
Mauthausen: Kirchen gedenken der NS-Opfer
Mit einem ökumenischen Gottesdienst sind am Sonntagmorgen die Feiern zum Internationalen Befreiungstag im ehemaligen Konzentrationslager Mauthausen eröffnet worden. Dem Gottesdienst in der Kapelle im Konzentrationslager standen der Linzer Bischof Ludwig Schwarz, der evangelische Bischof Michael Bünker und - als Vertreter der orthodoxen Kirchen - Bischofsvikar Ioannis Nikolitsis von der griechisch-orthodoxen Metropolis von Austria vor.
Bischof Bünker verwies in seiner Ansprache an die Holocaustgedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem und jene Bäume, die dort für die "Gerechten unter den Völkern" gepflanzt wurden; "zum Gedenken an diejenigen, die Jüdinnen und Juden geholfen haben, der Verfolgung, der Erniedrigung und letztlich dem Tod zu entkommen". Viele Namen seien dort zu lesen, "aus allen Ländern Europas und darüber hinaus, bis Vietnam und China, auch 90 Österreicherinnen und Österreicher sind darunter - und doch viel zu wenige". Umso wichtiger sei es, "derer zu gedenken, die sich für die Verfolgten eingesetzt haben, ihnen zur Flucht verhalfen oder sie versteckten, fast immer auch unter Lebensgefahr".
Mitgefühl und Hilfsbereitschaft sowie der Mut, der diese Menschen zu Rettern machten, hätten nicht in Sekunden entstehen können, so Bünker: "Letztlich sind es Werte, die schon sehr früh, in der Erziehung, im Vorbild der Eltern entstanden sind." Das könne aber nicht die einzige Erklärung sein. "Es gab ja auch solche, die keine fürsorglichen Eltern hatten, ja sogar solche, deren Eltern selbst Nationalsozialisten und Antisemiten gewesen waren", sagte der Bischof: "Viele der Retter waren starke Persönlichkeiten, die zu ihrer eigenen Meinung und Überzeugung standen, auch gegen den Trend der Mehrheit und des herrschenden Zeitgeistes."
Viele hätten sich schon zuvor für Arme und Hilfsbedürftige eingesetzt. Aber dann habe es auch solche wie Oscar Schindler gegeben, "die moralisch gewiss kein Vorbild gewesen sind". Bünker: "Letztlich bleibt es ohne Antwort, aber wir können dankbar sein, dass auch uns heute diese Menschen geschenkt sind, als Vorbilder der Menschlichkeit, nicht selten auch als Vorbilder im Glauben."
Der "Internationale Befreiungstag" stand unter dem Themenschwerpunkt "Retterinnen und Retter". Damit sollte besonders auf jene Menschen hingewiesen werden, die der Diktatur der Nationalsozialisten Widerstand leisteten.
Mehr als 10.000 Teilnehmer
Mehr als 10.000 Teilnehmer aus ganz Europa nahmen an der diesjährigen Gedenkfeier teil. Das teilte das Mauthausen Komitee Österreich am Sonntag mit. Zu den Ehrengästen zählten neben Botschaftern aus etwa 50 Ländern Nationalratspräsidentin Barbara Prammer und die Bundesminister Gerald Klug und Alois Stöger.
Im Mittelpunkt des Gedenkens standen heuer jene Frauen und Männer, die der Diktatur der Nationalsozialisten Widerstand leisteten, indem sie jenen, die verfolgt wurden, halfen oder zu helfen versuchten. Viele von ihnen bezahlten ihre Hilfe für die Verfolgten mit dem Leben.
"Wir gedenken ihrer wahrscheinlich am besten, indem wir heute alle Menschen aufrufen, ebenfalls Zivilcourage zu zeigen", appellierte Willi Mernyi, der Vorsitzende des Mauthausen Komitees Österreich, vor allem an die jungen Menschen.
Während die Opfer und die Täter des NS-Regimes mittlerweile gut erforscht sind, kenne man nur einen kleinen Teil derer, die jenen zu helfen versuchten, die von den Nazis verfolgt wurden, hielt das Mauthausen Komitee in einer Aussendung fest. Von denen, die überlebten, hätte nur ein Teil nach dem Ende des Krieges über das sprechen können oder wollen, was sie getan hatten, "dass sie Jüdinnen und Juden zur Flucht verholfen hatten, KZ-Häftlingen zu essen gegeben und sie gar versteckt hatten, Verfolgte geheiratet hatten, um sie so vor der Vernichtung zu retten". Das gesellschaftliche Klima der Nachkriegsjahre sei in vielen Ländern nicht sehr viel anders als während das Jahrzehnte davor gewesen: "Antisemitismus, Homophobie und Ausgrenzung behinderter Menschen waren (und sind) weit verbreitet."
Mehr als 750 junge Menschen nahmen an einer Jugendgedenkveranstaltung teil. Der Gedenkmarsch, der beim Steinbruch des ehemaligen Konzentrationslagers, seinen Anfang nahm, wurde u.a. von der Katholischen Jugend der Diözese Linz organisiert.
Quelle: Kathpress