
Papst Franziskus empfängt Benedikt XVI. im Vatikan
Benedikt XVI. wird am Donnerstagnachmittag von Papst Franziskus im Vatikan empfangen. Wie der Vatikan mitteilte, wird Franziskus seinen Vorgänger gegen 17 Uhr am Kloster "Mater Ecclesiae" begrüßen, der künftigen Wohnstätte des emeritierten Papstes. Benedikt XVI. hatte sich seit seinem Rücktritt am 28. Februar übergangsweise in der päpstlichen Sommerresidenz in Castel Gandolfo aufgehalten. Der emeritierte Papst begibt sich mit dem Hubschrauber in den Vatikan.
Auf dem Landeplatz wird Benedikt XVI. von Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone und Kardinaldekan Angelo Sodano empfangen. Anschließend fährt er im Auto zu dem ehemaligen Klostergebäude in den vatikanischen Gärten. In den vergangenen zwei Monaten war es zu seinem Alterssitz umgebaut worden.
In seinen Alterssitz begleiten Benedikt XVI. seine bisherigen vier Haushälterinnen von der geistlichen Gemeinschaft "Memores Domini" sowie Benedikts XVI. Privatsekretär Erzbischof Georg Gänswein. Dieser dürfte jedoch bald seine Dienstwohnung als Präfekt des Päpstlichen Hauses beziehen. Benedikt XVI. hatte angekündigt, er wolle fortan ein zurückgezogenes Leben im stillen Gebet führen.
Das ehemalige vatikanische Gärtnerhaus war 1992 auf Wunsch von Johannes Paul II. (1978-2005) zu einem Kloster umgebaut worden. Von 1994 bis Herbst 2012 lebten in dem Anwesen für jeweils mehrere Jahre Nonnen aus verschiedenen Orden.
Der Alterssitz Benedikts XVI. sei zwar klein, aber gut vorbereitet, sagte Vatikansprecher Federico Lombardi am Mittwoch. Es gebe ein Arbeitszimmer und eine kleine Bibliothek.
Ob Franziskus seinen Vorgänger gelegentlich aufsuchen oder mit ihm durch die Gärten spazieren wird, ist noch unklar. Auf jeden Fall steht für Benedikts Bruder Georg Ratzinger (89) ein eigenes Gästezimmer zur Verfügung.
Lombardi dementierte zudem Gerüchte über eine schwere Krankheit von Benedikt XVI. "Er ist ein alter Mann, der aufgrund seines Alters geschwächt ist, aber er hat keine Krankheit", sagte der Vatikansprecher.
Auch Georg Ratzinger hatte vor einer Woche im Gespräch mit der britischen Zeitung "Daily Telegraph" eine Krankheit Benedikts verneint. Zuletzt wirkte Benedikt XVI. sichtlich geschwächt und rasch gealtert. Die Bilder des Vatikan-Fernsehens von seiner Begegnung mit Papst Franziskus vor fünf Wochen nährten Spekulationen über eine ernsthafte Erkrankung.
Historisch gesehen ist die Unterbringung des zurückgetretenen Papstes komfortabel. Cölestin V. (1294), der einzige Papst, der vor Benedikt XVI. aus freien Stücken zurücktrat, ohne dass ein Konzil oder ein Schisma ihn dazu veranlassten, wurde von seinem Nachfolger Bonifaz VIII. in einer Burg nahe Roms gefangen gehalten - zwar nicht im düsteren Kerker, aber immerhin in lockerer Haft.
Erstmals werden somit ab Donnerstagabend zwei "Heilige Väter" im Vatikan wohnen, und keiner von beiden dort, wo die so Angesprochenen bislang wohnten: im Apostolischen Palast: Denn Franziskus residiert vorerst weiter im Gästehaus Santa Marta hinter dem Petersdom.