
China: Bischof Jin Luxian von Shanghai gestorben
Bischof Aloysius Jin Luxian, offizieller Bischof von Shanghai, ist am Samstag im Alter von 97 Jahren gestorben. Das teilte der katholische Informationsdienst "asianews" in Rom mit. Er sei seit geraumer Zeit krank gewesen und habe sich in den letzten Monaten im Krankenhaus aufgehalten, wo er keine Besucher empfangen durfte. Ein Datum für die Beisetzung sei noch nicht festgelegt worden, so der Pressedienst.
Jin Luxian gehörte zu den profiliertesten und zugleich umstrittenen katholischen Kirchen-Vertretern in der Volksrepublik China. Er galt als Repräsentant der regimenahen Patriotischen Vereinigung chinesischer Katholiken, war 33 Jahre lang im Gefängnis, und söhnte sich 2005 mit dem Papst und dem Heiligen Stuhl aus. Er gehörte zu der Gruppe von vier chinesischen Bischöfen, die im gleichen Jahr vom Vatikan zur Weltbischofssynode eingeladen worden waren, von den Behörden jedoch keine Ausreisegenehmigung erhielten. Damals hatte das vatikanische Synodensekretariat drei Oberhirten der "Patriotischen Vereinigung" sowie einen Untergrundbischof zur Synode eingeladen.
Jin habe in entscheidender Weise zur Entwicklung der katholischen Kirche in China beigetragen, schreibt "asianews". Der Vatikan habe ihn zuletzt als "Weihbischof" von Shanghai betrachtet, auch wenn sein Name nicht im Annuario Ponteficio, dem Personalschematismus der Weltkirche, erscheint.
Jin wurde am 20. Juni 1916 in Shanghai als Sohn einer seit Generationen katholischen Familie geboren. Er verlor früh seine Eltern und kam auf eine von Jesuiten geleitete Schule. 1938 trat er im Alter von 22 Jahren dem Jesuitenorden bei. Nach weiteren Ausbildungsjahren in Frankreich sowie in Rom kehrte er 1951 bald nach der Machtergreifung von Mao Zedong nach Shanghai zurück.
1955 wurde Jin zusammen mit Hunderten anderen Priestern verhaftet und fünf Jahre lang in Isolationshaft gehalten. In den 1960er Jahren verurteilte ihn die Justiz zu 18 Jahren Gefängnis. 1972 ließen die Behörden ihn aber unter Auflagen frei. In dieser Zeit arbeitete er dank seiner Sprachkenntnisse als Übersetzer; 1982 kam er unter dem Modernisierer Deng Xiaoping ganz auf freien Fuß.
Im Zuge der damaligen Öffnung gegenüber den Religionen wurde Jin beauftragt, am Marienheiligtum Sheshan ein Seminar zu eröffnen, 1985 wurde er Weihbischof - ohne vatikanische Genehmigung. Geweiht wurde er vom patriotischen Bischof Aloysius Zhang Jiashu - ebenfalls Jesuit - auf Druck der staatlichen Behörden. 1988 wurde Jin dann Bischof von Shanghai. Er renovierte die Kathedrale, baute das Seminar- und Bildungswesen aus und unterhielt Kontakte zum Ausland. Dabei verpflichtete er auch auswärtige Professoren für sein Seminar. Unter ihnen war, so asianews, auch Joseph Zen, der spätere Kardinal von Hong Kong, sowie Erzbischof Savio Hon, derzeit Sekretär der vatikanischen Missionskongregation.
Bereits seit einiger Zeit berieten die staatlichen Behörden über eine Zeremonie für den Fall des Todes von Jin, besonders über die Frage, wer sie leiten sollte, so "asianews". Nach Ansicht des Vatikan sollte der im vergangenen Juli geweihte Bischof Taddeo Ma Daqin die Totenmesse halten. Nachdem dieser sich aber zum Austritt aus der Patriotischen Vereinigung entschloss, stehe er unter Hausarrest, isoliert im Seminar von Sheshan. Gerüchten zufolge soll er in den vergangenen Tagen an einen weitentfernten Ort verbracht worden sein - offenbar um seine Teilnahme an der Totenfeier für Jin unmöglich zu machen.