
Kein Comeback: Benedikt XVI. kehrt in den Vatikan zurück
Nur der Hubschrauber ist der gleiche. Sonst ist alles anders: Am Donnerstagnachmittag kehrt Benedikt XVI. nach neun Wochen aus Castel Gandolfo in den Vatikan zurück, nicht mehr als Oberhaupt von 1,2 Milliarden Katholiken, sondern als emeritierter Papst. Er kommt nicht, um seine Amtsgeschäfte nach einem Erholungsaufenthalt wiederaufzunehmen, sondern um sich dem stillen Gebet zu widmen. Und: Er begibt sich auch nicht mehr in das päpstliche Appartement. Benedikt XVI. bezieht seinen Alterssitz, das ehemalige Kloster "Mater Ecclesiae", zu deutsch "Mutter der Kirche". Fortan wohnen erstmals zwei "Heilige Väter" im Vatikan und keiner von beiden dort, wo die so Angesprochenen bislang wohnten: im Apostolischen Palast. Franziskus residiert vorerst weiterhin im Gästehaus hinter dem Petersdom.
Der zurückgetretene Papst lebt künftig in der wohl schönsten Grünanlage Roms, den vatikanischen Gärten, fast im Zentrum des Vatikanstaates. Direkt vor seiner Haustüre steht eine botanische Rarität, die gut zu seinem Nachfolger passt: Ein Korallenbaum mit hellroten Blüten. Beheimatet ist er in Argentinien und anderen südamerikanischen Ländern. Der Alterssitz Benedikts XVI. diente einst als Gärtnerhaus. Auf Wunsch von Johannes Paul II. wurde das mehrstöckige Anwesen zu einem Kloster umgebaut. Von 1994 bis zum Herbst 2012 lebten hier jeweils für einige Jahre Klarissen, Unbeschuhte Karmelitinnen, Benediktinerinnen und Salesianerinnen, um für die Kirche zu beten. Das Anwesen selbst hat allerdings nichts von einem ehrwürdigen Kloster und noch weniger von einem idyllischen Gärtnerhaus. Dafür umso mehr von einem etwas klobigen modernen Zweckbau. Die Zufahrt ist durch ein großes Stahltor gesichert.
Benedikt XVI. zieht nicht alleine in das rund 450 Quadratmeter große Anwesen. In den Alterssitz begleiten ihn seine bisherigen vier Haushälterinnen von der geistlichen Gemeinschaft "Memores Domini" sowie sein Privatsekretär Erzbischof Georg Gänswein. Dieser dürfte jedoch bald seine Dienstwohnung als Präfekt des Päpstlichen Hauses beziehen. Das neue Domizil Benedikt XVI. sei zwar klein, aber gut vorbereitet, sagte Vatikansprecher Federico Lombardi am Mittwoch. Es gebe ein Arbeitszimmer und eine kleine Bibliothek. Ob auch Franziskus seinen Vorgänger gelegentlich aufsuchen oder mit ihm durch die Gärten spazieren wird, ist bislang noch unklar. Auf jeden Fall steht für seinen Bruder Georg Ratzinger ein eigenes Gästezimmer zur Verfügung.
Die Gerüchteküche, so scheint es, hat Benedikt XVI. vorerst in Castel Gandolfo zurückgelassen. Spekulationen über eine schwere Erkrankung des emeritierten Papstes dürften jedenfalls vorübergehend weniger Glauben finden. Sie wurden zuletzt aus berufenem Munde zurückgewiesen. Benedikt XVI. sei "ein alter Mann, der aufgrund seines Alters geschwächt ist, aber er hat keine Krankheit", ließ der Vatikan durch seinen Sprecher mitteilen. Auch Bruder Georg Ratzinger hatte zuvor im Gespräch mit der britischen Zeitung "Daily Telegraph" eine schwere Erkrankung des emeritierten Papstes verneint. Vor fünf Wochen wirkte Benedikt XVI. auf Bildern des vatikanischen Fernsehens von seiner Begegnung mit Papst Franziskus geschwächt und gealtert. Augenzeugen berichten hingegen, dass sich Benedikt XVI. seit seinem Rücktritt erholt habe und es ihm gegenwärtig bessergehe als noch vor einigen Wochen.
Historisch gesehen ist die Unterbringung des zurückgetretenen Papstes allemal komfortabel. Cölestin V. (1294), einer der Handvoll anderer Päpste, die vor Benedikt XVI. aus freien Stücken zurücktraten, wurde von seinem Nachfolger Bonifaz VIII. in einer Burg nahe Roms gefangen gehalten, zwar nicht im düsteren Kerker, aber immerhin in lockerer Haft.
Es ist kein großes Comeback Benedikts XVI. auf der kirchenpolitischen Bühne, sondern eine stille Rückkehr. Es heißt, Papst Franziskus werde seinen Vorgänger persönlich willkommen heißen. Eine große Begrüßungszeremonie gibt es am Donnerstag allerdings nicht. Ob Bilder veröffentlicht werden, ist ungewiss. Und auch in Zukunft dürfte man nicht mehr allzu viel von Benedikt XVI. sehen und hören. Er wird weitgehend unsichtbar bleiben. So ist es sein Wille.