
Bischof Scheuer betont Aktualität Jägerstätters
Die Aktualität des seligen Franz Jägerstätter hat der Innsbrucker Diözesanbischof Manfred Scheuer unterstrichen. Der vor 70 Jahren von den Nazis hingerichtete Kriegsdienstverweigerer habe sich ganz von seinem Gewissen leiten lassen, das auch heute noch Garant für die "unverrückbaren Maßstäbe von Gut und Böse" sei, so Scheuer bei einer Gedenkveranstaltung im Linzer Ursulinenhof. Auch heute bestehe der Wert einer Orientierung am eigenen Gewissen darin, dass im Gewissen "die Erfahrung des Unbedingten, das uns in Anspruch nimmt" durchschlage. "Es ist ein Ort der Begegnung zwischen Gott und Mensch", so der Innsbrucker Bischof, der zugleich als Postulator beim 2007 zu einem positiven Abschluss gekommenen Seligsprechungsverfahren für Franz Jägerstätter war.
Jägerstätter sei ein Märtyrer gewesen, "der vor die Alternative: Gott oder Götze, Christus oder Führer, gestellt war" und aus einem "gebildeten und reifen Gewissen heraus" und mit Mut ein "entschiedenes Nein zum Nationalsozialismus" gesagt habe. Damit habe Jägerstätter "auch objektiv Zeugnis für die Wahrheit und für die Gerechtigkeit abgelegt", auch wenn diese Vorstellungen "in der damaligen pervertierten öffentlichen Moral kaum Widerhall fanden."
Die Frage der Gewissensentscheidung des oberösterreichischen Seligen war Thema des heurigen Jägerstätter-Gedenktages, der am 21. Mai, dem Tauftag Jägerstätters, begangen wurde. Neben dem Vortrag Scheuers stand eine Podiumsdiskussion u.a. mit dem evangelischen Superintendenten Gerold Lehner, der Jägerstätter-Biografin Erna Putz und dem Pädagogen Thomas Schlager-Weidinger auf dem Programm. Am 9. August jährt sich zum 70. Mal der Märtyrertod des Innviertler Bauern in der deutschen Justizvollzugsanstalt Brandenburg an der Havel.
Lehner unterstrich die Notwendigkeit der Gewissensbildung. Das Gewissen "wächst und lebt in der Bindung an Gott". Dies werde durch Jägerstätter besonders deutlich.
Die persönlichen Auswirkungen der reifenden Gewissensentscheidung auf die Liebe zwischen Franz und seiner im heurigen März verstorbenen Frau Franziska zeigte Erna Putz auf. Schlager-Weidinger wiederum, der sich in seiner Dissertation mit der Gewissensentscheidung Jägerstätters befasste, unterstrich das Zusammenspiel von Glaubensüberzeugung, klarer Weltsicht und intellektueller Bildung zur Herausbildung eines reifen Gewissens.
Erfolgreicher Schülerwettbewerb
Weitere Akzente des Gedenktages bildeten ein ökumenisches Mittagsgebet an der Jägerstätter-Stele im Linzer Mariendom sowie ein Gottesdienst in der Wallfahrtsbasilika auf dem Pöstlingberg mit Bischof Scheuer.
Bereits zum vierten Mal wurde außerdem von der "Initiative Jägerstätter" gemeinsam mit der Pädagogischen Hochschule der Diözese Linz ein Schülerwettbewerb gestartet, der heuer das Thema Seligpreisungen als treibende Kraft der Jägerstätters hatte. Eingereicht wurden rund 120 Beiträge, die die Aktualität Jägerstätters auch für die heutige junge Generation dokumentieren. Geplant ist die Erstellung eines Sammelbandes mit dem Titel "Aus dem Rahmen - Jägerstätter in Bildern von Kindern und Jugendlichen", der die Beiträge der bisherigen vier Wettbewerbe enthalten soll.
Linzer Dom: Jägerstätter in der "Langen Nacht"
Präsent sein wird der Selige auch in der kommenden "Langen Nacht der Kirchen" am Freitag, 24. Mai. So werden der Schauspieler Gregor Bloeb, der Autor Felix Mitterer sowie der Jägerstätter-Beauftragte der Diözese, Bischofsvikar Max Mittendorfer, im Linzer Mariendom ein Gespräch über die Aktualität der Jägerstätters führen (Beginn: 20.00 Uhr).
Mitterer hat das Theaterstück "Jägerstätter" geschrieben, das heuer beim Theatersommer Haag aufgeführt werden wird. Die Titelrolle des Franz Jägerstätter wird dabei Haag-Intendant Gregor Bloeb persönlich spielen.
Das Stück des aus Tirol stammenden renommierten Dramatikers wird am 20. Juni 2013 im Wiener Theater in der Josefstadt uraufgeführt. Es steht von 3. Juli bis 9. August auf dem Spielplan in Haag.
Quelle: Kathpress