
Papst Franziskus begrüßte Benedikt vor seinem Alterwohnsitz
Der emeritierte Papst Benedikt XVI. ist am Donnerstag um 16.50 Uhr im Vatikan angekommen. Bei der Landung des Hubschraubers auf dem Heliport am Rande des Vatikan war eine Delegation von Kardinälen und Bischöfen anwesend, angeführt von Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone und Kardinaldekan Angelo Sodano. Papst Franziskus empfing seinen Vorgänger in der zweiten bisherigen Begegnung der beiden vor dem ehemaligen Kloster Mater Ecclesiae und begrüßte ihn mit einer Umarmung.
Unmittelbar darauf zogen sich die beiden Päpste in die Klosterkapelle zu einem kurzen gemeinsamen Gebet zurück, berichten vatikanische Quellen. Benedikt XVI. hatte schon bei seinem Rücktritt angekündigt, sich künftig ganz dem Gebet zu widmen. Wie es jetzt hieß, sei er froh, wieder in den Vatikan zurückgekehrt zu sein. Erstmals in der Geschichte ist der Vatikan somit die Adresse zugleich eines aktiven und eines zurückgetretenen Papstes. Was die beiden trennt, ist einzig ein kurzer Spaziergang.
Italienischen Medien zufolge hatte Franziskus den emeritierten Papst, der in Begleitung seines Privatsekretärs Georg Gänswein das Kloster erreichte, mit einer Umarmung begrüßt, ähnlich wie bereits zuvor bei der ersten Begegnung in Castel Gandolfo. Um die Ankunft des Helikopters zu erwarten, hatten sich bereits zuvor viele Gläubige und Schaulustige auf dem Petersplatz versammelt.
Benedikt XVI. hatte vor neun Wochen - am 28. Februar - mit dem gleichen Präsidentenhubschrauber der italienischen Flugbereitschaft den Vatikan verlassen. Nach seinem zwischenzeitlichen Aufenthalt in Castel Gandolfo bezog er nach den Begrüßungen seinen künftigen Alterssitz, das umgebaute Kloster. Das früher von Nonnen bewohnte Gebäude in den vatikanischen Gärten war in den vergangenen zwei Monaten für Benedikt XVI. adaptiert worden.
In das ehemalige Kloster in den vatikanischen Gärten ziehen zusammen mit Benedikt XVI. auch seine bisherigen vier Haushälterinnen von der geistlichen Gemeinschaft "Memores Domini" sowie sein Privatsekretär Erzbischof Georg Gänswein ein. Dieser dürfte jedoch bald seine Dienstwohnung als Präfekt des Päpstlichen Hauses beziehen. Der Alterssitz ist 450 Quadratmeter groß und verfügt über eine Kapelle und eine Bibliothek. Benedikt XVI. bezieht den ersten Stock des Gebäudes.
Das ehemalige vatikanische Gärtnerhaus war 1992 auf Wunsch von Johannes Paul II. (1978-2005) zu einem Kloster umgebaut worden. Von 1994 bis Herbst 2012 lebten in dem Anwesen für jeweils mehrere Jahre Nonnen aus verschiedenen Orden.
Vatikansprecher Federico Lombardi hatte am Mittwoch erneut Gerüchte über eine schwere Krankheit von Benedikt XVI. dementiert. "Er ist ein alter Mann, der aufgrund seines Alters geschwächt ist, aber er hat keine Krankheit", sagte der Vatikansprecher. Auch der Bruder des emeritierten Papstes, Georg Ratzinger (89), hatte vor einer Woche im Gespräch mit der britischen Zeitung "Daily Telegraph" eine Krankheit Benedikts verneint. Zuletzt wirkte Benedikt XVI. sichtlich geschwächt und rasch gealtert. Die Bilder des Vatikan-Fernsehens von seiner Begegnung mit Papst Franziskus vor fünf Wochen nährten Spekulationen über eine ernsthafte Erkrankung.