
Orthodoxes Osterfest in Jerusalem
Mit den Gründonnerstagsfeiern haben am Donnerstag in Jerusalem die drei österlichen Tage begonnen, mit der orthodoxe Christen der Passion und Auferstehung Jesu gedenken. Aufgrund der verschiedenen Kalenderrechnungen feiern die Ostkirchen in diesem Jahr das Osterfest erst am 5. Mai. In den zahlreichen Kirchen Jerusalems werden bis zum Abend Fußwaschungs-Gottesdienste nach den unterschiedlichsten Riten gefeiert.
Bereits in den frühen Morgenstunden versammelten sich Hunderte Gläubige bei sommerlichen Temperaturen auf dem Platz vor der Grabeskirche, wo der orthodoxe Patriarch von Jerusalem, Theophilos III., nach alter Tradition die Liturgie der Fußwaschung feierte. Die Zugänge zur Grabeskirche waren durch israelische Sicherheitskräfte weiträumig abgeriegelt worden.
Als Höhepunkt der orthodoxen Osterfeiern gilt die über 1.200 Jahre alte Liturgie des "Heiligen Feuers" am Samstagmittag. Dabei entzündet sich nach orthodoxem Volksglauben auf wundersame Weise eine Flamme an der als Grab Christi verehrten Kapelle. Das Feuer wird anschließend an die Gläubigen in der überfüllten Kirche und in den Altstadtgassen weitergereicht. Die Polizei rechnet mit einem Andrang von mehr als 20.000 Pilgern für die Feuer-Zeremonie, wie Polizeisprecher Micky Rosenfeld auf Anfrage der deutschen katholischen Nachrichtenagentur KNA mitteilte. Mehr als 2.000 Sicherheitsbeamte sollen demnach den Besucherstrom regeln.
In den letzten Jahren hatte die Polizei aus Sicherheitsgründen jeweils den Zugang zur Jerusalemer Grabeskirche auf 10.000 Menschen beschränkt. Wiederholt hatten Vertreter einheimischer Christen gegen die Einschränkungen protestiert. Polizeisprecher Rosenfeld betonte gegenüber der KNA die gute Zusammenarbeit mit den orthodoxen Kirchen und wies Vorwürfe zurück, einheimische Christen würden von den Osterfeierlichkeiten ausgeschlossen.
Zwar nicht in Jerusalem, Bethlehem und Tel Aviv, jedoch in allen anderen katholischen Gemeinden, die dem Lateinischen Patriarchat unterstehen, feiern in diesem Jahr auch die Katholiken im Heiligen Land nach dem orthodoxen Kalender - also am 5. Mai - Ostern. Sie folgen damit einer vorläufigen Erlaubnis der Ostkirchenkongregation, die "aus pastoralen Gründen" erteilt wurde. Hintergrund ist die große Zahl der gemischtkonfessionellen Ehen.