erleben und denken, 'hoppala, warum sind heute beim Chorgebet so wenig Mönche'", so Birnbacher. Er wolle daher die "Verbindlichkeit" und das Leben als Gemeinschaft stärken - ganz nach dem Vorbild des heiligen Benedikts. Gelingen solle dies durch Motivation statt Sanktion: "Mönche sollen ihr Werk gern und vor allem freiwillig tun."
Auf seine anstehenden Aufgaben blicke er mit "Freiheit und Gelassenheit", so Birnbacher. Einem Salzburger Erzabt werde "viel umgehängt", als größte Herausforderung seines Amtes sehe er jedoch die geistliche Aufgaben: "Es gilt den richtigen Ton zu finden und die Bedürfnisse aller Mitbrüder und -schwestern in der Welt zu erkennen. Ich darf ja Hirte für alle sein", so der Abt.
Glaube, Begegnung und Kultur
St. Peter ist in den Augen Birnbachers ein "Hort des Glaubens", aber zugleich auch ein Ort der Begegnung und der Kultur, an dem Menschen den Austausch zu Lebensfragen suchten: Von hier aus hätten Mönche einst die Alphabetisierung, Vermessung und Entdeckung der Region vorangebracht, zudem verwies der Erzabt auf die Bibliothek sowie die Kunst- und Mineraliensammlung. Für Kunst hege er selbst besondere Zuneigung, so der Erzabt: Meist verpacke sie "ganze Konzepte" und "Ergebnisse langer Reflexionen", womit sie oft an biblische Meditation grenze oder Basis guter Gespräche sei.
Er selbst stamme aus einer christlichen, "nicht überfrommen" Familie und sei als Bub bei einem Besuch des Traunsteiner Studienseminars von einer Klosterschwester mit Kuchen verwöhnt worden. "Das muss einen derartigen Eindruck hinterlassen haben, dass ich mir eingebildet hab, 'da muss ich hin'", so der 46-jährige Birnbacher im Rückblick. Als Schüler sei er schließlich bei einem Besuch der Landesausstellung in St. Peter auf die Regel des heiligen Benedikts gestoßen - "ich fühlte mich klar zu diesem Ort und zu dieser Spiritualität berufen". Besonders berührt habe ihn der liebevolle Umgang der Mönche mit hochbetagten Mitbrüdern. Den Impuls für seine Priesterberufung habe er jedoch von seinem Heimatpfarrer erfahren.