
Tag der Arbeitslosen: Kirchenvertreter richten Blick auf Jugend
Die Erfahrung, am Arbeitsmarkt nicht gebraucht zu werden, kann gerade für Jugendliche zum Knick der weiteren Karrierelaufbahn werden: Das betonte die Referentin der Katholischen Jugend (KJ) Wien, Marie-Luise Kapeller, bei einem Pressegespräch mit Vertretern aus Kirche und Wirtschaft zum Thema "Versteckte Jugendarbeitslosigkeit statt Solidarität und Empathie", zu dem die "Plattform Kirche und Arbeitswelt" am Dienstag geladen hat. Davor verteilte die KJ Wien am Karlsplatz "Arbeitsplätzchen" und Solidaritätsanstecker, um auf die Situation Arbeitsloser aufmerksam zu machen.
Österreich habe mit 8,9 Prozent die hinter Deutschland zweitniedrigste Jugendarbeitslosigkeit in den 27 EU-Ländern, so Gerhard Winter von der Wirtschaftskammer Niederösterreich (WKNÖ). Dabei gelte, je höher die Qualifikation der Jugendlichen, desto besser die Chancen, Fuß am Arbeitsmarkt zu fassen. Ähnlich Kapeller: In den meisten Fällen würde die Arbeitssuche nicht an mangelndem Engagement scheitern, sondern an schlechten Startbedingungen.
Deshalb brauche es Maßnahmen, um die Lehrstellensuche zu erleichtern und den Abbruch einer Lehrstelle zu vermeiden. "Wir wollen, dass die Jugendlichen erst gar nicht in die Situation kommen, keine Lehrstelle zu finden oder eine Lehre abbrechen zu müssen", so Winter. Seit 2002 stellt die WKNÖ deshalb eine eigene Internetplattform rund um das Thema Lehre ins Netz. Auf www.frag-jimmy.at können Jugendliche mittels eines Tests herausfinden, welcher Beruf am besten zu ihnen passt oder sich Tipps zum Schreiben von Bewerbungen holen. Im Rahmen des Projekts "jimmy on tour" werden junge Erwachsene einmal pro Jahr in Niederösterreichs Berufsschulen eingeladen.
Für Walter Rijs, Präsident der Katholischen Aktion (KA) der Erzdiözese Wien, gründet sich das kirchliche Engagement in diesem Bereich vor allem auf das ökumenische Sozialwort. "Ebenso wichtig ist eine gute Lehrlingsausbildung und Weiterbildungsprozess in Betrieben und Gemeinden, die ihren je eigene Beitrag zu einer ganzheitlichen Bildungen leisten", zitierte er daraus. Aufgabe der Kirche sei es, ein positives Klima in der Gesellschaft zu schaffen. "Wir müssen versuchen zu vermitteln, dass ein Lehrberuf nichts Minderwertiges ist," zeigt er sich überzeugt.
Die Katholische Arbeitnehmer/innen Bewegung Wien (KAB Wien)bietet seit kurzem ein "Mentorenprojekt" an, das sich vor allem an Jugendliche mit schwierigem sozialem Hintergrund richtet. Berater begleiten die Jugendlichen drei Monaten lang, versuchen neue Perspektiven zu geben und leisten konkrete Hilfestellungen, so Philipp Kuhlmann, Vorsitzender der KAB Wien.
Prälat Karl Rühringer, der ebenfalls mit am Podium saß, wies in seinem Statement einmal mehr darauf hin, wie wichtig das Finden der passenden Lehrstelle für Jugendliche ist. "Ob ein Schulabgänger Arbeit findet oder nicht, beeinflusst das Selbstbewusstsein, die Familie, aber auch den sozialen Umgang dieser Jugendlichen massiv", so Rühringer.